Web

 

HP 3000: Ein Auslaufmodell

15.11.2001
0

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bereits gestern berichteten wir über Pläne von Hewlett-Packard, seine proprietäre Server-Familie "3000" im Laufe der nächsten fünf Jahre einzustellen. Inzwischen ist die Sache offiziell: Die Hardware verschwindet Ende November 2003 aus dem Portfolio, der Support des Betriebssystem "MPE/ix" endet im Dezember 2006. Bestandskunden will der Hersteller gemeinsam mit Lösungspartnern die Migration auf HP-UX, Linux oder Windows so einfach wie möglich machen.

Die aktuelle "e3000"-Hardware basiert auf der "A"- und "N-Klasse" der "9000"er Unix-Linie, die heuer mit neuen Uni- und Multiprozessor-Plattformen upgedatet wurden. Ein Jahr lang wird der Hersteller für die "e3000-9xx"-Maschinen, die mit älteren PA-RISC-Prozessoren bis zu zwölf Wege skalierten, noch ausgewählte Upgrades anbieten. In der zweiten Hälfte kommenden Jahres hält dann noch der "PA-8700" mit vermutlich 750 Megahertz Taktfrequenz Einzug in der A-/N-Klasse und verhilft damit auch entsprechenden e3000-Maschinen, die zurzeit mit ein bis vier PA-8500/8600 mit 250 bis 550 Megahertz bestückt sind, nochmals zu rund 30 Prozent Mehrleistung. Haupt- und Plattenspeicher, Bandlaufwerke und Peripherieanbindung der MPE-Server sollen bis Ende November 2003 weiterentwickelt werden. Dann endet offiziell der Vertrieb der e3000-Hardware.

Bei MPE/ix ist der aktuelle Versionsstand 7.0 Express Release 1. Mitte kommenden Jahres folgt dann mit MPE/ix 7.5, das unter anderem native Fibre-Channel-Unterstützung bietet, das letzte Release der Software. Der Support für MPE 6 wurde von April bis Oktober kommenden Jahres verlängert. Die Unterstützung für das Release 6.5 stellt HP Ende 2003 ein, und Version 7 bis 7.5 werden bis Ende 2006 supportet. Gegen Aufpreis verlängert sich die Galgenfrist noch einmal um sechs Monate.

Weitere ausführliche Informationen stellt HP im Netz unter www.hewlett-packard.de/server/mpe_ix/ und www.hp.com/go/e3000 bereit. Wer die aktuelle Diskussion der Anwendergemeinde verfolgen möchte, dem sei die HP-3000-Mailinglist empfohlen.

Historisch betrachtet ist HP ja nicht etwa eine Unix-Company, sondern begann in den frühen 70er Jahren mit proprietären Minicomputern - eben der HP-3000-Linie, inzwischen e3000. Diese Systeme wurden oftmals mit IBM AS/400 oder der VAX von Digital verglichen, und in der Tat gibt es in Sachen Architektur und "Kultur" viele Parallelen. In den vergangenen Jahren haben aber alle Hersteller proprietärer Systeme begonnen, ihre Plattformen zu konsolidieren und sich verstärkt auf Unix- und Windows-Systeme zu konzentrieren. So war es nur eine Frage der Zeit, dass die "Ökosysteme" rund um die Legacy-Plattformen wegbrechen und die Hersteller gezwungen sind, diese einzustellen und ihre Kunden auf andere Plattformen zu migrieren.

Unklar ist, wie viele HP-3000-Server eigentlich weltweit noch installiert sind. In den drei Jahrzehnten ihrer Existenz hat HP vermutlich mehrere Hunderttausend Einheiten verkauft und - selbst wenn IBM und DEC mit ihren Minicomputern erfolgreicher waren - damit überhaupt erst die Grundlage für die Einführung der HP-9000-Unix-Linie geschaffen, mit der das Unternehmen Ende der 80er gegen andere Midrange-Anbieter wie Sun, IBM und Digital antrat.

Eines ist jedoch offensichtlich: Selbst wenn die e3000 längst viele gemeinsame Komponenten mit der 9000er-Familie teilt, reichen die Umsätze nicht mehr, um eine Weiterentwicklung des Betriebssystem MPE zu rechtfertigen, ganz zu schweigen von einer Portierung auf die gemeinsam mit Intel entwickelte Itanium-Architektur. Compaq könnte sich - ob es nun von HP geschluckt wird oder nicht - bald mit einer ähnlichen Situation konfrontiert sehen. Einzig IBM, das mit seinen "iServern" immer noch rund drei Milliarden Dollar Hardwareumsatz erzielt, dürfte mittelfristig noch genügend Raum für eine kontinuierliche Weiterentwicklung von OS/400 haben. (tc)