Hände weg von schlechten Vermittlern

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Dass die Anforderungen an IT-Freelancer steigen, ist nichts Neues. Umgekehrt sollten sich aber Freiberufler die Leistungen der Agenturen genauer ansehen.

Wenn man die Situation auf dem IT-Freelancer-Markt beschreiben will, so lautet der Tenor - die Anforderungen an alle Beteiligten werden immer größer. Während von den Freiberuflern verstärkt Flexibilität, Technik- und Management-Know-how sowie Sozialkompetenz verlangt wird, sollen die Vermittlungsagenturen den Auftraggebern schnellstmöglich "Mr. Hundertprozent" liefern. Ulrich Bode, Sprecher des Beirats für Selbständige in der Gesellschaft für Informatik (GI), bestätigt: "Wir Freiberufler werden immer stärker gefordert. Aber es gibt auch einen Wettbewerb unter den Agenturen. Es ist wichtig, dass wir unsere Partner ebenfalls fordern." Zwar sei das Honorar wichtig, es dürfe aber nicht allein nur darum gehen. Bode liefert auch gleich ein Beispiel: "Die Unternehmen reden vom atmenden Unternehmen, aber viel zu häufig verfahren sie nach einer Stopp-and-Go-Politik. In rezessiven Zeiten werfen sie Externe und oft auch eigene Mitarbeiter wie Ballast über Bord." Dabei seien gerade Freelancer in der Lage, flexibel zu reagieren.

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• warum Freiberufler die Vermittlungsagenturen im Vorfeld genau vergleichen sollten;

• was eine gute Agentur auszeichnet;

• worauf ein Mittelständler Wert legt, wenn er mit einer Vermittlerbörse für IT-Freiberufler zusammenarbeitet.

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"Dass die Freelancer ihre Partner fordern sollten", dieser Aussage kann Mario Henzler von der Hays AG in Mannheim, nur zustimmen. Nur so seien die tatsächlichen Qualitätsunterschiede der Agenturen zu erkennen. Der Hays-Manager: "Wenn ich den Job eines Freiberufler hätte, würde ich vor allem auf die Vertriebsstärke der Vermittlungsagentur achten. Schließlich ist der Vermittler in puncto Marktzugang die verlängerte Werkbank des Externen." Henzler räumt indes ein, dass individuelle Behandlung bei den ganz Großen selten machbar ist. Hier müsste jeder Freelancer für sich die Frage klären, ob er Professionalität über Herzenswärme stellt und wie wichtig ihm die regelmäßige Bezahlung seiner Rechnungen ist, die bei den großen Anbietern eher gewährleistet sei.

Einsteigern rät er folgendes: "Am besten im Internet durch die Web-Seiten der Projektanbieter surfen und dort nach den offenen Stellen Ausschau halten. Darüber hinaus empfiehlt es sich, Kontakt zu Kollegen, Freiberufler-Foren oder Netzwerken aufzunehmen." In diesen Foren könne der Newcomer sich an erfahrene Kollegen wenden, die ihm in puncto Vermittlungsagenturen Tipps geben. Ein guter Einstieg ist nach Henzlers Meinung auch der Start eines so genannten Testballons: "Der Freelancer sollte sich auf eine interessante Position bewerben und dann die Reaktion des Projektanbieters abwarten. Nur so kann er feststellen, ob er es mit Profis zu tun hat, ob der Anbieter sein eigenes Geschäftsmodell erklären kann, ob er zeitnah eine Rückmeldung gibt und ob er seriös wirkt."

Ringo Dressler, Geschäftsführer des Ingenieurbüros 3D in Merkers, sekundiert ihm: "Die Agenturen müssen wissen, wovon sie reden. Unqualifizierte Vertreter merken gar nicht, wenn in den Online-Datenbanken Annoncen eingetragen sind, die von den technischen Angaben her falsch sind." Für Newcomer ist es seiner Meinung nach eine große moralische Unterstützung, wenn sie ein Vertreter des Vermittlers zum Vorstellungsgespräch begleitet. Darüber hinaus sollte der Einsteiger vorab entsprechend beraten werden. Dressler: "Wie viele andere Einsteiger war auch ich vor meinem ersten Gespräch sehr nervös und hatte keine Ahnung, was von mir verlangt wird. Deshalb ist eine gute Vorbereitung hilfreich." Hier seien die Qualitätsunterschiede zwischen den Vermittlungsagenturen deutlich zu erkennen. Der IT-Profi hat noch einen weiteren Tipp parat: "Sobald der Newcomer seinen Rahmenvertrag in der Hand hält, sollte er sich auf jeden Fall professionellen Rat von erfahrenen Kollegen oder in einem Forum holen. Gerade bei unerfahrenen Leuten wird nämlich oftmals die Marge angehoben."

Qualitätsunterschiede lassen sich nach Ansicht von Dressler zudem während der Projektbegleitung erkennen: Bei den einen würde sich der Kontakt auf die Rechnungsabwicklung beschränken, bei anderen würde man mit den entsprechenden Ansprechpartnern zum Essen gehen. Für die Beurteilung der Agenturen gibt es, so der Softwareexperte, noch zwei weitere Aspekte: Qualifizierung und Berufsziel. Der Freiberufler begrüßt es sehr, dass einige Vermittler kostenfreie Seminare anbieten

Obwohl Alexander Eisenhuth von Stacom - Ingenieurbüro für Software-Entwicklung in Freiburg in der glücklichen Lage ist, mit Kunden in direktem Kontakt zu stehen, hat er in puncto Agenturen einiges an Erfahrung gesammelt. Bei der Auswahl der passenden Agentur sind für ihn zwei Kriterien entscheidend: Region und Ausrichtung. Die Ausrichtung des Vermittlers sei deshalb ein Kriterium, weil jeder Freelancer in der Regel über einen Schwerpunkt verfüge. Um sich in diesem Punkt schlau zu machen, sollte der Internet-Aufritt des Anbieters unter die Lupe genommen werden. Hier erhalte man auf jeden Fall einen wichtigen Eindruck. (hk)