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Hewlett-Berater warnen vor Wertverlust der HP-Aktien

24.01.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Söhne der Firmengründer von Hewlett-Packard (HP) haben unabhängig voneinander die Firmenleitung des IT-Konzerns attackiert. Während Walter Hewlett dem HP-Management vorwarf, die Kosten der bevorstehenden Übernahme von Compaq zu unterschätzen, beschwerte sich David Packard Junior über HP-Chefin Carleton Fiorina, die die Worte seines Vaters falsch interpretiert habe.

Walter Hewlett veröffentlichte einen Bericht der von ihm angeheuerten Beratungsfirma Friedman, Fleischer & Lowe (FFL), der die von HP dargestellten Vorteile der Fusion mit Compaq massiv in Frage stellt. So unterschätze der kalifornische Computer- und Druckerkonzern die Kosten und überschätze die Vorteile des Mergers. Statt des angeblichen Wertgewinns von fünf bis neun Dollar pro HP-Aktie entstünden durch die Übernahme Wertminderungen von rund fünf Dollar pro Anteilschein, heißt es in der FFL-Studie. Die von HP versprochene Wertsteigerung basiere auf der Annahme, dass die Kosten des fusionierten Unternehmens um 2,5 Milliarden Dollar gesenkt werden könnten. In dieser Rechnung seien jedoch weder die zu erwartenden Verwässerungseffekte durch die Akquisition noch die Kosten für Mitarbeiterabfindungen und Treueprämien enthalten. Letztere schätzt FFL auf rund 1,9 Milliarden Dollar. Die Kosteneinsparungen liegen der Beratungsfirma zufolge

daher lediglich bei 2,2 Milliarden Dollar.

HP geht im Falle einer von einem Umsatzrückgang in Höhe von fünf Prozent aus. Jeder Dollar, der an Einnahmen verloren gehe, bedeute je zwölf Cent weniger an operativem Profit. FFL hingegen prognostiziert einen Umsatzrückgang in Höhe von zehn Prozent und pro eingebüßtem Dollar rund 25 Cent Gewinn weniger Gewinn. Die Berater führten zudem an, dass HP, Compaq und andere Computerhersteller im vergangenen Jahr für jeden Dollar, den sie weniger einnahmen, sogar durchschnittlich 42 Cent an operativem Profit verloren hätten.

David Packard Junior veröffentlichte am gestrigen Mittwoch eine ganzseitige Anzeige im "Wall Street Journal", in der er Fiorina scharf kritisierte. Sie habe die Überzeugung seines Vaters, mit der Zeit zu gehen, so interpretiert, dass die beiden Konzerngründer eine Übernahme von Compaq begrüßen würden.

Die beiden HP-Gründersöhne sowie deren Familienstiftungen haben angekündigt, gegen den geplanten Merger stimmen zu wollen. Zusammen besitzen sie 18 Prozent an HP. (ka)