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Helga Classen zu SAPs Betriebsratschefin gewählt

03.07.2006
Zum Stellvertreter wurde Klaus Gassmann erkoren, ebenfalls ein langjähriger Mitarbeiter des Softwarehauses.

Beim Softwareriesen SAP steht Helga Classen dem ersten Betriebsrat in der Unternehmensgeschichte vor. Die 37 Mitglieder der Arbeitnehmervertretung wählten die 56-Jährige am Montag zu ihrer Vorsitzenden, wie eine SAP-Sprecherin in Walldorf bei Heidelberg berichtete. Zu ihrem Stellvertreter wurde Klaus Gassmann (57) bestimmt. "De facto werden die beiden aber als gleichberechtigte Doppelspitze arbeiten", sagte die Sprecherin. Zu den Wahlergebnissen machte sie keine Angaben. "Es war eine eindeutige Entscheidung."

Die Beschäftigten von Europas führendem Softwarekonzern hatten vor eineinhalb Wochen die Mitglieder der Arbeitnehmervertretung gewählt. Damit hat nun auch SAP als letzter unter den 30 DAX-Konzernen einen Betriebsrat. Seit der Gründung des Unternehmens 1972 hatten Vorstand und Belegschaft ein solches Gremium stets abgelehnt. Bisher hatten acht Arbeitnehmervertreter - darunter auch Classen - im 16 Mitglieder umfassenden Aufsichtsrat zugleich die Interessen der Mitarbeiter vertreten. Seit 1993 ist die neue Betriebsratsvorsitzende zudem stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der SAP AG.

Classen, die zunächst als Gymnasiallehrerin gearbeitet hatte, ist nach Angaben der Sprecherin seit 1989 bei SAP. Zuletzt war sie in der Abteilung Datenschutz beschäftigt. Die 56-Jährige ist verheiratet und hat einen Sohn. Sie war auf der Liste "Wir für Dich" angetreten, die mit 16 Mitgliedern im neu gewählten Betriebsrat am stärksten vertreten ist. Ihr Stellvertreter Gassmann von der Liste "MUT" (elf Mitglieder) arbeitet bereits seit 1977 bei dem Walldorfer Softwarekonzern - unter anderem in der Kostenrechnung und im Controlling.

In der Liste "Pro Betriebsrat", die überwiegend aus Mitgliedern der IG Metall und der Gewerkschaft ver.di besteht, waren auch drei Mitarbeiter angetreten, die die Betriebsratswahl gegen den Willen ihrer Kollegen durchgesetzt hatten. Die Liste war auf drei Plätze gekommen. Insgesamt durften sechs der zehn angetretenen Listen Mitglieder in das Gremium entsenden. SAP hat in Deutschland fast 14.000 Mitarbeiter, weltweit sind es mehr als 36.000. (dpa/ajf)