Gute Quartalszahlen

HP - die große Nebelkerzen-Show der Meg Whitman

24.02.2014
Steve Janata schreibt als Experte zu den Themen Cloud Markt & Wettbewerb, Cloud Security und Cloud Ecosystems. Als IT-Analyst beobachtet und bewertet er seit über 15 Jahren den IT-Markt. Er ist Vorstand bei der  Crisp Research AG und engagiert sich politisch im Managerkreis der Friedrich Ebert Stiftung zum Thema Digitale Wirtschaft und Gesellschaft.
Die Quartalszahlen von HP werden von der Börse gut aufgenommen und auch die CEO Meg Whitman sieht HP auf einem guten Kurs - völlig zu Unrecht, die Ergebnisse sind nichts anderes als eine Bankrotterklärung des Top-Managements.
HP-CEO Meg Whitman
HP-CEO Meg Whitman
Foto: HP Deutschland

Die gezielte Desinformation ist eine der wichtigsten Waffen im Krieg - und an den Finanzmärkten. Solange man den Blick der Finanzanalysten auf das (un-)Wesentliche lenken kann, hat man als CEO gute Karten, damit durchzukommen. Das Werfen von Nebelkerzen ist also durchaus legitim, wenn auch nicht dauerhaft zielführend. Es könnte vor allem den eigenen Blick mit vernebeln.

HP kämpft schon seit Jahren mit dem Unbill der Märkte. Die Firma hat es geschafft, nahezu jeden Trend der IT-Branche verlässlich zu verschlafen. Seien es Smartphones, Tablets oder der Umbau weg von der Abhängigkeit vom Hardware-Geschäft.

Die Quittung folgt nun seit gefühlt Dutzenden Quartalen. Der Umsatz schrumpft stetig und HP muss nach und nach Personal abbauen, um überhaupt Gewinne zu erwirtschaften.

Und dennoch lässt Meg Whitman sich jetzt feiern (siehe Hewlett-Packard überrascht mit steigenden PC-Verkäufen). Die zweijährige Arbeit am Turnaround würde die Basis für eine aufregende Zukunft bilden, so Whitman. Aufregend wird die Zukunft für HP auf jeden Fall, davon ist auszugehen.

Von Turnaround keine Spur

Firmenschild am HP-Campus in Palo Alto
Firmenschild am HP-Campus in Palo Alto
Foto: Hewlett-Packard

HPsQuartalszahlen sind auf den ersten Blick gar nicht so schlimm, wie vielleicht mancher befürchtet hatte, allerdings nur auf den ersten Blick. Der Umsatz liegt mit rund 28 Milliarden Dollar ungefähr auf dem Niveau des entsprechenden Vorjahresquartals und nur leicht unterhalb des letzten. Diesen Umsatz zu erzielen hat allerdings weiter Gewinn gekostet, und das trotz der rigiden Sparpolitik. So ist der operative Gewinn um rund zehn Prozent gesunken, wenn man die Sparte "Corporate Investments" herausrechnet sogar um fast 20 Prozent. All das wäre aber alleine kein Beinbruch, sondern tatsächlich ein eher normaler Verlauf bei einer Sanierung - und HP ist ein Sanierungsfall.

Nein, was wirklich erschreckt, ist dass es HP nicht mal ansatzweise gelingt, in den wichtigen Zukunftsbereichen Fuß zu fassen.

Beispiel Software: Dort liegt der Umsatz im letzten Quartal bei mageren 916 Millionen Dollar (minus vier Prozent), was übrigens nicht viel mehr ist als der Umsatz, den HP mit der Sparte Financial Services macht. Vielleicht sollte HP sein Heil im Bankenbereich suchen?

Nur das Private-Cloud Geschäft dürfte wachsen

Innerhalb der Software-Sparte konnte einzig der Bereich SaaS um magere sechs Prozent zulegen. Die allgemeinen Marktzahlen von Crisp Research weisen für diesen Bereich jedoch ein Wachstum von fast 50 Prozent aus. Die Lücke, die HP gegenüber dem Wettbewerb zu schließen hat, wird also immer größer wird.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Bereich "Enterprise Services". Dort war der Umsatz um sieben Prozent rückläufig. Innerhalb dieser Sparte werden auch die "Enterprise Cloud Services for SAP Applications" geführt, das nächste eigentliche Wachstumsfeld von HP.

Man muss also konstatieren, dass es HP nicht geschafft hat die Wende zum besseren einzuleiten. Die jetzigen Zahlen zeigen die totale Abhängigkeit vom Hardware-Geschäft. Wie groß in diesem Bereich aber die Verwerfungen derzeit sind, haben gerade erst die Geschäftszahlen von IBM und Cisco gezeigt (siehe IBM-Zahlen enthüllen die Wahrheit über den Cloud-Markt beziehungsweise Cisco - das nächste prominente Opfer der Cloud)

Allerdings muss man HP natürlich zugute halten, dass das Cloud-Geschäft zu großen Teilen aus dem Bau von Private-Clouds besteht und da ist HP gut aufgestellt und macht mit Sicherheit auch signifikante Umsätze. Vielleicht sollte man diese einmal getrennt ausweisen.

Hoffnung für die Zukunft?

Angesichts dieser Tatsachen muss man sich ernsthaft Sorgen um die mittelfristige Zukunft des Konzerns machen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Investoren bald die Notbremse ziehen und HP aufspalten. Für die Druckersparte gibt es sicherlich zahlreiche Interessenten aus Fernost.

Es gibt aber natürlich auch Assets bei HP, die die Firma selber einsetzen könnte, um endlich zurück auf die Erfolgsspur zu kommen. Der Bau von Private Clouds in Europa boomt, und in diesem Geschäft hat HP eigentlich besten Voraussetzungen, davon zu profitieren (siehe etwa Zehn Private-Cloud-Lösungen im Vergleich). Auch verfügt HP über einen weltweiten Data-Center-Footprint und somit über Möglichkeiten, großen Kunden hybride Cloud-Szenarien zu offerieren.

Und mit der Openstack basierten Public-Cloud hat HP auch hier ein wettbewerbsfähiges Angebot im Portfolio.

Zu guter Letzt hat HP immer noch das Vertrauen eines sehr breiten und diversifizierten Channels. Dieser könnte eine aktive Rolle, gerade beim Ausbau des Cloud-Geschäfts spielen.

Das alles nützt aber wenig, wenn man es nicht versteht, die eigenen Waffen richtig einzusetzen, und sich stattdessen überwiegend mit Kostensenkungen und Umstrukturierungen beschäftigt. Die Kunden, die Partner und deren Bedürfnisse - nicht die der Finanzmärkte - müssen endlich wieder in den Vordergrund rücken. Dann hat HP wieder eine Chance, in einem sich schnell wandelnden Markt zu reüssieren. (jha)