Komplexität unterschätzt

Hartmann AG rollt Next Generation Workplace aus

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Bei dem Gesundheitskonzern läuft der weltweite Rollout von Office 365 als Workplace. Stefan Eder, Director of Infrastructure Services, zieht eine Zwischenbilanz.
Der Medizinhersteller Paul Hartmann AG verarztet sämtliche 6000 Endanwender mit neuen Workplaces. Zu größeren Unfällen kam es bisher nicht.
Der Medizinhersteller Paul Hartmann AG verarztet sämtliche 6000 Endanwender mit neuen Workplaces. Zu größeren Unfällen kam es bisher nicht.
Foto: Paul Hartmann AG

Von der modernen Wundbehandlung bis zum kundenspezifischen OP-Komplettset versorgt die Paul Hartmann AG auf der schwäbischen Alb die Welt mit Systemlösungen für Medizin und Pflege. Das Unternehmen, 1867 gegründet, beschäftigt heute mehr als 10.000 Mitarbeiter in 32 Ländern, darunter in Hong Kong/China, den Arabischen Emiraten und Südafrika. 2011 entstand in Heidenheim der Plan, den IT-Workplace weltweit neu auszurichten. Das SAP-System beispielsweise funktionierte zentral. Ganz anders die Workplaces: Hier pflegte jedes Land seine eigene Lösung. Um Services und Anwendungen zentral bereitstellen zu können, entschied man sich zum Rollout von Microsoft Office 365.

Office 365, Sharepoint sowie System Center und Skype for Business

Im Herbst 2015 zieht Stefan Eder, Director of Infrastructure Services, im Gespräch mit cio.de ein erstes Zwischenfazit: "Es läuft gut. Aber wir haben die Komplexität unterschätzt." Im Februar 2014 startete der Rollout mit 50 Pilot-Nutzern in Heidenheim. Das Jahr 2016 wird man wohl noch brauchen, bis das Projekt abgeschlossen ist. Das Besondere dabei: der ganze Konzern wird den ganzen Stack einführen. Im Einzelnen geht es um folgende Produkte: Microsoft Office 365 Professional Plus, Exchange Online, Sharepoint Online sowie System Center 2012 R2 und Skype for Business 2013.

"Es läuft gut. Aber wir haben die Komplexität unterschätzt", sagt Stefan Eder, Director of Infrastructure Services bei der Paul Hartmann AG.
"Es läuft gut. Aber wir haben die Komplexität unterschätzt", sagt Stefan Eder, Director of Infrastructure Services bei der Paul Hartmann AG.
Foto: Paul Hartmann AG

"Mal weltweit alle Workplaces austauschen, so etwas hatte vorher keiner von uns gemacht", erinnert sich der Infrastructure Services-Chef. Nach einigen pragmatischen Selbstversuchen - wie setzt man so ein Projekt überhaupt auf? - holte sich Eder Unterstützung von der Beraterfirma Lexta aus Berlin dazu. Denn vor dem Wechsel in die Cloud musste die IT erst einmal cloud-ready gemacht werden.

Das große "Aber" bei Cloud sind die Prozesse

Die größte Herausforderung formuliert Eder so: "Die Cloud kommt eben nicht aus der Steckdose." Zwar seien die Server weg, aber auch die Cloud müsse betrieben werden. Eder zeigt sich von Microsofts Produkten überzeugt. Das große "Aber" liegt in den Prozessen drumherum.

Bei Hartmann hieß das konkret, dass die verschiedenen IT-Teams auf einmal "ziemlich nah" zusammenarbeiten mussten. Über Abteilungsgrenzen hinweg entstanden virtuelle Teams. "Zum Beispiel ADFS (Active Directory Federation Services)", erklärt Eder. "Hier befindet sich ja der Knoten zwischen Cloud und Active Directory. Das hat auch mit Zertifikaten zu tun, also braucht man dann auch die Sicherheitsspezialisten. Wenn es dann einen Incident gibt - wer ist dann eigentlich der Prozess-Owner?" Die Umstellung von dezentraler auf zentrale IT bezeichnet er als großen Change.

Mit dem Wort Scrum kann niemand was anfangen

Dabei interessieren Eder neudeutsche Buzzwörter wie Agile wenig. "Wir sind nicht hingegangen und haben gesagt, wir machen jetzt Scrum", berichtet er, "damit können die Leute nichts anfangen." Faktisch hat das Unternehmen genau das aber umgesetzt: Die beteiligten Mitarbeiter wurden aus ihren bisherigen Teams herausgezogen und physisch in einen anderen Raum gesetzt. Man hat mit Sprints gearbeitet und vor allem mit Prototypen. Das lief frei nach dem Motto "Zu diesem Zeitpunkt sollte der erste Prototyp live gehen, zu jenem der Zweite" und so weiter.

Eder spricht mit Blick auf die erreichte Cloud-Readyness heute von einem Quantensprung. 2013 hat Hartmann IBM Notes durch Microsoft Exchange Online ersetzt. Gleichzeitig migrierte das Unternehmen in Heidenheim 200 User von der klassischen Telefonanlage zu einer hybriden UC-Lösung auf Basis von Microsoft Lync 2013. Aus dem Active Directory Forest der jeweiligen Länder-Domänen entstand eine einheitliche Domänen-Struktur. "Wir brauchen alle User in einer Domäne, denn wir hatten ja vorher keine Möglichkeit, Software weltweit zu verteilen", sagt Eder. Ein Identity-Management war für SAP bereits vorhanden und wird jetzt für die Microsoft-Welt mitgenutzt. Durch den Einsatz von System Center Configuration Manager R2 zentralisiert Hartmann das Client-Management.

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hirnwuehler

... "aber wir haben die Komplexität unterschätzt" ...
Dies zeigt das es eben noch an allen Ecken und Enden irgendwo zwickt.
Man könnte jetzt behaupten das es sich (wie bei MS so oft) mal wieder um "Bananensoftware die beim Kunden reift" handelt, aber das ist bei der Einführung neuer Systeme und Techniken immer so. Leider versprechen die "Marketing Folienschubser" bei MS immer mehr als das aktuelle Produkt gerade schon kann. Deshalb treten bei der heutigen Software-Update Philosophie diese Probleme früher auf.
Nicht alles was man eben nicht versteht ist Technik!

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