Web

 

Harry Potter lässt Amazon im Stich

23.07.2004

Als drittes großes Internet-Unternehmen nach Yahoo und Ebay verfehlte nun auch Amazon.com trotz solider Quartalsergebnisse die hohen Erwartungen der Analysten. Hauptproblem ist offensichtlich das Fehlen eines aktuellen Verkaufsschlagers, nachdem das Erscheinen eines neuen Harry-Potter-Buchs die Kassen des Online-Händlers im Vorjahreszeitraum kräftig klingeln ließ.

Das Unternehmen aus Seattle erzielte im zweiten Quartal 2004 einen Nettoprofit von 76,5 Millionen Dollar oder 18 Cent je Aktie, verglichen mit einem Verlust von 43,3 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen kletterten im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 1,39 Milliarden Dollar. Das Unternehmen profitierte von dem starken Auslandsgeschäft, wo ein Umsatzwachstum um 50 Prozent auf 595 Millionen Dollar verbucht wurde. In den USA zogen die Erlöse um 13 Prozent an. Um Währungsschwankungen bereinigt stieg der Umsatz um 22 Prozent, der Profit hätte ohne die Dollarschwäche lediglich 70,5 Millionen Dollar oder 15 Cent pro Anteil betragen.

Die Company entsprach mit den Zahlen ihren eigenen Schätzungen, verfehlte jedoch knapp die Markterwartungen. Laut Umfrage von Thomson First Call hatten die Analysten an der Wall Street im Schnitt mit einem Profit von 19 Cent je Anteilschein bei 1,44 Milliarden Dollar Umsatz gerechnet. Amazon zeigte sich dennoch mit dem Wachstum gegenüber dem Vorjahr zufrieden. Die Zahlen ließen sich nur schwer vergleichen, erklärte Finanzchef Tom Szkutak. Im Gegensatz zum Vorjahresquartal habe es diesmal keinen Kassenschlager wie Harry Potter gegeben. Von dem fünften Band der Erfolgsserie, "Harry Potter and the Order of Phoenix", hatte der Online-Händler im zweiten Quartal 2003 rund 1,4 Millionen Exemplare abgesetzt. Auf das Ergebnis wirkte sich der Megaseller indes weniger aus, nachdem das per Listenpreis 30 Dollar teure Buch damals für 17,99 Dollar verkauft worden war – wirtschaftlich ein Nullsummengeschäft, wie CFO Szkutak damals erklärt hatte, aber mit hoher

Werbewirkung (Computerwoche.de berichtete).

Im laufenden dritten Quartal rechnet das Unternehmen mit Einnahmen zwischen 1,425 und 1,525 Milliarden Dollar. Gleichzeitig hob Amazon seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 6,625 bis 6,925 Milliarden Dollar an. Bislang hatte der Online-Händler nur mit Erlösen von 6,45 bis 6,85 Milliarden Dollar gerechnet. (mb)