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HP in den Startlöchern für PA-8800

28.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auch wenn HP speziell nach der Übernahme von Compaq einer der wichtigsten Unterstützer von Intels Itanium ist, bedeutet das noch lange nicht das Aus für die hauseigene "PA-RISC"-Chiparchitektur. Seit kurzem ist der mit 875 Megahertz getaktete "PA-8700+" lieferbar, und gegenwärtig bereitet der Konzern den "PA-8800" (Codename "Mako") vor, der deutlich mehr Leistung als der 8700 und auch als der "Itanium 2" bieten soll.

Wie "Computerwire" berichtet, ähnelt der Mako mit Kupfer/SOI-Prozess (Silicon On Insulator) und MCM-Packaging (Multichip Module) der Technologie von IBMs "Power4". HP, dessen Chips von Big Blue gefertigt werden, setzt beim PA-8800 aber bereits auf 130 Nanometer Strukturbreite; diesen Schritt hat der gegenwärtig in 0,18 Mikron produzierte Power4 erst noch vor sich.

Wie auch immer: Der PA-8800 enthält zwei komplette 8700-Cores, deren integrierten L1-Cache sowie einen L2-Cache-Controller und ist damit wie auch der Power4 ein "Server on a Chip". Der L2-SRAM ist außerhalb des Chips, aber im MCM untergebracht. Jeder der beiden Cores verfügt über je 750 Daten- und Befehls-Cache, macht zusammen 1,5 MB pro Kern. Der "PA-8600" hatte die gleiche Cache-Größe, der PA-8700 mit 2,25 MB etwas mehr - allerdings waren bei beiden Vorgängern die Daten- und Befehlsbereiche zusammengelegt.

Neben den insgesamt 3 MB L1-Cache besitzt der PA-8800 32 MB L2-Cache (zugeliefert von Enhanced Memory Systems, bestehend aus 4 SRAMs mit 10 GB/s Durchsatz). Ebenfalls an Bord ist eine Bus-Schnittstelle mit 128 Bit und doppelter 200-Megahertz-Pumpe. Insgesamt ist der neue HP-Chip mit 300 Millionen Transistoren (Power4: 170 Millionen) einer der komplexesten je gefertigten Halbleiter. Dank des 130-Nanometer-Prozesses sollten aber Taktraten von 1 Gigahertz und mehr möglich sein.

Unklar ist gegenwärtig noch, ob der PA-8800 pinkompatibel zum 8700 bleibt. Sollte dies gelungen sein (was aber eher unwahrscheinlich erscheint), könnten Anwender der Server-Linien "9000" und "rp" sowie entsprechender Workstations die Leistung ihrer Maschinen durch Prozessortausch mehr als verdoppeln. HPs Ankündigung, mit dem im September 2000 vorgestellten "Superdome", der anfänglich 8600er und 8700er PA-RISC-Chips unterstützte, demnächst auf 128 Wege zu skalieren, bedeutet aber wohl eher neue Boxen mit 64 der neuen 8800er-Chips (oder alternativ Itanium-2s), da Server-Chassis selten mehr als zwei Chip-Generationen unterstützen. (tc)