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Hasso Plattner sucht neue Wege in der Softwareentwicklung

14.05.2004
SAPs Chairman hat in seiner visionären Keynote neue Wege der Software-Entwicklung aufgezeigt, die stärker die Bedürfnisse der Anwender in den Mittelpunkt stellen und den Dialog fördern sollen.

"In der Applikationsentwicklung steckt noch eine Menge Potenzial." Das ist das Fazit von SAP-Chairman Hasso Plattner anlässlich seiner Keynote zur diesjährigen Kundenveranstaltung Sapphire. Vor rund 7000 Zuhoerern entwarf der ehemalige SAP-Chef ein Szenario, wie künftig Software entwickelt werden könnte. Seine Thesen will der charismatische SAP-Manager jedoch nur als eine Möglichkeit unter vielen verstanden wissen. “Ich spreche nicht über die eine Zukunft von SAP.”

Plattner möchte in Zukunft "Knowledge Workplaces" für die SAP-Anwender bauen, auf denen für die Nutzer relevante Informationen automatisch zusammenfließen sollen. Im Gegensatz zu dem Rollen-basierten Portal-Modell, das einen Architekten und Designer erfordert, sollen sich die Services in dem Plattner-Modell wesentlich einfacher aus einzelnen Modulen zusammenschalten lassen. Dabei müsse die Sicht des Entwicklers mehr in den Hintergrund treten. In der Vergangenheit seien neue Applikationen zu sehr aus der Perspektive der Programmierer entwickelt worden. “Sie lieben ihren Code.” Als Folge würden immer mehr neue Funktionen implementiert. Am Ende stünden überfrachtete Softwarepakete.

Es müssten neue Wege in der Softwareentwicklung beschritten werden, um diesen Trend zu durchbrechen, fordert Plattner. Die Strategie, nach endlosen Powerpoint-Präsentationen ein Budget abzunicken und der Entwicklung ihren Lauf zu lassen, sei falsch. Vielmehr müessten Anwendungen heute stärker aus der Sicht der Nutzer entwickelt werden. Dazu sollten alle Verantwortlichen möglichst viele unterschiedliche Meinungen und Ratschläge einholen. So könne man beispielsweise Workflow-Experten, Industriespezialisten, Berater, User-Groups und Leute zu Rate ziehen, deren Fokus in ganz anderen Bereichen liege, um neue Ideen zu gewinnen. Im laufenden Prozess sei es dann wichtig, die Ergebnisse den Gruppen immer wieder vorzulegen, zu prüfen und weiter zu optimieren. Der Entwicklungsprozess gewinne damit eine Eigendynamik, die zu besseren Resultaten führe. “Wir müssen wieder mehr debattieren.”

Dieser Prozess, so räumt Plattner ein, erfordere jedoch mehr Zeit. Dies sei jedoch gerechtfertigt, weil die künftigen Anwendungen wesentlich komplexer sein würden, als es R/3 jemals gewesen sei. Aktuell experimentiert der SAP-Chairman mit einem neuen Prototypen von SAPs “Invoice Verification”. Niemand hätte geglaubt, dass dieses alte SAP-Werkzeug noch das Potenzial für Innovation biete, berichtet er begeistert seinem Publikum. Inwieweit diese Experimente Eingang in die SAP-Roadmap finden, bleibt abzuwarten. Deutlich wird damit jedoch, dass sich Plattner längst nicht aufs Altenteil zurückgezogen hat. So aufregend es sei, Prototypen zu entwickeln: Es wäre natürlich auch eine Genugtuung, wenn einige dieser Babys den Schritt in den Markt schafften, ließ Plattner durchblicken. (ba)