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Hickhack im Microsoft-Kartellprozess

10.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die im Rest-Kartellprozess gegen Microsoft als Kläger verbliebenen neun US-Bundesstaaten haben unter Druck durch die Gates-Firma entschieden, einen kurzfristig nachnominierten Zeugen nicht mehr vorzuladen. James Bach, der früher als Berater und Tester für Microsoft tätig war, hätte eigentlich anhand von Windows XP Embedded aufzeigen sollen, dass Microsoft sehr wohl in der Lage wäre, ein "nacktes" Betriebssystem ohne zusätzliche "Middleware" auszuliefern. Die Staaten hatten Back erst am vergangenen Wochenende auf die Liste gesetzt, was der vorsitzenden Richterin Colleen Kollar-Kotelly offenbar überhaupt nicht gefiel. Der Bitte nach zusätzlichen Informationen waren sie darüber hinaus mit 67 CD-ROMs sowie einem PC mit verschiedenen XP-Embedded-Versionen nachgekommen. "Das ist schon absolut verblüffend", ärgerte sich Kollar-Kotelly. "Ich kann nicht behaupten, dass ich

darüber glücklich wäre wie das gehandhabt wurde."

Einen kleinen Erfolg konnten die Kläger aber auch verzeichnen. Am gestrigen Donnerstag wurde Microsofts zwei letzte Zeugen einvernommen, der Wirtschaftswissenschaftler Kenneth Elzinga von der University of Virginia und der Informatiker John Bennett von der University of Colorado. Elzinga hatte in seiner zuvor schriftlich eingereichten Aussage behauptet, der Strafvorschlag der Staaten sei durch Wettbewerber Microsofts beeinflusst worden. Dabei hatte er offensichtlich übersehen, dass der ihm verdächtig erschienene Wortlaut in Wahrheit von Kollar-Kotellys Vorgängern Thomas Jackson und Richard Posner übernommen worden war. Im Kreuzverhör durch den Klägeranwalt Steven Kuney musste Elzinga seinen Irrtum dann einräumen. (tc)