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Halbjahresbilanz auf dem IT-Arbeitsmarkt

19.07.2000
Großer Bedarf nach Mitarbeitern für die Telekommunikationsindustrie

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Zahl der in Zeitungen ausgeschriebenen IT-Jobs ist nach EMC/Adecco-Berechnungen im ersten Halbjahr 2000 um rund 15 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum gestiegen. Den größten Bedarf verzeichnet die TK-Branche, am begehrtesten sind Internet-Spezialisten.

Das Stellenangebot am IT-Arbeitsmarkt erreicht immer neue Rekordmarken. 55 024 Jobs warten auf wechselwillige Spezialisten, IT-interessierte Quereinsteiger und Berufsanfänger; das entspricht einem Viertel aller Stellen für Fach- und Führungskräfte, so die aktuelle Auswertung des Hamburger Medienservice EMC/Adecco von 40 Zeitungen inklusive der COMPUTERWOCHE.

Glaubt man den Statistikern, sollte sich der Nachwuchs ganz dem Internet hingeben, denn da ist der Zuwachs am höchsten: von 946 auf 3107 Jobs. Überdurchschnittlich stark nachgefragt sind auch Vertriebsprofis (Steigerung von 7215 auf 8193). Laut EMC/Adecco liegen im ersten Halbjahr außerdem die Datenbankspezialisten (Steigerung von 854 auf 1131 Angebote), die Systemadministratoren (von 1972 auf 2421 Jobs) und die Netzwerk-Manager (von 962 auf 1269 Jobs) gut im Rennen.

Eindeutiger Sieger unter den Branchen ist die Telekommunikationsindustrie. Das Arbeitsplatzangebot verdoppelte sich auf 6250 Offerten. Eine kleine Überraschung aus dem ersten Quartal erfährt jetzt in der Halbjahresbilanz ihre Bestätigung. Demnach ist der Anteil der Stellenangebote aus der IT-Industrie weiter gesunken. Vor etwa 38 Prozent im ersten Quartal auf jetzt 35 Prozent. Hingegen verzeichnen so gut wie alle IT-Anwenderbranchen einen steigenden Bedarf an Computerfachleuten; angefangen von den Banken und Versicherungen über die Verlage und den Maschinenbau bis hin zum öffentlichen Dienst.

Was den Werdegang der Bewerber betrifft, träumen die meisten Arbeitgeber noch immer vom gut ausgebildeten Informatiker. So stieg die Zahl der Anzeigen, in denen ein Informatikstudium verlangt wird, von 12 524 auf 16 626. Überraschend deutlich fällt die Zurückhaltung der Firmen gegenüber Wirtschaftsinformatikern aus. Hier kletterte die Zahl der Offerten nur von 1126 auf 1143.

Bayern bleibt mit seiner Landeshauptstadt München attraktivste Region für IT-Spezialisten: 10842 Angebote, also fast ein Fünftel, stammen aus dem südlichen Freistaat. Stark aufgeholt hat Nordrhein-Westfalen mit 10 183 Jobangeboten und 18,5 Prozent Anteil (Vorjahr 8564). Langsam nach oben geht es in Ostdeutschland. EMC/Adecco zählte in den neuen Bundesländern inklusive Berlin 6004 Offerten (Vorjahr: 4941). Davon entfielen auf die Hauptstadt mehr als die Hälfte.

Die Marktforscher haben für die Monate April und Mai auch die Jobangebote der Online-Jobbörse Jobpilot.de ausgewertet, die zu den größten in Europa zählt. Von den gesamten 102 714 Angeboten in Deutschland entfällt etwa die Hälfte auf IT-Berufe. Unter den Branchen dominiert eindeutig die Hightech-Industrie. Auf die IT- und TK-Industrie entfallen über 50 Prozent der Offerten. Der öffentliche Dienst ist in puncto Web-Rekrutierung noch sehr zurückhaltend. Während im Print der Anteil der Behörden an den Stellenanzeigen fast fünf Prozent ausmacht, beträgt er bei den Online-Anzeigen gerade mal ein halbes Prozent.

Via Internet suchen die Arbeitgeber in erster Linie Mitarbeiter in der Softwareentwicklung (6472 Angebote), der Systembetreuung (4974), im Vertrieb (4387) und in der Beratung (4266).

Wie auch im Print kommen die meisten Online-Angebote von Arbeitgebern aus Bayern (6846 Angebote, entspricht zirka 14 Prozent), es folgen Hessen mit 5444 Angeboten (im Print belegte das Land Platz drei) und Nordrhein-Westfalen (4402 Angebote).