Windows-NT-Terminals favorisiert

HP gibt Microsofts Net PC kaum Chancen

25.07.1997

"Der Net PC ist tot, und NCs werden es nicht schaffen", überraschte Clay, als Vice-President und General Manager verantwortlich für Hewlett-Packards Desktop-Produkte, die Fachpresse auf einer Veranstaltung seines Unternehmens in Paris. Das Net-PC-Konzept sei nur ein Marketing-Instrument, das die Idee von verwaltbaren PCs in die Köpfe der IS-Manager drücken solle. Clay: "Wir setzen keine allzu großen Erwartungen in unseren Net PC."

Noch vor einigen Wochen hatte HP im Vorfeld der PC Expo in New York gemeinsam mit Microsoft, Intel und weiteren Herstellern die ersten Net PCs präsentiert. Ab August will Hewlett-Packard die Geräte liefern können.

Statt für die schlanken PCs zu werben, bricht Clay eine Lanze für die jüngst von Microsoft propagierten Windows-NT-Terminals (WBTs = Windows-based Terminals). Diese wiesen gegenüber Net PCs beträchtliche Vorteile hinsichtlich Preis und Verwaltbarkeit auf. HP werde voraussichtlich mit einem der großen Terminalanbieter wie Wyse Technology oder Boundless zusammenarbeiten, um entsprechende Produkte anbieten zu können. NCs kämen als Ersatz für die weltweit rund 38 Millionen dummen Terminals hingegen kaum in Frage, da es sich dabei um proprietäre Systeme handle.

Offenbar hat die Konzernspitze den vermeintlichen Kurswechsel der deutschen HP-Niederlassung noch nicht mitgeteilt. Baldur Dürrwang, verantwortlich für das Marketing der PC-Produkte in Deutschland, erklärte jedenfalls auf Anfrage gegenüber der COMPUTERWOCHE: "Was Herr Clay gesagt hat, spiegelt die Net-PC-Strategie HPs nicht wider." Der Markt für Windows-NT-Terminals könne zwar in der Zukunft interessant werden, so Dürrwang. Momentan jedoch spreche schon die Netzinfrastruktur in Großunternehmen gegen einen breiten Einsatz solcher Terminals.

Daß die Net-PC-Front bröckelt, scheint allerdings auch der radikale Kurswechsel zu belegen, den Microsoft vollzogen hat. Noch im Juli sollen weitere Details zu den bereits angekündigten Windows-based Terminals veröffentlicht werden. Wie berichtet handelt es sich dabei um Geräte mit jeweils 4 MB Arbeits- und Festwertspeicher, die vom Applikations-Server unter Windows NT lediglich Screen Images erhalten. Im Gegensatz etwa zum NC-Konzept sollen die erwarteten Spezifikationen vorsehen, daß auch Software wie die Java Virtual Machine (JVM) oder ein Internet-Browser nicht auf dem lokalen Rechner, sondern auf einem Windows-NT-Server vorgehalten wird. Voraussetzung dafür ist allerdings die Verfügbarkeit eines Multiuser-fähigen Betriebssystems. Mit Hilfe der von Citrix und Prologue zugekauften Techniken hofft der Branchenriese, bis 1998 eine entsprechende NT-Variante liefern zu können (Codename "Hydra"). Damit, so die Redmonder, könnte der "schlankste aller schlanken Clients" zu einem Preis von rund 500 Dollar Realität werden - eine Vision, die HP-Manager Dürrwang allerdings nicht teilen mag: "Das ist Marketing.