Physiker

Handys aufladen mit biegsamer Solarfolie

13.09.2010
Biegsame Solarzellen als Folie in Kleidung oder auf Autos werden nach Ansicht von Experten künftig eine nahezu überall verfügbare Stromquelle bieten, etwa zum Aufladen von Handys.
Organische Solarzellen lassen sich mit konventionellen Drucktechnologien preisgünstig im großindustriellen Maßstab herstellen. (Foto: Konarka)
Organische Solarzellen lassen sich mit konventionellen Drucktechnologien preisgünstig im großindustriellen Maßstab herstellen. (Foto: Konarka)

In zehn bis 15 Jahren könnten diese organischen Solarzellen Standard sein, meint der Physiker Professor Christoph Brabec von der Universität Erlangen-Nürnberg. "Das sind Solarzellen, bei denen das Material, dass das Licht absorbiert und in Strom umwandelt, aus organischen Halbleitern besteht", erklärte Brabec im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Zu den organischen Halbleitern gehört unter anderem stromleitendes Plastik.

"Eine normale Solarzelle hat den Nachteil, dass sie aus Glas ist. Die können Sie nicht so einfach mitnehmen. Die organischen können Sie falten, rollen, knicken", sagte Brabec. So werden die organischen Solarzellen zum Beispiel schon in Taschen verarbeitet. Die Solarfolie werde per Kabel und USB-Stecker mit einem Handy oder PDA-Computer verbunden, um das Gerät aufzuladen. Erste Firmen seien damit bereits auf dem Markt. An diesem Donnerstag (16. September) werden Experten wie Brabec bei einer Konferenz in Würzburg Fortschritte der organischen Photovoltaik vorstellen.

Vorteil der Solarfolie sei außer der flexibleren Verarbeitung auch der Preis. Der Produktionsprozess ist unglaublich einfach, wie Brabec betonte. "Diese Solarzellen werden zurzeit produziert mit Geräten, die bis vor kurzem noch Zeitungen, Spezialfolien oder fotografische Filme hergestellt haben", erklärte der Physiker vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (BAE). Insgesamt seien organische Solarzellen weitaus günstiger als anorganische.

Noch leisten organische Solarzellen allerdings nach Brabecs Worten weniger als andere. "Die höchste Effizienz liegt zurzeit bei acht Prozent Wirkungsgrad" - sprich: Von der einfallenden Lichtleistung werden acht Prozent in Strom umgewandelt. Solarzellen aus Silizium könnten einen Wirkungsgrad von 25 Prozent erreichen, Dünnschichtzellen 15 bis 20 Prozent.

Die Solarfolie werde aber aufholen, ist sich Brabec sicher. "Wir sind alle sehr überzeugt davon, dass die organischen Solarzellen sich in wenigen Jahren in der Effizienz dorthin steigern werden, wo die klassische Dünnschichtzelle ist. Dann werden wir eine Technologie haben, die absolut massentauglich ist und kostengünstige große Mengen an erneuerbarer Energie zur Verfügung stellen kann." (dpa/tc)