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Henning Kagermann: SAP will On-Demand-Services ausbauen

07.04.2006
SAP tastet sich weiter an das On-Demand-Geschäft heran, bleibt aber konkrete Aussagen über neue Angebote schuldig.

SAP habe nicht vor, sein Geschäft mit Enterprise Business Software durch den immer stärker werdenden "Software-as-a-Service"-Trend zu kannibalisieren, beteuerte SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann anlässlich eines Vorstandstreffen im Silicon Valley. Allerdings werde der größte europäische Softwarehersteller sein On-Demand-Angebot über den Customer-Relationship-Management-Bereich (CRM) weiter ausbauen. Dies bedeute jedoch nicht, dass SAP blindlings irgendwelchen Industrie-Hypes hinterher renne. Man werde das On-Demand-Geschäft vielmehr organisch weiter entwickeln, erklärte der SAP-Chef: "Wir werden niemals unser Kerngeschäft damit ersetzen, aber On-Demand wird eine zusätzlichen Einnahmequelle darstellen."

Damit reagiert der größte europäische Softwarehersteller auf die bereits angekündigten On-Demand-Inititativen der Wettbewerber. Microsoft und Oracle haben in den zurückliegenden Monaten wiederholt betont, in Zukunft mehr Geschäfte mit Hosting- und Mietmodelle für die eigene Software aufzulegen (siehe auch: Microsoft trimmt CRM stärker auf On-Demand). So hatte der für diesen Bereich bei Oracle zuständige Manager Jürgen Rottler im Februar gegenüber der COMPUTERWOCHE erklärt, in wenigen Jahren rund die Hälfte der Einnahmen mit Softwareservices verdienen zu wollen (siehe auch: Jürgen Rottler, Oracle: On-Demand ist eine Waffe gegen SAP). SAP selbst kündigte vor der CeBIT ein eigenes Mietangebot für seien CRM-Software an (siehe auch: SAP: On-Demand soll klassisches CRM-Geschäft ergänzen). Als Hosting-Partner präsentierten die Walldorfer IBM.

Allerdings tut sich SAP allem Anschein nach immer noch schwer mit dem On-Demand-Geschäft. Kagermann erläuterte, SAP habe im Grunde kein Interesse an reinen Mietgeschäften. On-Demand-Modelle sollten vielmehr einen günstigen Einstieg in SAPs Softwarewelt bieten. In einer weiteren Ausbaustufe sollen die Kunden dann auf die herkömmlichen SAP-Lizenzen wechseln oder zumindest ein Hybrid-Modell fahren.

Über den bisherigen Erfolg des eigenen On-Demand-Angebots sagte Kagermann nichts. Allerdings scheint es derzeit Überlegungen zu geben, die Konditionen für die Nutzung der Mietsoftware zu ändern. Bislang verlangt SAP eine Mindestmiete von 100 On-Demand-Nutzern. Diese Grenze könnte möglicherweise verschoben werden oder ganz fallen, deutete Kagermann an. Einen Zeitplan nannte der SAP-Chef jedoch nicht. Auch über mögliche weitere On-Demand-Angebote für andere Produlkte aus dem SAP-Portfolio vermochte der Vorstand bislang noch nichts Konkretes zu sagen.

Die Taktik der badischen Softwerker erinnert an die Monate vor der Bekanntgabe des eigenen CRM-on-Demand-Angebots. Lange Zeit war nicht klar, inwieweit die Walldorfer überhaupt auf den On-Demand-Zug aufspringen. Andeutungen über mögliche Mietmodelle wechselten sich fast im Monatsrythmus mit Dementis ab (siehe auch: SAP: On-Demand or No-Demand). Zur Sicherheit und Vertrauensbildung innerhalb der eigenen Klientel trug diese Strategie bestimmt nicht bei.

Dabei ist gerade hinsichtlich der jüngsten Anstrengungen der SAP im Mittelstandsbereich eine durchgängige On-Demand-Strategie gefragt. Kagermann kündigte an, bis 2010 rund 45 Prozent der Gesamteinnahmen in diesem Marktsegment erwirtschaften zu wollen. Derzeit beträgt der Anteil des Mittelstandsgeschäfts 31 Prozent. Das bedeute aber auch, dass SAP keine Pläne verfolge, sich kaufen zu lassen und damit seine Unabhängigkeit aufzugeben, versicherte der SAP-Chef und verwies damit Gerüchte über einen Verkauf des Unternehmens ins Reich der Spekulation. Ende März war in der Gerüchteküche aufgeflammt, IBM sei an einer Übernahme von SAP interessiert. Auch Microsoft gilt seit Jahren als potenzieller Käufer des deutschen Softwarekonzerns. SAP habe jedoch keine Pläne, seine Beziehungen zu den Partnern IBM und Microsoft zu ändern, stellte der Vorstand klar. (ba)