Übernahme

HP-Chefin Whitman zeigt sich unnachgiebig im Fall Autonomy

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HP-Chefin Meg Whitman hat in einer Pressekonferenz bekräftigt, sie bedauere nicht, den Skandal um die übernommene Softwareschmiede Autonomy öffentlich gemacht zu haben. HP schulde seinen Aktionären Ehrlichkeit in dieser Betrugsaffäre.

Whitman, die in London eigentlich über die neuen Moonshot-Server reden wollte, hatte ein Problem: Die Journalisten befragten sie nahezu ausschließlich zur Krise rund um den übernommenen Analytics-Spezialisten Autonomy. Etwa ein Jahr, nachdem Hewlett-Packard das Softwarehaus für 11,1 Milliarden Dollar gekauft hatte, musste der Konzern 8,8 Milliarden Dollar auf dieses Investment abschreiben. Mindestens fünf Milliarden Dollar davon seien auf mutmaßlichen Betrug durch das ehemalige Management des Softwarehauses zurückzuführen.

Gibt nicht nach in der Causa Autonomy: HP-Chefin Meg Whitman
Gibt nicht nach in der Causa Autonomy: HP-Chefin Meg Whitman
Foto: HP Deutschland

Gegenüber "The Telegraph" sagte die HP-Chefin, die unsauberen Methoden von der Autonomy-Führung hätten auch die Mitarbeiter des britischen Softwarehauses schwer erschüttert. Es habe einige Monate gedauert, um ihr Vertrauen wieder zu gewinnen. Inzwischen sei etwas Ruhe eingekehrt. HP erwarte, die Profitmargen der Softwaretochter nun sukzessive verbessern zu können. Einen Verkauf des Softwarehauses schloss Whitman aus.

Ein Fall für die Justiz

Der Fall Autonomy beschäftigt derweil die Gerichte. Unter anderem untersucht das britische Betrugsdezernat den Fall, ebenso die Börsenaufsicht SEC sowie das amerikanische Justizministerium. Autonomy-Gründer Mike Lynch wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Vorwürfe. Der Manager, der das Unternehmen nach der Übernahme durch HP verlassen hatte, weist alle Anschuldigungen bezüglich Fehlinformationen oder Betrug zurück. Allein HPs eigenes Missmanagement sei für die Probleme bei Autonomy und die milliardenschweren Abschreibungen verantwortlich.

Whitman machte unterdessen deutlich, dass sie keinesfalls nachgeben werde. Ihr sei wichtig, für die HP-Aktionäre so viel Geld wie möglich zurückzuholen. "Die Frage, ob wir an die Öffentlichkeit gehen, hat sich gar nicht gestellt", zitiert die britische Zeitung Whitman. "Das Ausmaß der Falschangaben und versäumten Offenlegungspflichten war so gravierend, dass es für HP nicht möglich war, stillschweigend darüber hinweg zu gehen. Wir mussten unseren Investoren und Mitarbeitern einfach erklären, was hier geschehen ist."

Zu Jahresbeginn hatte HP Entlassungen bei Autonomy angekündigt. Spekulationen zufolge handelte es sich um 70 Positionen, die vor allem im Sales abgebaut werden sollten. Der neue Autonomy-Chef Robert Youngjohns hatte allerdings auch angekündigt, 50 neue Entwickler einzustellen. Für Gerüchte sorgt zudem immer wieder HPs konzernweit angelegter Plan, sich über mehrere Jahre hinweg von 29.000 Mitarbeitern weltweit zu trennen und dabei möglicherweise auch ganze Produktbereiche aufzugeben.

"Magische Technologie"

Dass Autonomy insgesamt fallen gelassen werden könnte, gilt auch aus Analystensicht als unwahrscheinlich. HP brauche die laut Whitman "magische Technologie", um im Zukunftsmarkt Big Data an vorderster Front mitspielen zu können. Mit der Technik lassen sich große Mengen an strukturierten und unstrukturierten Daten auswerten.

Whitmans Auftritt in London fällt in eine Phase großer Turbulenzen in der HP-Führungsspitze. Während der Hauptversammlung im vergangenen Monat hatten nach harscher Kritik der Aktionäre die beiden Board-Mitglieder John Hammergren G. Kennedy Thompson ihren Rücktritt bekanntgegeben. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Ex-Oracle-Manager Ray Lane, gab sein Amt an Großaktionär Ralph Withworth ab, bleibt aber dem Führungsgremium erhalten. In der Folge kamen wieder alte Gerüchte hoch, wonach HP aufgespalten werden oder eben doch die Softwareschmiede Autonomy zum Verkauf anbieten könnte. (hv)