Honorare bleiben unter Druck

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Tagessätze für IT-Berater verharren im Tief. Neue Bezahlmodelle halten Einzug.

Seit fünf Jahren ist der westeuropäische Markt für Systemintegration von Überkapazitäten sowie dürftigen Auslastungsraten und Margen geprägt. In der Folge haben die Tagessätze im Jahr 2005 ein Rekordtief erreicht und werden einer Umfrage des Marktforschungshauses Forrester Research zufolge in absehbarer Zeit nicht nennenswert steigen. Eine erste Erhebung Anfang vergangenen Jahres hat lediglich gezeigt, dass sich der Preisverfall nicht weiter fortsetzt. Eine zweite Befragungsrunde unter 361 Anwenderunternehmen und 16 Systemintegratoren im November 2005 bestätigte, dass sich die Preise auf niedrigem Niveau stabilisiert haben.

Hier lesen Sie...

  • wie hoch die Tagessätze für IT-Consultants derzeit sind;

  • warum in absehbarer Zeit die Honorare nicht steigen dürften;

  • welches Beratungs-Know-how gefragt ist;

  • wieso Anbieter neue Bezahlmodelle anstreben.

Pascal Matzke, Forrester: "Erfahrene Berater sind derzeit rar."
Pascal Matzke, Forrester: "Erfahrene Berater sind derzeit rar."

"Die Zeiten, in denen Partner internationaler Beratungshäuser 5000 Euro und mehr pro Tag bekommen haben, sind endgültig vorbei", berichtet Pascal Matzke, Principal-Analyst bei Forrester Research.

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Dem zuletzt in der Branche aufkeimenden Optimismus, der unter anderem davon getragen wurde, dass erste Beratungs- und IT-Dienstleistungshäuser wieder Mitarbeiter einstellen und von guten Auslastungsquoten berichten, mag sich Matzke nicht anschließen: "In den vergangenen 18 Monaten haben viele Firmen erheblichen Stellenabbau betrieben, um ihre Beschäftigung wieder auf ein erträgliches Maß zurückzuführen. Es gibt immer noch große Anbieter mit Auslastungsquoten von 55 bis 60 Prozent."

Dem anhaltenden Wettbewerbsdruck begegnen die Anbieter mit großen Zugeständnissen an die Kunden. So ist es heute durchaus gang und gäbe, Vorarbeiten für Projekte, etwa Aufwandsabschätzungen, kostenlos zu erbringen. Während die Kunden diese Assessments früher je nach Zeit- und Materialaufwand zahlten, verrechnen die Anbieter derartige Leistungen ihrer Berater heute unter den Vertriebskosten. Geld bringt das nicht ein, aber die Auslastungsquote steigt. Zudem leisten die Projektanbieter gerade zum Ende eines Projekts insbesondere dann kostenlose Mehrarbeit, wenn für das Folgeprojekt die Vertriebsmitarbeiter des Konkurrenten bereits beim Kunden vorstellig geworden sind. "Overdelivery" nennt Forrester-Analyst Matzke diese Praxis: "Das sind klassische Symptome eines krisengeschüttelten Marktes."

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