Sinneswandel

HP lässt OpenVMS nun doch weiterleben

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Eigentlich hatte Hewlett-Packard (HP) das Betriebssystem OpenVMS abgekündigt. Nach Protesten geht es jetzt aber doch weiter.

Allerdings nicht bei HP selbst, sondern bei einer neuen Firma, an die Hewlett-Packard OpenVMS in Lizenz gegeben hat. VMS Software Inc. (VSI) will Ports auf die neueste Itanium-Generation entwickeln und stellt für die Zukunft gar Unterstützung von x86-Prozessoren in Aussicht (Itanium ist eine reine 64-Bit-Architektur, die sich allerdings nie so durchsetzen konnte wie Intel und HP das ursprünglich geplant hatten).

OpenVMS 7.3.1 mit DECwindows
OpenVMS 7.3.1 mit DECwindows
Foto: Moe Epsilon via Wikimedia Commons

"Ich denke mal, so bekommen die Kunden was sie wollen", sagt Randy Meyer, Vice President und General Manager für die Mission Critical Systems bei HP. Ursprünglich hatte der Konzern OpenVMS nicht mehr über die "Integrity-i2"-Server mit Vierkern-"Tukwila"-Itaniums hinaus weiterentwickeln wollen und damit das traditionsreiche System effektiv aufs EOL-Abstellgleis geschoben, was prompt durchaus vernehmliche Anwenderproteste nach sich gezogen hatte.

VSI ist zwar neu, aber irgendwie auch nicht - finanziert wird die neue OpenVMS-Firma von den Investoren von Nemonix Engineering, das schon seit vielen Jahren Support und Wartung von OpenVMS-Systemen anbietet.

Bis Anfang 2015 will VSI das Betriebssystem auf Intels Achtkern-"Poulsons" validieren und auch HP-Hardware mit den kommenden "Kittson"-Itaniums unterstützen. Darüber hinaus (und das ist vermutlich die spannendere Aussicht) will die Firma einen x86-Port - dafür gibt es allerdings noch keinen konkreten Zeitrahmen - und neue Versionen von OpenVMS entwickeln. Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte VSI eine Roadmap (PDF-Link).

Allein HP hat immer noch rund 2500 OpenVMS-Kunden mit Wartungsverträgen (es gibt ferner unabhängige Support-Anbieter wie die Parsec Group). OpenVMS ist zwar in einer von Linux, Windows und einigen Unix-Derivaten dominierten Server-Welt fast unsichtbar geworden, treibt aber immer noch kritische Systeme in beispielsweise Atomkraftwerken, Prozesssteuerungen aller Branchen oder der US-Marine an.

"Das ist ein herausragendes Stück Software, seine Stärken sind einfach legendär", sagt VSI-Chef Duane Harris mit Blick auf die Fähigkeiten von OpenVMS in Bereichen wie Disaster Recovery, Sicherheit und Clustering. "Wir sind ziemlich sicher, dass OpenVMS das sicherste Betriebssystem da draußen ist, ganz bestimmt sicherer als Linux und Windows. Wir wollen OpenVMS in die Zukunft führen."

Für die weitere Entwicklung hat VSI ein Team alter OpenVMS-Entwicklerhasen zusammengestellt, von denen einige sogar an der ursprünglichen VMS-Entwicklung bei der Digital Equipment Corp. (DEC) beteiligt waren - die Ursprünge des Systems reichen zurück bis in die Mitte der 1970er Jahre. DEC wurde von Compaq gekauft und Compaq wiederum von HP.