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Hacker-Wettbewerb verläuft unspektakulär

07.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der vergangene Woche im Internet für Sonntag angekündigte Hacker-Wettbewerb "Defacers Challenge" (Computerwoche online berichtete) verlief ohne nennenswerte Schäden, berichten Sicherheitsexperten. Derjenige, der als erster in 6000 Websites einbricht und diese mit eigenen Texten oder Bildern kennzeichnet, sollte 500 Megabyte Speicherplatz im Web als Preis erhalten. Zwar seien innerhalb der ersten Minuten rund 300 so genannte Defacements gemeldet worden, danach jedoch nur 200 weitere, sagte Roberto Preatoni, Gründer des in Estland angesiedelten IT-Sicherheitsunternehmens Zone-h. Erwartet hatte Preatoni 20.000 bis 30.000 Meldungen, an einem normalen Sonntag werden zwischen 1000 und 3000 Seiten geknackt.

Die Hacker hatten Zone-h als Meldestelle für geknackte Server auserkoren. Die Esten betreiben eine Datenbank, in der Defacements gespeichert sind. Bekannte Websites wie etwa Amazon.com oder Yahoo.com seien am Sonntag nicht betroffen gewesen, lediglich kleine und mangelhaft gesicherte Internet-Angebote. Allerdings haben die Hacker auch die Seite von Zone-h unter Beschuss genommen. Offensichtlich mit nachhaltigem Erfolg - das Angebot war am Montagvormittag immer noch nicht zu erreichen.

Aufgrund der Probleme bei Zone-h hat der Initiator der Defacement Challenge, ein Hacker mit dem Pseudonym "Eleonora(67)", den Wettbewerb um 24 Stunden verlängert. Experten rechnen jedoch nicht damit, dass sich heute nennenswerte Auswirkungen bemerkbar machen. Vielmehr kritisierten sie, dass einige IT-Sicherheitsfirmen und Behörden zuviel Aufmerksamkeit auf die Aktion gelenkt hätten. Attacken, die die Verunstaltung von Web-Seiten zum Ziel haben, fänden jeden Tag statt, so die Betreiber des ehemaligen Defacement-Archivs Attrition.org. Wer seine Systeme ordentlich absichere, bräuchte derlei Hacker-Wettbewerbe nicht zu fürchten. (lex)