Deep Shot

Handykamera übernimmt Anwendungen vom Desktop

17.06.2011
Von pte pte
Informatiker von Google und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben ein System entwickelt, mit dem Nutzer Anwendungen vom Computer auf ihr Smartphone übernehmen können.
Rückseite des von HTC gebauten ersten Google-Handys Nexus One mit Kamera
Rückseite des von HTC gebauten ersten Google-Handys Nexus One mit Kamera
Foto: Google

Der Nutzer braucht dazu nur ein Foto vom Computerbildschirm zu schießen. "Deep Shot" erkennt dann visuell, welche Anwendung am PC läuft, und holt die aktuellen Daten auf das Handy. So kann beispielsweise ein User, der daheim am Desktop in Google Maps nach einer Adresse gesucht hat, die passende Umgebungskarte ganz leicht mitnehmen, wenn er dorthin aufbricht.

"Die Menschen sind gewohnt, für den Datentransfer oder zur Synchronisation relativ klobige Mittel zu nutzen", meint der MIT-Doktorand Tsung-Hsiang Chang. Wenn der Nutzer aber nur schnell eine Information mitnehmen will - wie eben eine Google-Maps-Karte - ist das eigentlich unpraktisch. Hier kommt das System Deep Shot ins Spiel. Dafür muss der Nutzer einmal die passende Software auf dem Smartphone und all jenen Computer installieren, von denen er die Anwendungsdaten holen will. Ist das einmal geschehen, reicht in Folge einfach ein Schnappschuss mit der Handykamera.

Deep Shot erkennt zunächst mithilfe des Fotos visuell, von welchem Computer der Nutzer Informationen auf das Smartphone holen will. Die Software am jeweiligen Rechner extrahiert dann einen sogenannten "Unique Resource Identifier" (URI) der laufenden Anwendung, womit der Ansatz insbesondere für Web-Apps geeignet ist. So bietet beispielsweise Google Maps nach einer Adresssuche die Möglichkeit, per E-Mail einen Link zu versenden - dabei handelt es sich um einen URI. Mit dieser Information kann das Smartphone direkt die gleiche App öffnen, wobei Deep Shot die Ansicht automatisch an den Bildbereich des Fotos anpasst.

Bislang unterstützt Deep Shot eine relativ kleine Auswahl gängiger Web-Apps wie Yelp. Chang und dem Google-Mitarbeiter Yang Li zufolge ist das System aber leicht auf weitere Anwendungen auszudehnen, die Information über ihren aktuellen Zustand mittels URI bereitstellen. Das System speichert zudem die Schnappschüsse, sodass der Nutzer beispielsweise eine Umgebungskarte bei Bedarf leicht wieder aufrufen kann. Weiters funktioniert der Transfer auch in die Gegenrichtung - der User kann einen PC-Bildschirm fotografieren, um eine App vom Smartphone auf das größere Display zu übertragen.

Die Forscher haben Deep Shot prototypisch in Java für das Android-Gerät Nexus One umgesetzt. Sämtliche Rechte an der Technologie liegen bei Google. Ob und wann das System für die breite Öffentlichkeit verfügbar wird, bleibt abzuwarten. Google wollte diese Frage auf Anfrage von pressetext vorerst nicht kommentieren. Chang jedenfalls brennt darauf, Deep Shot dann zu nutzen. "Es macht einfach alles so viel leichter", sagt er. (pte)