IT-Arbeitsmarkt

Harte Zeiten für Arbeitgeber

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
IT-Profis werden in allen Branchen und allen Funktionen händeringend gesucht. Über den Fachkräftemangel, Maßnahmen dagegen, aber auch über Verlierer am Arbeitsmarkt diskutierten Experten im Job&Karrierezentrum der COMPUTERWOCHE auf der CeBIT 2012.

Mit seinem Statement "So hart wie jetzt war es noch nie für die Arbeitgeber!" brachte Stephan Pfisterer die derzeitige Lage auf den Punkt. Der Bereichsleiter Bildungspolitik und Arbeitsmarkt beim Branchenverband Bitkom erklärte auf der CeBIT, dass Deutschland in Bezug auf die unbesetzten Stellen in der IT jetzt fast bei einem Allzeithoch angekommen sei. Bitkom selbst zählte unlängst 38.000 offene Positionen. Bei nur 23.000 arbeitssuchenden IT-Fachkräften sei das Reservoir an geeignetem Personal klein. Allein im Bereich Software und IT-Services seien 20.000 Stellen vakant.

Intensive Cebit-Diskussion über den IT-Arbeitsmarkt: Winfried Holz, Christoph Bauhofer, Stephan Pfisterer, Hans Königes, Christiane Benner und Frank Mang. (v.l.n.r.)
Intensive Cebit-Diskussion über den IT-Arbeitsmarkt: Winfried Holz, Christoph Bauhofer, Stephan Pfisterer, Hans Königes, Christiane Benner und Frank Mang. (v.l.n.r.)

Dass die Situation prekär ist, darüber waren sich alle Teilnehmer einig, die die COMPUTERWOCHE zur Eröffnungsdiskussion ihres Karrierezentrums auf der diesjährigen CeBIT geladen hatte. Winfried Holz, Deutschlandchef des IT-Dienstleisters Atos, bestätigte: "Das, was wir dieses Jahr erleben, habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt," und meinte damit vor allem die Bandbreite an IT-Experten, die gesucht wird. So fehle es an der gesamten Palette, die die IT bedient. Holz hob im Einzelnen die Projekt-Manager, Domainspezialisten, Business-Intelligence (BI)- und Big-Data-Experten hervor, nannte aber auch die neuen Trends wie Cloud und E-Mobility, wo händeringend Personal gesucht würde. Oft müssten sich die Arbeitgeber mit weniger zufrieden geben, wie auch Atos: Statt der gewünschten 700 neuen Mitarbeiter habe man im vergangenen Jahr nur 350 einstellen können. Holz gab zu: "Wir könnten mehr Geschäfte machen, wenn wir mehr Leute hätten."

Erfahrene Profis haben ihren Preis

Besonders gefragt - und damit Mangelware - sind bei Anwendern, Herstellern und Dienstleistern gleichermaßen IT-Spezialisten mit Berufserfahrung. Und Arbeitgeber sind bereit, für diese Profis tiefer in die Tasche zu greifen. "Erfahrung ist wertvoll, aber Erfahrung ist auch teuer", bestätigte Christoph Bauhofer, General Manager der Internet-Agentur Conrad Caine aus München. Und: "Man muss gezwungenermaßen auf Einsteiger zurückgreifen." Das haben auch die großen IT-Beratungsunternehmen wie Accenture verinnerlicht und suchen neben gestandenen Consultants verstärkt junge Mitarbeiter, wie Frank Mang, Executive Partner bei Accenture Deutschland, bestätigte.

Es gebe allerdings auch Verlierer auf dem Arbeitsmarkt, relativierte Christiane Benner, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, die Aussagen der Mitdiskutanten. "Die Bereiche Hardware und Telekommunikation sehen wir skeptischer. Da sind viele Arbeitsplätze weggefallen", sagte sie. Nach einer Erhebung von Bitkom ging die Zahl der Beschäftigten in der Telekommunikation seit 2007 um 46.000 auf 222.000 zurück. Die Gewerkschafterin sprach sich dafür aus, mehr Qualifizierungsmaßnahmen zu ergreifen, um Mitarbeiter an Bord zu behalten. Zwar könne man sicher nicht aus jedem Hardware-Profi einen IT-Berater machen, aber es gebe auch andere Profile, die passen könnten. "Wenn es einem Unternehmen schlecht geht, setzen wir uns mit dem Betriebsrat und der Personalabteilung zusammen und entwerfen eine Zielmatrix. Das heißt, wir definieren, wo will man hin und welche Profile sind dafür notwendig", führte Benner aus. Darauf abgestimmt könne man Qualifizierungsmaßnahmen entwickeln.

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