Hewlett-Packard baut seine SDN-Lösung aus

HP meldet Fortschritte für sein Software Defined Networking

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Die Virtualisierung von Hardware, Control-Software und Anwendungen soll flexibler als traditionelle Netze sein und den Anforderungen des Cloud Computings besser gerecht werden.
Foto: Hewlett-Packard

Als einer der ersten Hersteller hat HP eine Lösung für das Software Defined Networking (SDN) angekündigt, die Hardware, Control-Software und Anwendungen virtualisiert und über eine einzige Steuerungsebene verwaltet. Auf diese Weise wird im Prinzip die Steuerungsebene von der physikalischen Infrastruktur getrennt. Das habe den Vorteil - so die Verfechter der SDN-Idee -, dass man den Netzbetrieb einschließlich Konfiguration automatisieren könne.

Zudem seien SDN-Konzepte nicht so fehleranfällig, zeit- und ressourcenbedürftig wie die manuelle Konfiguration eines Netzes über die Kommandozeile (Command Line Interface = CLI). SDN unterstütze auch den Rollout von Services und Applikationen.

Besseres Provisioning

Als Beleg für die Vorteile des SDN führt der Konzern seine italienische Tochter an. HP Italy habe durch den Umstieg auf eine SDN-Infrastruktur die Bereitstellung - also das Provisioning - eines Exchange-Servers von früher zwei Wochen auf heute fünf Minuten verkürzen können.

Die neuen Technologien decken laut HP alle Netzebenen ab. Sie umfassen einen SDN-Controller, SDN-Anwendungen sowie SDN-Services und -Lösungen, die auf der HP-Strategie des Virtual Application Network aufbauen. Im Detail hat HP neun weitere Switch-Modelle der 3800-Reihe angekündigt, die künftig das OpenFlow-Protokoll unterstützen. Bisher umfasste das Portfolio an OpenFlow-fähigen Switches 16 Modelle. Für die Abstraktion der logischen Netzebene von der physikalischen ist der neue "Virtual Application Networks SDN Controller" zuständig. Die automatisierte Bereitstellung von Public-Cloud-Diensten ist dagegen Aufgabe der neuen Software "Virtual Cloud Networks". Sie soll nicht nur Cloud-Dienstleistern helfen, sondern auch Anwenderunternehmen in die Lage versetzen, eine isolierte virtuelle Cloud-Netzumgebung durch eine Self-Service-Public-Cloud-Infrastruktur zu erstellen. Auf Anwendungsebene greift auch die neue Software "Sentinel Security". Sie automatisiert die Zugangskontrolle zum Netz und verküpft die Intrusion-Prevention-Sicherheit mit bestehenden OpenFlow-fähigen Switches.

In der Praxis können mit Hilfe des SDN-Konzepts beispielsweise virtualisierte, skalierbare Firewalls gebaut werden. "Im Rahmen der CERN-OpenLab-Partnerschaft entwickeln wir gegenwärtig mit HPs Software-Defined-Networking-Technologien eine Anwendung zur Lastverteilung für den Virtual Application Networks SDN Controller, um den Netzwerk-Traffic über verschiedene Geräte inklusive Firewalls und Server zu verteilen", sagt Jean-Michel Jouanigot, Communication Systems Group Leader in der IT-Abteilung des CERN. "Auf diese Weise können wir die Komplexität und Bandbreitenengpässe verringern und gleichzeitig Kosten senken."

Allerdings gehört Jouanigot derzeit zu den Vorzeigekunden in Sachen SDN und OpenFlow, setzen bislang doch hauptsächlich Forschungseinrichtungen und Universitäten das neue Netzkonzept in der Praxis ein. So muss HP einräumen, dass die Eigenwerbung, man sei "der einzige große Netzwerkanbieter mit mehr als 15 Millionen installierten OpenFlow-fähigen Ports", nicht ganz zutreffend ist und man wohl besser von "potenziellen OpenFlow-Ports" sprechen müsste. Weltweit hat Hewlett-Packard eigenen Angaben zufolge rund 100 Kunden, die bereits ein SDN-Netz auf OpenFlow-Basis verwenden.

Google hat SDN realisiert

Die geringe Anwenderzahl erklärt HP damit, dass man sich noch in einer sehr frühen Phase der OpenFlow-Entwicklung befinde. Produkte sollen zur Jahresmitte 2013 verfügbar sein.

In der Tat handelt es sich bei OpenFlow noch um ein junges Protokoll, dessen Version 1.1 erst im Februar 2011 veröffentlicht wurde. Seinen Ritterschlag als Enabling Technology für SDN erhielt OpenFlow im April 2012. Zu diesem Zeitpunkt berichtete Urs Hölzle, Senior Vice President for Technical Infrastructure bei Google, wie der Konzern in den vergangenen zwei Jahren sein internes Netz umbaute, um ein SDN auf OpenFlow-Basis zu realisieren.

Neben HP arbeiten fast alle namhaften Netzausrüster an SDN. So sind Cisco, Dell Force 10, IBM, Extreme oder Juniper mit von der Partie.

Von Jürgen Hill