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HP-Management dachte über Firmenaufsplittung nach

08.12.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Carleton Fiorina, Top-Managerin von Hewlett-Packard (HP), hat anlässlich eines Gesprächs mit Analysten in Boston bestätigt, dass die oberste Führungsmannschaft des Unternehmens schon dreimal diskutiert habe, HP in verschiedene Firmenteile aufzusplitten. Diese Diskussionen hätten mit wechselnden Mitgliedern des Führungsstabes stattgefunden, das Ergebnis sei letztendlich aber immer das gleiche gewesen: "Eine einstimmige Entscheidung", das Unternehmen mit seinen diversen Produktsegmenten als Ganzes zu erhalten.

Fiorina wollte nicht sagen, wann diese Diskussionen stattgefunden haben. Bekannt ist allerdings, dass das HP-Management während des Übernahmeprozesses von Compaq Computer überlegte, die Imaging- and Printing-Division abzuspalten. Seinerzeit entschied sich das Gremium gegen diese Variante.

1999 hatte sich HP von seinem Messgerätebereich getrennt. Dieser firmiert seit dieser Zeit als Agilent Technologies als eigenständiger Konzern.

Die Forderung von Finanzanalysten und Experten, HP solle sich in verschiedene Unternehmen auftrennen, ist dabei nicht neu. Im Lichte des Verkaufs der PC-Sparte der IBM an die chinesische Lenovo Group Ltd. haben solche Überlegungen allerdings wieder neue Nahrung bekommen.

HP, so die Argumentation, sei viel zu disparat aufgestellt. Neben der extrem profitablen Imaging- and Printing-Division biete der Konzern ein Sammelsurium von Produkten von Digitalkameras über Musikabspielgerätschaft und kommerziell nutzbaren Profi-PCs bis zum fehlertoleranten Rechner für spezielle Anforderungen im Echtzeit-Rechenzentrumsbetrieb an. Würde etwa die Druckersparte abgetrennt als eigenständiges Unternehmen geführt, würde dieses mehr wert sein denn als Teil des gesamten HP-Konzerns.

Fiorina hält dem entgegen, dass ein Konzern mit einem kompletten Produktangebot auftreten müsse. Das sei gut für die Kunden, es berge aber auch Chancen für ein Unternehmen wie HP. Bei solch einer Strategie müsse das Management allerdings darauf achten, dass es die einzelnen Produktsegmente so aufstellt, dass diese nicht nur jedes für sich profitabel seien. Vielmehr müsse der Konzern auch in der Lage sein, die unterschiedlichen Produktkategorien zu attraktiven Bündelangeboten bei Kunden zusammen zu stellen. Nur so könne der Konzern einen erhöhten Gewinn aus seiner Angebotsvielfalt schlagen. (jm)