Kommentar zum Apple vs. FBI-Urteil

Hintertüren sind der Krebs des digitalen Lebens

Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf. Er versteht es diese Themen aus den aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig.
Tim Cook hat in einem ABC News Interview davon gesprochen, schwere und weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen, nach dem das FBI den öffentlichen Weg eingeschlagen hat.

Die Theorie des FBI, dass das Telefon weitere Informationen für weitere Terror Anschläge oder Komplizen haben könnte, trage ich in Teilen mit. Dabei ist die Frage wie weit will die Regierung und das FBI gehen? Sollte das FBI Recht bekommen können wir uns dann auf iOS Versionen mit Hintertüren zur Verschlüsselung, Aktivierung der Kamera oder ähnlichem vorbereiten? Darf ich persönlich damit rechnen, dass die Vereinigten Staaten über ein Überwachungssystem der ganzen Welt verfügt? Auch wenn iOS in diesem Fall zum Gück keine 100-prozentige Abdeckung hat. 100 Millionen von Menschen wären betroffen.

Apple wehrt sich gegen die Möglichkeit des Zugriffs von Behörden auf Daten in iPhones der Anwender.
Apple wehrt sich gegen die Möglichkeit des Zugriffs von Behörden auf Daten in iPhones der Anwender.
Foto: ymgerman- shutterstock.com


Ich frage mich an dieser Stelle nicht nur, wie die Vereinigten Staaten, der Senat, das FBI und Apple sich einigen. Ich frage mich auch was die EU und die Bundesregierung sagen.

Unsere Telefone enthalten Finanzinformationen, Gesundheitsdaten, Informationen über den Stand unserer Familien, Zugang zu unserem Zuhause, aber auch Kreditkartenzugang. Die geforderte Öffnung macht diese Informationen zugänglich, kurzfristig für das FBI, mittelfristig für die alle Interessierten - egal ob gut oder böse.

Wenn Sie jetzt denken, diese Daten haben die Kommunikationsprovider oder Apple selbst, möchte ich das an dem Beispiel "Meine Freunde suchen" wiederlegen.
"Meine Freunde suchen" - auch bekannt als "Find my friends" - von Apple hilft Ihnen, sich leichter mit Freunden zu verabreden oder sie gar erst zu finden. Aber auch zu sehen, ob Ihre Kinder den Schulweg richtig beschreiten. In "Meine Freunde suchen" können Sie Kontakten und Bekannten Angebote machen und Standortdaten austauschen. Entweder nur über einen bestimmten Zeitraum hinweg, oder sogar mit unbegrenzter Dauer.

Apple selbst verfügt nicht über diese Standortdaten. Jeder Aufruf der App, beziehungsweise die Aktualisierung in der App, kommuniziert nicht mit den Servern von Apple, sondern mit jedem einzelnen Endgerät, der zur Ortung freigegebenen Personen. Getreu dem Motto: erhobene Daten verursachen Bedürfnisse diese einzusehen, hat Apple diese Standortdaten nicht auf seinen Servern.

Hintertüren sind niemals nur für die "guten" Jungs. Hacker, Staaten und Behörden werden sich ebenfalls Zugang besorgen, egal ob sie es in einem Fall dürfen, wollen, sollen oder einfach nur weil sie es können

In einem Video-Interview hat Tim Cook davon gesprochen, dass Apple gezwungen werden soll etwas zu erstellen, das als Krebs in der digitalen Welt bekannt werden könnte.

Was natürlich weiterhin offen ist: Selbst wenn Apple den Passcode knackt, befinden sich Informationen in derartigen Apps? Und sind diese Apps für sich wieder sicher entwickelt oder nicht? In diesem Fall hätte Apple zwar das Telefon geöffnet, das FBI jedoch rein gar nichts gewonnen, außer das Vertrauen in die IT nachhaltig zerstört. Was Snowden im Untergrund publiziert wird damit offiziell veröffentlicht.

Forderung an die Politik

Warum hören wir eigentlich nur aus der Presse von dem Fall. Wir leben in einer Demokratie. Warum wird dieses Thema nicht offiziell und offen diskutiert ? Warum hören wir nichts von der EU, nichts von der Bundesregierung. Diese Büchse der Pandorra läuft Gefahr, nicht nur bei Apple Hintertüren einzubauen. Datenschutz und Privatsphäre sind wichtig. Um es mit einem SiFi-Charakter zu sagen "Das Wohl von vielen ist mehr wert, als das Wohl weniger" … "oder eines einzelnen". (bw)

 

Mark Zimmermann

Eine Anmerkung am Rande, es wird in den USA diskutiert, ob die dort ansässige IT eine Hintertür in ihre Produkte einbaut. Etwas das die IT der ganzen Welt gefährdet und Menschen zusätzlichen Risiken aussetzt. Die Frage "Wie einfach ist es an Waffen zu kommen und wieso darf die quasi jeder tragen" geht die USA für sich jedoch nicht an, Traurig !

Mark Zimmermann

Was mir gerade in den Sinn kommt, angenommen Apple wird zu FBIOS gezwungen, dann sind die Mitarbeiter potentiell gefährdet, von dritten gesungen zu werden, Zugang zu besorgen...soll heißen ich befürchte, die Mitarbeiter von Apple unterliegen dann einem nicht zu unterschätzenden Risiko für Leib und Leben (inkl. ihrer Familien)

Mark Zimmermann

Das komplette Interview gibt es hier : http://abcnews.go.com/WNT/vide...

Mark Zimmermann

Ich bin sehr gespannt wie sich das Thema entwickelt und wie die nächsten Schritte sind / sein werden. ein FBiOS würde das vertrauen in die amerikanischen Software/Hardware Firmen massiv schädigen.

Joachim

Wenn das FBI es schafft, dass Apple eine Hintertür einbauen muss, dann werden alle anderen folgen (müssen). Es ist nur logisch, dass die US Administration bzw. die entsprechenden Behörden dann auch auch Google (Android) und Microsoft (Windows Mobile) dazu zwingen. Mit der gleichen Argumentation werden die Behörden dann aber auch Hintertüren in allen anderen Betriebssystemen amerikanischer Entwickler und Softwareunternehmen fordern. In logischer Konsequenz - man man Kundenorientierung ernst meint - müsste dann der Exodus der Softwareunternehmen aus den USA beginnen. Die Alternative wäre dann der Umstieg der Kunden auf in Europa entwickelte Betriebssysteme.

Mark Zimmermann

Am 1. März kommt es zum Showdown. Bruce Sewell (Justitiar Apple) wird vor dem US-Kongress zum Thema Datenschutz aussagen. Auch James Comey (FBI-Chef) wird bei dieser Anhörung sprechen.

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