"Heute entstehen Orks und Workoholics"

07.06.2006
IBM-Querdenker Gunter Dueck kritisiert in einem CW-Gespräch, dass Mitarbeiter gezwungen werden, ständig der Beste zu sein.

CW: Sie kritisieren, dass es eine "befohlene Sucht" gäbe, immer der Beste zu sein. Haben Sie etwas gegen Spitzenleistungen?

DUECK: Ich möchte Menschen gerne zu Leistungen motivieren! Sie sollen entflammt und energievoll spüren: Das will ich erreichen - und ich schaffe es auch. Ich meine damit so etwas wie die Freisetzung positiver Energie. Heute wird aber jeder ungeachtet seiner Fähigkeiten oder persönlichen Wünsche vom Kindergarten an gezwungen, der Beste zu sein. Stressmachen soll das erzwingen! Dark Forces! Dadurch aber entstehen Orks oder Workoholics, später Burn-outs und Depressive.

CW: In Ihrem Buch zur "Supramanie" diagnostizieren Sie die Wandlung vom "Pflichtmenschen" zum punktesüchtigen "Score-Men". Hängen Karrierewege von Punktezahlen ab?

DUECK: Mentoring, Coaching, herausfordernde Arbeit, Einsatz nach individueller Fähigkeit, Berücksichtigung von Sehnsüchten, Aktivierung von Herzblut - das ist alles bekannt, passt aber nicht in die heutigen Stressfabriken hinein.

CW: Im Vertrieb scheint diese von Ihnen beschriebene Sucht nach Punktezahlen besonders verbreitet zu sein.

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