Heute ist XP-Tag

25.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Für Microsoft ist heute ein vermeintlich großer Tag: Das neue Betriebssystem Windows XP feiert weltweit sein offizielles Debüt (nach Deutschland bemüht sich dazu sogar eigens Konzernchef Steve Ballmer). Für Heimnutzer ist XP nicht zuletzt wegen der deutlich verbesserten Unterstützung digitaler Medien zweifellos ein echter Fortschritt - Unternehmensanwender finden indes wenig Grund zum Umstieg.

Windows XP lässt im Heimbereich erstmals die in die Jahre gekommene Code-Basis von DOS und Windows 95 sausen - auch die "Home Edition" basiert nun endlich auf der stabileren und leistungsfähigeren "New Technology" von Windows NT und 2000. Für Endkunden gewiss ein Grund zum Umstieg - allerdings werden nicht allzu viele Nutzer bereit sein, 250 Mark für ein Update (gilt erst ab Windows 98) oder gar 490 Mark für die Vollversion zu berappen - zumal oft auch gleich noch Hardware nachzurüsten wäre. Der Verbreitung mittels Kopie vom Freund oder Nachbarn hat Microsoft selbst durch seine Produktaktivierung einen Riegel vorgeschoben.

So wird sich das neue Betriebssystem auf privaten Rechnern wohl vornehmlich durch Neukauf von damit bestückten PCs verbreiten - allerdings nicht so schnell wie das seinerzeit durch 32 Bit revolutionäre Windows 95. Gartner hat ermittelt, dass nach dem Debüt von Windows 95 im August 1995 bereits 30 Prozent aller in diesem Jahr verkauften PCs mit dem neuen Windows bespielt waren. Als der Windows-98-Nachfolger ME im September 1999 erschien, erreichte dieser 1999 gerade noch elf Prozent Marktanteil. Für XP, das seit Ende September mit PCs geliefert wird, erwarten die Auguren trotz rechtzeitiger Einführung zum traditionell stärksten Vorweihnachtsquartal einen Anteil von zehn Prozent für das gesamte Jahr.

Von den im vierten Quartal verkauften Systemen werden laut Gartner nur rund 40 Prozent Windows XP aufweisen, schätzt Gartner. Im Channel befänden sich noch viele ältere Systeme, außerdem leide die Nachfrage unter der konjunkturellen Flaute. "Das ganze Geld, das Microsoft, Intel und alle anderen ausgeben, wird sich zwar bemerkbar machen, kann aber nicht den wirtschaftlichen Abschwung überstimmen", glaubt Gartner-Analyst Michael Silver. Insgesamt investieren Microsoft und seine Partner rund eine Milliarde Dollar in den Launch von Windows XP.

  

Zun den auch für Firmenkunden interessanten XP-Neuerungen gehört die Remote-Unterstützung.

 

  

Zun den auch für Firmenkunden interessanten XP-Neuerungen gehört die Remote-Unterstützung.

 

Im kommenden Jahr sollen dann aber bereits 87 Prozent der neuen Consumer-PCs mit Windows XP verkauft werden. Dennoch: 2002 laufen damit erst 26 Prozent der insgesamt privat genutzten Rechner unter XP. Für 2003 prognostiziert Gartner dann einen Anteil von 48 Prozent, und erst 2004 sollen mit über 70 Prozent die Mehrzahl der Home-PCs das System nutzen. Ganz anders allerdings sieht die Lage bei Firmenkunden aus: Gartner erwartet, dass gerade 16 Prozent der im Jahr 2002 verkauften Business-PCs Windows XP verwenden. In diesem Bereich soll Windows 2000 mit 41 Prozent Marktanteil deutlich die Nase vorn haben. Viele Unternehmensanwender haben ohnehin die Migration auf Windows 2000 noch vor sich. "Wir schätzen, dass 2002 immer noch 57 Prozent der kommerziellen PCs unter Windows 9x laufen", erklärt Gartner-Mann Silver.

Ungeachtet dessen hat der Online-Händler Amazon.com in den USA für Windows XP die meisten Vorbestellungen erhalten, die je für eine Nicht-Spielesoftware eingingen: Die drei vordersten Plätze der Verkaufsstatistik belegen die Upgrade-Versionen für Windows XP Home und Professional sowie das optionale "Plus"-Paket, das unter anderem die Umwandlung von Audio-CDs in MP3-Dateien ermöglicht.

Weiterführende Informationen zu Windows XP finden Sie in der Rubrik "Produkte & Technologien".

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