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HD-Planungen: TV-Hersteller kritisieren Fernsehsender

31.08.2007
Pläne der öffentlich-rechtlichen Sender, erst im Jahr 2010 hochauflösendes Fernsehen auf breiter Front auszustrahlen, bezeichnete ein Industrievertreter als "pomadig".

Beflügelt von Umsatzrekorden dank neuer Flachbildfernseher kritisieren die Unterhaltungselektronik-Unternehmen zunehmend die Zurückhaltung der TV-Anstalten als Entwicklungshemmer. Europa sei der weltweit größte Markt für Flachbild-TVs, und die Verbraucher warteten zu Recht auf ein Fernsehangebot in HD-Qualität, sagte Sharp-Europa-Präsident Toshiyuki Tajima auf der Funkausstellung IFA in Berlin. "Allein die Sender halten nicht Schritt mit dieser Entwicklung und laufen der Technik hinterher." Während die Unternehmen in ihrer Kritik Einigkeit beweisen, geht der Streit um neue Formate und Technologie-Führerschaft in ungeminderter Härte auch auf der IFA weiter.

Bislang gibt es in Deutschland nur spärliche Angebote für Fernsehen in hoher Auflösung. Neben einem kleinen Angebot des Bezahlsenders Premiere strahlt auch die ProSiebenSat.1-Gruppe einzelne Sendungen über Satellit in HD aus. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten haben sich für die breite Umstellung auf das digitale Fernsehsignal in hoher Auflösung dagegen erst das Jahr 2010 als Starttermin gesetzt. Im kommenden Jahr soll jedoch erstmals die Übertragung der Olympischen Spiele in Peking im hochaufgelösten Format gesendet werden.

Solche Planungszeiträume sind der Unterhaltungselektronik-Industrie entschieden zu schwerfällig. "Das ist eine pomadige Haltung, das geht einfach nicht", empört sich Sharp-Deutschlandchef Frank Bolten und befürchtet sogar einen generellen negativen Einfluss auf den Standort Deutschland. Hierzulande sei man ohnehin bei der Etablierung neuer Fernsehtechnologie spät dran. Allerdings stünden in Deutschland inzwischen in 15 Prozent der Haushalte HD-fähige Fernseher, sagt Sony-Deutschlandchef Manfred Gerdes; kommendes Jahr würden es voraussichtlich 25 Prozent sein. Bei dieser Entwicklung hätten die öffentlich-rechtlichen Sender einen Auftrag zu erfüllen. "Und 2010 ist noch sehr lange hin."

Während sich die Elektronikkonzerne beim großen Mangel an Inhalten für die neuen technischen Geräte einig zeigen, herrscht allerdings im Streit um das beste Format oder die beste Technologie weiterhin "Hauen und Stechen". Sharp nimmt die Funkausstellung in Berlin erneut zum Anlass, den Siegeszug der Fernseher mit LCD-Bildschirm zu feiern. Noch vor wenigen Jahren war die Produktion von Displays aus Flüssigkristallen in den heute bei den Konsumenten so populären Größen noch schlicht undenkbar. Inzwischen seien rund 90 Prozent aller verkauften flachen Geräte LCD-TVs, sagte Bolten. Und auch im Premium-Segment "Full HD" will der japanische LCD-Pionier eine führende Rolle einnehmen.

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