DFB goes IT

Heute Vereinswechsel, morgen Fußball spielen

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Wie lassen sich Verbandssatzungen aus den 50er Jahre in moderne Web-Applikationen umsetzen? Diesen Spagat versucht DFB Medien unter anderem mit der Anwendung "Pass-Online".
Im Innern der DFB-Zentrale
Im Innern der DFB-Zentrale

Dass der deutsche Fußballbund durch große Innovationsfreude auffiele, wagt niemand zu behaupten. Die Organisation in relativ autarken Verbänden und die Beschäftigung zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeiter erschweren die Bedingungen für die Einführung neuer Techniken und Verfahren.

Tatsächlich aber hat der DFB schon 2002 einen eigenen IT-Dienstleister gegründet. Die DFB Medien ist eine hundertprozentige Tochergesellschaft mit Hauptsitz in Frankfurt am Main und einer großen Dependance in Hannover. Ihre Aufgabe ist es, Software für die Landesverbände und die DFB-Zentrale zu erstellen. Zudem betreibt sie die integrative Web-Plattform "DFBnet", über die sie die Anwendungen bereitstellt, sowie - mit Unterstützung der Telekom - die Site www.fussball.de, auf der sich 26.000 Vereine mit 180.000 Mannschaften und 6,7 Millionen Mitgliedern wiederfinden.

Sofern diese Mitglieder aktiv sind, benötigen sie einen Spielerpass. Ohne den dürfen sie bei Wettkampfspielen nicht auflaufen. Auf diesem Pass ist neben den Standarddaten des Spielers oder der Spielerin auch der Verein vermerkt, für den sie oder er aufläuft. Wechselt ein Spieler den Verein, so bekommt er einen neuen Spielerpass. Solange er den nicht hat, darf er höchstens zum Daumendrücken mit auf die Bank.

Im Normalfall muss der Verein bis heute einen Papierantrag ausfüllen, ihn mit einer Gebührenmarke versehen und zum jeweiligen Verband schicken. Der bearbeitet diesen Antrag und schickt ihn zurück an den Verein. Vor allem in den Hauptwechselperioden im Winter und Sommer dauert es Tage oder sogar Wochen, bis der Spieler das neue Dokument in den Händen hält und sein erstes Match für seinen neuen Verein bestreiten kann. Und am 30. Juni bleiben die Verbandszentralen oft bis tief in die Nacht geöffnet - um all die persönlich überbrachten Last-minute-Anträge zu bearbeiten.