Kolumne

"Hornberger Schießen"

03.10.1997

Die Kartellrechtsuntersuchung gegen Intel wäre eigentlich überfällig. Nicht erst seit gestern hat unter anderem auch diese Zeitung immer wieder aufgezeigt, wie aggressiv Intel seine dominante Marktposition bei Prozessoren nutzt, um andere Geschäftsdomänen zu besetzen. Dennoch wird die FTC-Investigation enden wie das Hornberger Schießen.

Die Parallelen zu Microsoft liegen auf der Hand, die Eckdaten der zwei Quasi-Monopolisten sind praktisch identisch, ihre Marktstellung erdrückend.

Wird die FTC-Untersuchung deshalb Sensationelles zutage fördern? Höchstwahrscheinlich nicht. Kein Intel-Kunde und auch kein Konkurrent wird es wagen, öffentlich zu bescheinigen, was namhafte Unternehmen der CW hinter vorgehaltener Hand längst bestätigt haben: Die Vorwürfe gegen Intel wegen wettbewerbsverzerrender Praktiken sind nur zu wahr.

Zudem entfalten US-Behörden nicht gerade blindwütigen Aktionismus, wenn es darum geht, amerikanische Unternehmen an die Kandare zu nehmen. Die Kartellwächter zieren sich insbesondere, die goldenen Kühe aus der zukunftsträchtigen Computerindustrie zu schlachten. Erinnert sei an eines der größten Monopol-Antitrust-Verfahren überhaupt, das der USA versus IBM. Die im Januar 1969 eingeleitete Untersuchung wurde zwölf Jahre später mit der lapidaren Feststellung zu den Akten gelegt, die Klage des Justizministeriums sei "gegenstandslos".

1990 lancierte das FTC Untersuchungen gegen Microsoft, die das US-Justizministerium 1993 an sich riß. Im darauffolgenden Jahr schloß es mit dem Softwaremoloch einen dermaßen laxen Consent Decree, daß Brancheninsider höhnten, mit dieser rechtskräftigen Vereinbarung habe die Gates-Company einen Persilschein erhalten, der ihr bisheriges Markttreiben für alle Ewigkeit sanktioniere. Selbst Intel stand zwischen 1991 und 1993 bereits einmal unter Observierung - kein Handlungsbedarf.

Interessanterweise reagieren US-Aufsichtsbehörden dann scharf, wenn es um ausländische Konkurrenten von amerikanischen Unternehmen geht und die Gefahr besteht, die US-Industrie könne Schaden nehmen: Die drakonischen Zollstrafen für NEC und Fujitsu im aktuellen Supercomputerstreit mit Cray sind beredter Beleg dafür.

Die Kartellrechtsuntersuchung gegen Intel scheint also nicht mehr als eine Show-Einlage zu sein.