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Higgins oder Open Source fordert Microsofts Infocard heraus

27.02.2006
Unter anderem IBM und Novell wollen das Open-Source-Projekt "Higgins" fördern, das in Konkurrenz zu Microsofts "Infocard" treten will.

Beide Firmen wollen Code zu Higgins beisteuern und ihre Client-Software zur Verwaltung digitaler Identitäten darauf aufbauen. Ebenfalls mit von der Partie sind das Berkman Center for Internet & Society an der Harvard Law School sowie die noch im Stealth Mode befindliche Start-up-Firma Parity Communcitions, die Software für "Social Commerce" entwickelt.

Higgins, das von der Tool-Initiative Eclipse betreut wird, ist nach Angaben von Anthony Nadalin, Distinguished Engineer und Chief Security Architect bei der IBM, eine Antwort auf die von Microsoft propagierte Identity-Management-Lösung Infocard. "Wir wollen damit helfen, Identity Management in die Open-Source-Community zu tragen. Infocard ist zwar ein benutzerzentrisches System, aber ich würde Microsofts Implementierung nicht als offen bezeichnen", erklärte der IBM-Experte. "Es gibt darin eine Menger versteckte Elemente."

Zum Beispiel die Art und Weise, in der Inforcard mit dem Verzeichnisdienst Active Directory zusammenarbeite. Microsoft hat Infocard als Technik beschrieben, mit Nutzer ihre Indentitäts- und Bezahldaten zentral verwalten können - so wie eine Brieftasche im wirklichen Leben mehrere Ausweise und Kreditkarten enthält. Ein Infocard-Client auf dem PC - dieser soll erstmals mit Windows Vista ausgeliefert werden - tauscht dazu mit Websites Informationen zu Authentifizierung oder Transaktionen aus.

Higgins sei aber mehr als nur ein Rivale für Infocard, erklärte Nadalin. "Wir wollen nicht ein weiteres Identity-System schaffen, sondern die bisherige Systeme zusammenfassen", so der Big-Blue-Manager. "Wir haben Microsoft eingeladen, mitzumachen, und werden mit Microsoft weiter an der Infocard-Integration arbeiten. Wir denken, das muss passieren."

Higgins werde Infocard auch insofern ergänzen, als es Client-Software für andere Plattformen als Windows liefern werde. Ferner werde es bestehende Identity-Management-Lösungen, etwa die von Tivoli, mit Infocard verbinden. IBM selbst wolle Higgins im kommenden Jahr in Produkten unterstützen, sagte Nadalin. "Ohne Higgins stünde Microsoft isoliert da, es erlaubt Microsoft, auch an Nicht-Windows-Umgebungen teilzunehmen." Die Kunden wollten Wahlmöglichkeiten.

Über den Ansatz des Eclipse-Projekts scheint Kim Cameron, Identity Architect und Microsofts Mann hinter Infocard, deswegen auch gar nicht unglücklich. "Von dem, was ich bisher gesehen habe, ist das eine sehr positive Entwicklung", erklärte er. "Ich denke, wir werden wirklich den Identity-Urknall erleben - ein ganze Welle sozialer und identitäts-bewusster Anwendungen, die plötzlich möglich werden."

Eher als Bedenkenträger gibt sich hingegen Mike Neuenschwander, Analyst bei der Burton Group. "Das ist Open Source, und man kann nicht genau sagen, wo sich das hinentwickelt." Es gebe auch andere Bemühungen, Identity-Informationen zu integrieren. Higgins habe aber mit IBM und Novell die Unterstützung großer Namen gewonnen. "Jeder will die zentrale Schaltstelle sein, die das Zeug aller anderen integriert", so Neuenschwander weiter. "Higgins ist deswegen bedeutsam, weil IBM und Novell jetzt hergehen und ihre Clients unter diesem Projekt entwickeln wollen.

Greifbares sei aus dem Projekt aber wohl kaum vor Ende des Jahres zu erwarten, schätzt der Analyst: "Dann kann man genauer einschätzen, wohin das geht. Microsoft ist mit Infocard schon ein gutes Stück weiter." Neben der Infocard-Unterstützung in Vista wollen die Redmonder Infocard-Software auch für dessen Vorgänger Windows XP bereitstellen. Cameron hatte auf der RSA Conference kürzlich auch schon demonstriert, wie man die Technik in PHP-Weblogs von WordPress integrieren kann (siehe "RSA: Infocard ist keine reine Windows-Angelegenheit"). (tc)