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Internet-Preise verliehen

GuttenPlag gewinnt Grimme Online Award

24.06.2011
Hohe Auszeichnung für die Plagiatsjäger im Netz.

Die von mehr als 1000 Freiwilligen dokumentierten Plagiate in der Doktorarbeit des Politikers zu Guttenberg wurde als beispielhaftes Projekt für die Zusammenarbeit im Netz gewürdigt. Das "GuttenPlag Wiki" ist eines von acht Internet-Projekten, die den renommierten Grimme Online Award für publizistische Qualität im Netz erhalten haben.

Der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann
Der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann

"Die diesjährigen Preise belegen, welche Bandbreite es im Internet gibt", sagte Uwe Kammann, Leiter des Adolf-Grimme-Instituts bei der Verleihung am Mittwochabend in Köln. Dies gelte auch für die Gestalter und Anbieter der Online-Angebote. "Sie müssen nicht unbedingt starke Häuser hinter sich haben, sondern bieten oft auch bei kleinster Besetzung und höchst individueller Leistung hervorragende publizistische Inhalte und Formen." Das Netz sei innovativ, kreativ, politisch und zudem ein wichtiges Element einer kollektiven Kontrolle und individuellen Teilhabe.

Im "GuttenPlag Wiki" entdeckten mehr als 1000 freiwillige Helfer zahlreiche Plagiate in der Doktorarbeit des ehemaligen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg und machten die Textstellen kenntlich. Dafür gab es den Preis in der Kategorie "Spezial". Die Jury hob die faire und unvoreingenommene Arbeitsweise der Administratoren des Wikis hervor. "Das Projekt macht deutlich, dass Textvergleiche gut kollaborativ organisiert werden können und welche Möglichkeiten das Web für gemeinsames Arbeiten bietet."

Der Begründer des Projekts sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe nicht damit gerechnet, damit jemals einen Preis zu gewinnen. "Ich habe einen Schneeball angeschubst, und daraus ist eine Lawine geworden, die man nicht mehr steuern konnte", sagte der Doktorand, der anonym bleiben möchte. Das Projekt habe auch nicht das Ziel gehabt, zu Guttenberg persönlich zu schaden oder einen Beitrag für mehr wissenschaftliche Redlichkeit zu leisten. "Das war eher ein detektivisches Interesse."

Ebenfalls in der Kategorie "Spezial" wurde das Projekt "Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten" prämiert. Hierfür hat "Zeit Online" die bei einem Telefonanbieter gespeicherten und im Netz frei verfügbaren Daten des Politikers Malte Spitz zu einem persönlichen Profil in Form einer interaktiven Karte zusammengesetzt. Dabei konnten die Nutzer alle Aufenthaltsorte, Telefonate und SMS-Mitteilungen des Grünen-Politikers nachvollziehen.

In der Kategorie "Information" würdigte die Jury zwei Angebote, die nutzerfreundlich umgesetzte und fundierte Hintergrundinformationen bieten: Das Anwalt-Blog "law blog" und die Website zum Wissensprogramm des Deutschlandradios, "DRadio Wissen". Die Jury lobte die besondere Art, wie Internet und Radio verbunden werden. "DRadio Wissen" biete mit Linktipps, Bildern und eigenen Blog-Beiträgen mehr als die klassische Programmbegleitung. Im "law blog" informiert der Strafverteidiger Udo Vetter regelmäßig die Nutzer mit viel Ironie und in verständlicher Sprache über juristische Themen. Das Angebot stehe für einen qualitativ, hochwertigen Blick hinter die Kulissen der Juristerei.

In der Kategorie "Wissen und Bildung" wurden ebenfalls zwei Projekte gewürdigt: Die Autoren Martin Haase und Kai Biermann beobachten in ihrem Blog "Neusprechblog" die Sprache von Politik und öffentlichen Debatten. Sie entlarvten Worthülsen und verbale Verschleierungstaktiken, hieß es. In der Webdokumentation von Arte, "Prison Valley", porträtieren der Journalist David Dufresne und der Fotograf Philippe Brault einen Ort in den USA, in dem 36.000 Einwohner leben und in dem es 13 Haftanstalten gibt. Die Nutzer können sich auf eine interaktive Erkundungstour durch das "Prison Valley" begeben und sich mit anderen Nutzern und den Protagonisten in Verbindung setzen. Das Projekt sei der gelungene Versuch, dem Medium Film ein neues, interaktives Format zu geben, urteilte die Jury.

Das Reiseblog "Reisedepesche" von Johannes Klaus bekam den Preis in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" für seinen Bericht über eine im Mai 2010 gestartete Weltreise. Einen Preis in der gleichen Kategorie ging an die "Wortwuselwelt" von Brigitte Krämer und Nina Pagalies - eine mit Ton- und Wortspielen sowie Gedichten gestaltete Kinderwebseite.

Der Publikumspreis ging an GameOne.de - die Webseite zur Fernsehsendung "Game One" beim Musiksender MTV. Den "klicksafe Preis für Sicherheit im Internet" erhielten die Selbstschutz-Plattform von Jugendlichen für Jugendliche im Netz, juuuport.de (Niedersächsische Landesmedienanstalt), und das Theaterstück gegen Cybermobbing und sexuelle Gewalt im Internet "Click it!" (Verein Zartbitter Köln).

Der Online Award wurde zum 11. Mal vom Adolf-Grimme-Institut Marl verliehen. Die Preisverleihung fand zum Abschluss des Medienforum.NRW statt. (dpa/tc)