Flexibles Arbeiten

Home Office nutzt Arbeitgeber und Familie

Stephen Duignan, Vice President Global Marketing bei LogMeIn.
Das Home-Office und Heimarbeit stoßen bei deutschen Arbeitgebern und Führungskräften auf wenig Gegenliebe. Ein Fehler, denn Untersuchungen zeigen, dass Mitarbeiter im Büro zu Hause produktiver sind als im Unternehmen. Und es gibt Maßnahmen, wie man die Arbeit im Home-Office im gegenseitigen Vertrauen regeln kann.

Das Home-Office und mobiles Arbeiten haben in Deutschland keinen leichten Stand. Seit 2008 ist die Zahl der Heimarbeiter kontinuierlich gesunken. Viele Vorgesetzte mauern nach wie vor, wenn es darum geht, mehr Flexibilität im Arbeitsalltag zu gewähren. Dieser Eindruck spiegelt sich auch in den deutschen Online-Jobportalen wider. Sucht man dort nach Stellenangeboten mit Home-Office-Angebot, finden sich ausschließlich Vertriebs- und Servicestellen wie etwa Telefonakquise oder Außendienstaufgaben. Alles Jobs, wo ein festes Büro ohnehin nur selten zur Stellenbeschreibung gehört.

Mitarbeiter, die im Home-Office arbeiten, sind produktiver als gedacht.
Mitarbeiter, die im Home-Office arbeiten, sind produktiver als gedacht.
Foto: BsWei - shutterstock.com

Heimarbeit schafft zufriedenere Mitarbeiter

Nachdem auch Branchengrößen wie Yahoo-Chefin Marissa Mayer den Heimarbeitsplatz wieder aus ihrem Unternehmen verbannt haben, steht das lange als Zukunftsmodell gehandelte "Büro-Zuhause" mehr denn je auf dem Prüfstand. Zu Unrecht: Aktuelle Studien wie beispielsweise der Stanford University zeigen, dass die Produktivität von Mitarbeitern sich deutlich verbessert, wenn sie die Möglichkeit haben, im Home-Office zu arbeiten. In einem chinesischen Call-Center stieg die Produktivität der Heimarbeiter im Verhältnis zur Kontrollgruppe sogar um 13,5 Prozent - ein nicht unerheblicher Zuwachs. Außerdem sind Angestellte, die das Büro im eigenen Heim nutzen können, einer britischen Befragung zufolge überdurchschnittlich zufrieden in Arbeit und Freizeit. Grund genug für die Niederlande, Home-Office in der Gesetzgebung zu verankern. Jüngst forderte auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles Bewegung bei diesem Thema.

Karrierekiller statt Chance für Familien

Arbeitgeber lehnen flexiblere Arbeitsmodelle oft schlicht aus Prinzip ab. Sie erschweren es Arbeitnehmern so zusätzlich, Möglichkeiten wie Teilzeitarbeit oder Home-Office einzufordern. Einer Veröffentlichung des Modern Family Index zufolge fühlen sich 60 Prozent aller Familienväter nicht wohl mit der Idee, den oder die Vorgesetzte aktiv darauf anzusprechen.

Da ist es auch nicht förderlich, dass das Home-Office einen gewissen Ruf als leiser Karrierekiller hat. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis gerade jüngerer Arbeitnehmer nach einer größeren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, und Väter wollen mehr denn je eine aktive Rolle in der Familie übernehmen - hierzu können flexible Arbeitsmodelle erheblich beitragen.

Rahmenbedingungen für gute Zusammenarbeit

Langfristig werden Unternehmen allerdings bei aller Skepsis kaum daran vorbeikommen, sich umzuorientieren, denn gerade junge High Potentials leben Mobilität in ihrem Alltag und fordern sie auch von ihrem Arbeitgeber ein. Um ein für Arbeitnehmer und -geber zufriedenstellendes Umfeld zu schaffen, können Regelungen wie eine begrenzte Zahl von Home-Office-Tagen pro Woche oder auch eine Anwesenheitspflicht zu bestimmten Terminen einen guten Kompromiss bilden. Mit den folgenden Tipps profitieren alle vom Büro in den eigenen vier Wänden:

  • Gegenseitiges Vertrauen aufbauen: Im Home-Office lässt sich die Arbeit nicht mehr in Arbeitszeit messen, sondern in erfolgreich abgeschlossenen Aufgaben. Das steigert die Produktivität, ist aber für beide Seiten oft eine ungewohnte Konstellation, auf die man sich erst einlassen muss.

  • Zusammenarbeit ist der Schlüssel: Moderne Technologien sind essentiell für eine funktionierende Heimarbeit. Cloud-Plattformen wie zum Beispiel join.me, Evernote, Office365 und Google Docs bieten hier komfortable Lösungen, denn sie ermöglichen einen nahtlosen Übergang vom privaten zum beruflichen Umfeld und reduzieren den Verwaltungsaufwand.

  • Vernetzung statt Büromentalität: Mit den richtigen technischen Voraussetzungen kann jeder Raum flexibel genutzt werden. Warum nicht das WLAN auf die Caféteria erweitern und so spontane Brainstormings ermöglichen, wenn alle festen Arbeitsplätze belegt sind?

  • Technische Grundlagen schaffen: Arbeitnehmer von heute verfügen privat oft über genauso gute oder sogar bessere Technik als ihr Arbeitgeber. Eine gemeinsame Plattform, auf der die Mitarbeiter auch ihre eigenen Geräte nutzen können und die alle Lösungen integriert, trägt erheblich zur Produktivität bei.

Das Büro zu Hause birgt Einsparpotenzial

Ist nicht ständig die gesamte Belegschaft anwesend, können Miet- und Bürokosten gesenkt werden - und auch Streiks und Staus beeinträchtigen die Produktivität nicht mehr. Aber neben diesen rein finanziellen Vorteilen liegt der größte Gewinn in den Freiräumen, die Mitarbeiter durch Heimarbeit erhalten. Sind die Beschäftigten zufriedener und somit produktiver, profitiert das gesamte Unternehmen davon. Mit den heutigen Techniken lassen sich diese Möglichkeiten einfacher denn je umsetzen. (pg)