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HD: Japans Pornoindustrie setzt auf Blu-Ray

30.07.2007
Die Schlacht um die Vorherrschaft der DVD-Nachfolge geht in die nächste Runde. Nun hat sich Japans Porno-Business für die Sony-Technologie Blu-Ray entschieden, während die Unterstützung für HD DVD gering ist.

Die verfeindeten Lager HD DVD und Blu-Ray, die sich um die Nachfolge der DVD streiten, haben sich offensichtlich auf die weltweite Pornoindustrie als Referenzanwender und Gradmesser ihres Erfolges verständigt. Nachdem die Fraktion HD DVD (Microsoft und Toshiba) Anfang des Jahres im US-Sexgewerbe punkten konnte, verbucht nun auch Blu-Ray einen Durchbruch – in Japans Branche für "Erwachsenenunterhaltung". Da Blu-Ray vornehmlich von Sony sowie einigen asiatischen Elektronikkonzernen unterstützt wird, lag die Entscheidung quasi auf der Hand.

Nana Sakura hat einen Film von sich drehen lassen, auf Blu-Ray-Scheiben.
Nana Sakura hat einen Film von sich drehen lassen, auf Blu-Ray-Scheiben.

Dass die Auseinandersetzung der Möchtegern-Standards inzwischen auf schlüpfrigem Grund ausgetragen wird, liegt an der Unterstellung, die Pornobranche entscheide maßgeblich über den Erfolg eines neuen Trägermediums. Dies habe schließlich auch bei der Auseinandersetzung zwischen VHS und Betamax gegolten, bei der Sonys Technologie angeblich wegen fehlender Pornos gegen VHS den Kürzeren gezogen hatte. Vor einigen Monaten sorgte daher die Meldung für Schlagzeilen, wonach sich die amerikanische Pornoindustrie für HD DVD entschieden hat. Es sei ein Problem gewesen, im Blu-Ray-Lager Unternehmen zu finden, die diese speziellen Inhalte vervielfältigen wollten, lautete damals eine Begründung. Auch gelten HD DVDs, ihre Vervielfältigung und die passende Hardware als billiger. Zudem waren Sony wie auch der Partner Disney daran interessiert, ihre Marken so weit wie möglich aus dem Dunstkreis der Pornoindustrie herauszuhalten. Bei Disney und Sony gibt es überdies Richtlinien, wonach man nicht mit Kopierwerken zusammenarbeitet, die auch Pornos vervielfältigen.

Inzwischen haben die Sony-Manager wohl umgedacht und Hindernisse bei der Vervielfältigung auf dem kleinen Dienstweg ausgeräumt. Statt japanische Unternehmen von der heiklen Mission zu überzeugen, die sich geziert hatten oder den Job nicht legal erledigen konnten, ist man kurzerhand nach Taiwan ausgewichen. Die dort gepressten Scheiben werden anschließend einfach nach Japan exportiert. Sony hat die dafür benötigten Maschinen nach Taiwan geliefert, so dass die Massenproduktion im August starten kann. Der Konzern gab an, dass seine internen Richtlinien davon nicht berührt werden: Der hauseigene Replizierer Sony DADC wird auch künftig keine Pornos pressen, aber man werde jedem interessierten Filmstudio – egal aus welchem Industriesegment – technische Unterstützung anbieten, sagte eine Sprecherin von Sony.

Bis dato sind zehn japanische Pornos auf Blu-Ray erhältlich, darunter auch "Klassiker" wie "Sex Vacation in Guam" und "Eroist". Ein Manager der einschlägigen Firma Total Media Agency (TMA) gab an, bis Jahresende monatlich mindestens einen Film auf Blu-Ray nachschieben zu wollen. Demgegenüber gibt es derzeit nur einen japanischen Porno auf HD DVD ("Perfect Slave Rin"). Ein Grund für die klare Verteilung könnte sein, dass HD DVDs in Japan teurer sind, weil jedem dieser hochauflösenden Streifen eine traditionelle DVD beiliegt – für diejenigen Zuschauer, die noch nicht in die neue Technik investiert haben. Zudem ist die Spielkonsole "PlayStation 3" in Japan verbreiteter als anderswo. Sie verfügt über ein eingebautes Blu-Ray-Laufwerk, schließlich stammt sie von Sony. (ajf)