Neues Gebot für Axon

HCL und Infosys feilschen um SAP-Beratung

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Der indische Outsourcer HCL Technologies hat seinen Rivalen Infosys bei dessen geplanter Übernahme der Axon Group überboten.

Der fünftgrößte indische Outsourcing-Anbieter HCL Technologies hat seinen Rivalen Infosys am Freitagnachmittag überboten: HCL will für die britische SAP-Beratungsfirma Axon Group 441,1 Millionen Pfund, das entspricht 650 Pence pro Aktie, auf den Tisch legen. Infosys hatte im August 401,1 Millionen oder 600 Pence je Anteilsschein geboten.

Nach den Worten von Vineet Naya, CEO von HCL, stellt Axon eine perfekte Ergänzung für das IT-Servicangebot seines Unternehmens dar. Sowohl für HCL, als auch für Infosys wäre die Übernahme zudem eine gute Möglichkeit, in Europa zu expandieren. Das ist angesichts der die Rezession in den USA, wo die indischen Anbieter das Gros ihrer Einnahmen einfahren, momentan besonders wichtig. Einige Großkunden von Infosys und HCL haben wegen der Krise bereits ihre Outsourcing-Pläne auf Eis gelegt. Axon erzielt rund 55 Prozent seines Gesamtumsatzes im Heimatmarkt Großbritannien, auf Nordamerika entfallen 34 Prozent.

Infosys will über seine Verhandlungsposition nachdenken und forderte die Axon-Aktionäre auf, bis dahin nichts zu unternehmen. Die im August unterzeichnete Vereinbarung zwischen Infosys und Axon sieht vor, dass Axon im Fall eines Gebots durch Dritte mindestens 60 Stunden verstreichen lassen muss. Die IT-Beratungsfirma hat bislang noch keine Stellungnahme abgegeben. Sie erklärte nur, dass sie die beiden Gebote analysiere, um das mit dem größten Wert für die Anteilseigner auszuwählen.

Nach Ansicht eines anonymen Analysten aus Mumbai hätte Infosys auf Gebote durch Dritte gefasst sein müssen. "Grundsätzlich ist Infosys durchaus in der Lage, die HCL-Offerte zu überbieten - durch eine Kombination aus Aktien und Bargeld." Hinzu kommt, dass sich HCL für die Übernahme verschulden müsste. "Ich glaube nicht, dass HCL ein höheres Gebot von Infosys erneut überbieten kann. Die Bilanz ist jetzt schon stark strapaziert", meint Rishi Maheshwari, Analyst bei Centrum Broking.