Geschäftsergebnisse

HP Enterprise verbreitet bessere Nachrichten als HP Inc.

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Zum letzten Mal verkündete Meg Whitman Geschäftszahlen für Hewlett-Packard insgesamt. Dabei präsentierte sie aber auch schon die Zahlen für HP Enterprise und HP Inc. gesondert. Es zeigte sich: Das in der HP Inc. untergebrachte PC- und Printer-Geschäft steht stark unter Druck.

Hewlett-Packard geht auch als zweigeteiltes Unternehmen schwierigen Zeiten entgegen. HP Enterprise (HPE) und HP Inc. haben gestern das letzte gemeinsame Geschäftsergebnis veröffentlicht und zudem einen Ausblick auf das Anfang November 2015 gestartete neue Geschäftsjahr gegeben. Es zeigte sich, dass insbesondere die auf PCs und Drucker konzentrierte HP Inc. weiter mit Problemen zu kämpfen hat. Hintergrund ist die anhaltende Schwäche im PC-Markt: Unternehmen und Privatkunden investieren verstärkt in mobile Endgeräte - und hier ist HP schlecht aufgestellt.

Siehe auch Berichterstattung zur Konzernspaltung von HP:

Schwache zahlen der HP Inc.

Dion Weisler, Chef des in der HP Inc. konsolidierten Drucker- und PC-Geschäfts, sieht schwierigen Zeiten entgegen.
Dion Weisler, Chef des in der HP Inc. konsolidierten Drucker- und PC-Geschäfts, sieht schwierigen Zeiten entgegen.

Dion Weisler, CEO der HP Inc., spricht von einer schwierigen Marktdynamik": Printer- und PC-Verkäufe waren im vierten Geschäftsquartal 2015 (Ende: 31. Oktober) um 14 Prozent abgerutscht. Sowohl für das laufende erste Quartal als auch für das gesamte nächste Geschäftsjahr nahm Weisler die Ergebnisziele zurück und kündigte beschleunigte Kostensenkungs-Maßnahmen an. Die aus dem HP-Gesamtergebnis herausgerechneten Umsätze der HP Inc. beliefen sich auf 12,7 Milliarden Dollar - damit wurden selbst die konservativen Einschätzungen der Analysten, die von 12,9 Milliarden Dollar ausgegangen waren, untertroffen.

Mehr Entlassungen, und dann noch früher als geplant

Eigentlich wollte sich HP Inc. für die Entlassung von rund 3300 Mitarbeitern drei Jahre Zeit nehmen. Nun soll der Aderlass bereits innerhalb eines Jahres erfolgen. Außerdem denkt das Unternehmen über darüber hinausgehenden Personalabbau nach. "Natürlich schauen wir dabei vor allem auf die Bereiche im Unternehmen, die nicht umsatzrelevant sind", sagte Weisler. Geht es um das kommende Geschäftsjahr, ruhen seine Hoffnungen vor allem auf dem Einstieg in das 3D-Print-Business, der für 2016 geplant ist.

Konsolidierter HP-Umsatz neun Prozent unter Vorjahr

Meg Whitman, CEO von HP Enterprise, liegt mit ihren Ergebnissen weitgehend im Plan.
Meg Whitman, CEO von HP Enterprise, liegt mit ihren Ergebnissen weitgehend im Plan.
Foto: Hewlett-Packard

Meg Whitman, vormals CEO von HP insgesamt und nunmehr Chefin der HP Enterprise, unterstützte Weisler dabei, zum letzten Mal Quartalszahlen des Gesamtkonzerns zu präsentieren. Und die fielen mau aus: Der Umsatz von HPE und HP Inc. zusammengenommen belief sich auf 25,7 Milliarden Dollar und lag damit nicht nur um neun Prozent unter dem Vorjahreswert, sondern auch unter dem, was die Finanzanalysten an der Wallstreet erwartet hatten (26,5 Milliarden Dollar). Im gesamten Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen Einnahmen von 103,4 Milliarden Dollar, ein Minus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Immerhin: Währungsbereinigt liegt der Umsatzrückgang nur bei zwei Prozent.

HPE in besserem Zustand

Für Whitmans Unternehmensbereich HPE laufen die Geschäfte derzeit besser. Für die Chefin liegt die Herausforderung darin, Kunden auch im Cloud-Zeitalter zu halten, zumal Cloud-Infrastrukturen meist auf hochskalierbarer Billighardware aufsetzen. Die Gewinnmargen für HPE dürften hier also dünner werden.

So haben die verschiedenen Unternehmensbereiche von Hewlett-Packard im vierten Quartal 2015 abgeschnitten.
So haben die verschiedenen Unternehmensbereiche von Hewlett-Packard im vierten Quartal 2015 abgeschnitten.

Anders als IBM, das spätestens mit der SoftLayer-Übernahme unterstrichen hatte, im Public-Cloud-Business gegen Amazon Web Services (AWS) und Microsoft anzutreten, hat HPE den Versuch, mit einer weltweiten Public-Cloud-Infrastruktur gegenzuhalten, wieder aufgegeben. Im Public-Cloud-Bereich arbeitet das Unternehmen mit Partnern - insbesondere mit Microsoft - zusammen, ansonsten konzentriert es sich auf Private- und Hybrid-Cloud-Umgebungen in den Anwenderunternehmen selbst.

Whitman glaubt, dass sich Unternehmen auf Dauer nur in begrenztem Umfang in die Public Cloud begeben werden. Deshalb werde es weiter einen Markt für Enterprise-Hardware für Endkunden geben. Gleichzeitig will HPE aber auch Cloud-Provider mit Low-Cost-Servern bedienen. Diese Anstrengungen tragen laut Whitman erste Früchte: Im abgeschlossenen Quartal seien die Umsätze mit solchen Intel-Servern um fünf Prozent gestiegen.

Restrukturierung bei HPE geht weiter

HPE hatte im September angekündigt, rund 30.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Im Zuge einer Restrukturierung will sich der Konzern aus wenig einträglichen Geschäften, etwa einfachen IT-Services, zurückziehen und sich auf profitablere Bereiche, darunter IT-Sicherheit, fokussieren. Bei den Analysten kam es gut an, dass HPE seine Ertragsziele für 2016 aufrechterhalten will. Auch die Einnahmen dieses Unternehmensbereichs fielen im abgelaufenen vierten Quartal 2015 besser als erwartet aus: Sie lagen bei 14,1 Milliarden Dollar, während die Wallstreet-Analysten lediglich 13,5 Milliarden vorhergesagt hatten.

Börse straft HP Inc. ab

Während die Aktie der HP Inc. nach Bekanntgabe der Ergebnisse und der Pläne für 2016 an der Wallstreet nachbörslich um rund acht Prozent einbüßte, hielt sich die HPE-Aktie mit minus 1 Prozent wacker. Kein Wunder: HP Inc. musste die Vorhersage des Ertrags je Aktie für das angelaufene Geschäftsjahr auf einen Wert zwischen 1,59 und 1,69 Dollar je Anteil nach unten korrigieren. Vorher war die Finanzwelt durchschnittlich von 1,71 Dollar je Aktie ausgegangen.