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HP kündigt Blade-PCs an

04.12.2003
Als Consolidated Client Infrastructure (CCI) will HP das Blade-PC-Konzept in den Massenmarkt tragen - zur Freude von Transmeta. Dazu kommen zahlreiche Adaptive-Enterprise-Neuheiten.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hewlett-Packard kündigt heute im Rahmen seiner "Adaptive-Enterprise"-Strategie einen Blade-PC und weitere Virtualisierungsprodukte an. Von Zeit zu Zeit, meint "Computerwire", gebe es eine so nahe liegende Idee, dass man sich frage, warum nicht selbst zuerst darauf gekommen sei. Der Blade-PC sei eine solche.

Das Konzept als solches ist mitnichten neu. HP als Stückzahlenriese bei PCs und Servern werde aber zweifellos mit Erscheinen des Geräts - das ab März kommenden Jahres allgemein verfügbar sein soll - einen Blade-PC-Markt schaffen und diesen auch dominieren, falls die Kundschaft ausreichend Interesse bekundet. Der Blade-PC ist sozusagen ein Ableger des Network Computer, der auf vernetzte Anwendungen zugreift, die auf Servern liegen und ablaufen.

Wer hat's erfunden?

Zuerst hatte die 1997 gegründete texanische Firma Clearcube begonnen, ein Rack mit bis zu 112 Blades zu vermarkten, die mit Uniprozessor-Pentium-4s oder Zwei-Wege-Xeon-Einschüben und schnellen Grafikchips bestückt sind und unter Windows 2000, XP oder Linux laufen. Die Endanwender greifen auf ein solches Blade über ein per Ethernet angeschlossenes Kästchen auf ihrem Schreibtisch zu, an das sich zudem Peripherie wie Monitor, Tastatur und Maus anschließen lassen (Computerwoche online berichtete). Clearcube reklamiert für seine Lösung aufgrund der leichteren Verwaltbarkeit Kostenvorteile von bis zu 40 Prozent gegenüber einer Desktop-Infrastruktur.

Ähnliche Einsparpotenziale verspricht HP für seine Lösung, die es ganz unsexy als "Consolidated Client Infrastructure" (CCI) vermarktet. Der Konzern hat dazu seine ursprünglichen "Quickblade"-ProLiant-BL-Server der e-Class, die 20 Pentium-III-Blades mit 700 Megahertz bis 1 Gigahertz in ein Chassis und bis zu 280 Blades in einen Standardschrank unterbrachten, mit einem neue Einschub auf Basis eines auf 1,1 Gigahertz getakteten "Efficeon"-Prozessors von Transmeta überarbeitet. Die Transmeta-Blades mit der Produktbezeichnung "bx1000s" kosten 799 Dollar pro Stück und laufen unter Windows XP Pro.

Zugriff über Thin Clients und RDP

Endnutzer greifen darüber über den Thin Client "t5000" zu, der Windows CE oder XP Embedded als Betriebssystem verwendet. Die XP-Benutzerprofile und -daten werden auf dem Blade oder anhängenden NAS/SAN-Arrays gespeichert, für den Anwender sieht alles aus wie ein Arbeitsplatzrechner unter Windows XP. Der Zugriff erfolgt dabei über das Microsoft-Protokoll RDP (Remote Desktop Protocol) und ist neben LAN auch über WLAN oder eine Wählverbindung möglich.

Die Lösung bietet laut HP-Director Tad Bodeman eine Reihe von Vorteilen: Zuvorderst befinde sich alles an zentraler Stelle und werde über ein zentrales Backup gesichert. Und wenn ein Blade ausfalle, könne ein Nutzer aufgrund des Shared-Computing-Prinzips innerhalb kürzester Zeit auf ein anderes Blade wechseln. Marktforscher, mit denen HP gesprochen habe, bezifferten die Gesamtkosten eines PCs über einen Lebenszeitraum von drei Jahren mit 4000 bis 8000 Dollar, die allerniedrigste Schätzung über vier Jahre hinweg betrug 2600 Dollar. HP will mit CCI diese Kosten auf 1300 Dollar drücken. Außerdem verspricht der in Palo Alto ansässige Konzern einen Break-even-RoI (Return on Investment) in weniger als zwölf Monaten - Kosten für die Thin Clients, Blades, Racks, Storage, Management-Software, Betriebssysteme etc. inklusive.

Erhebliches Einsparpotenzial

Nach Liste kosten die nötigen Komponenten pro Arbeitsplatz um die 1500 Dollar. Bodeman geht aber davon aus, dass die Lösung über den Handelskanal oder HP direct für einen Straßenpreis unter 1000 Dollar zu haben sein wird - was ziemlich genau dem Preis eines ordentlichen Desktop-PCs ohne Bildschirm entspricht. HP hat sein Konzept nach eigenen Angaben bislang nur 100 Kunden vorab gezeigt und nach eigenen Angaben bereits eine Pipeline von über einer Million Blade-PC-Seats. Marketing-Vice-President Mark Hudson erklärte, HP sei nicht über das NC-Konzept durchgedreht wie Larry Ellison einige Male, sei aber nichtsdestoweniger zu dem Schluss gekommen, dass ein zentral administrierter Blade-PC-Ansatz bis zu 60 Prozent des Desktop-PC-Marktes abdecken könnte, wenn sich das Konzept durchsetze (Transmeta muss angesichts solcher Aussagen schier außer sich sein).

Virtualisierung ganz groß geschrieben

Hudson und andere HP-Manager werden über CCI hinaus heute noch ordentlich die Virtualisierungstrommel rühren. Für 90 Prozent der Anwender bedeute Virtualisierung gegenwärtig und wohl auch in Zukunft, dass die Kapazität eines Servers, Speichersubstems oder Netzgeräts virtualisiert werde und sich dann so aufteilen lasse, dass von Endnutzern und ihren Anwendern effektiver genutzt werden könne. Dieses Thema nimmt auch HP sehr ernst, auch wenn es solche Technik zu großen Teilen über Partnerschaften realisiert. Hudson zitiert Gartner-Analyst Tom Bittman mit der kürzlich gemachten Aussage, dass Unternehmen, die auf Intel-basierenden Systemen keine Virtualisierungstechnik einsetzten, bis zum Jahr 2008 ein Viertel mehr für Hardware, Software, Arbeit und Platzbedarf ausgeben würden. Bei Unix-Systemen, die bereits logische Partinionierung und brauchbare Workload-Manager bieten, schätzt Gartner den Kostenvorteil auf "nur" 15 Prozent.

HP wird sein nutzungsabhängiges COD-Server-Preismodell (Capacity on Demand), das es bislang für die "9000"er- und "ProLiant"-Server sowie die "StorageWorks"-Arrays gab, nun auch für die "Itanium"-basierenden "Integrity"-Server anbieten, die als Betriebssysteme HP-UX, Windows und Linux unterstützen. Das "reine" COD mit zusätzlichen Standby-Servern bietet HP nun auch für die Bladeserver der "ProLiant-BL"-Familie.

Erweiterte Softwarefunktionalität

Die High-Availability-Clustering-Software "MC ServiceGuard" läuft nun auch auf der Integrity-Serie unter Linux. Seit längerem gab es die Software schon für HP-UX-Maschinen mit PA-RISC-Prozessoren, und vor einiger Zeit wurde sie auch schon auf HP-UX/Itanium portiert. Gleichfalls unter Linux auf Itanium laufen nun auch die "ServiceGuard"-Erweiterungen für SAPs ERP-Software. ServiceGuard unterstützt nun auch Oracles "Real Application Cluster" (RAC) so weit, dass sich eine Datenbank über zwei 100 Kilometer voneinander entfernte Rechenzentren hinweg clustern lässt.

Verbessert wurde außerdem der Workload-Manager von HP-UX. Diese kann nun COD-Ressourcen auf HP-9000- und Integrity-Servern zuweisen und entfernen und auch in nPar-Hard-Partitions und wieder aus diesen heraus bewegen. In der zweiten Hälfte kommenden Jahres sollen diese Fähigkeiten laut Hudson auch unter anderen Umgebungen zur Verfügung stehen (hier geht es offensichtlich um Windows und Linux) und den Workload Manager zu einem globalen, netzübergreifenden Werkzeug machen. Windows wie Linux verfügen nur über primitive Workload-Management-Fähigkeiten - eine echte Herausforderung also für HP, das keines der beiden Betriebssysteme kontrolliert.

Des weiteren hat HP sein HP-UX-Deployment-Tool "Quick Start" auf den Appserver von Bea und Oracles "9i"-Datenbank ausgedehnt. Ein System soll sich mithilfe des Tools in der halben Zeit aufsetzen lassen. Last, but not least kündigt das Unternehmen zwei neue Dienstleistungen an - Messaging on Demand über Microsoft Exchange mit vier verschiedenen, vom Service-Level abhängigen Preismodellen und Abrechung per Mailbox, sowie eine automatische Service-Nutzungsmessung für IT-Organisationen, die ermitteln wollen, welche Nutzer und Abteilungen welche Dienstleistungen abrufen, um diese anschließend in Rechnung zu stellen. (tc)