Gründergeschichten

Guter Schreibstil per Knopfdruck?

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Priester oder Beamter sollte Michael Ballweg werden, wäre es nach seinem Vater gegangen. Stattdessen gründete Ballweg die LinguLab GmbH. Deren Software macht Texte verständlicher.
Gründer Michael Ballweg präsentierte auf dem Microsoft-Stand auf der CeBIT seine Software, die Texte verständlicher macht.
Gründer Michael Ballweg präsentierte auf dem Microsoft-Stand auf der CeBIT seine Software, die Texte verständlicher macht.

Michael Ballweg ist Frühaufsteher. Sein Hund auch. Um sieben Uhr morgens drehen die beiden ihre Runde - im Kopf geht Ballweg dabei die "To-Dos" des Tages durch. Wenn er um acht sein Stuttgarter Büro betritt, erwartet ihn meist ein Zwölf-Stunden-Tag. "Viel Arbeit ist es schon - es gibt nun mal Aufbauphasen, in denen man viel Zeit ins Unternehmen investiert", sagt der 35-Jährige. Schon während seines BWL-Studiums machte sich Ballweg selbständig. Mit einer Agentur für Website-Entwicklung und Datenbanklösungen finanzierte er sein Studium und sammelte bereits erste Erfahrungen als Gründer. 1997 landete er beim Gründerwettbewerb der Wirtschaftswoche unter den ersten drei. Im Laufe der folgenden Jahre absolvierte er zudem Fortbildungen in SQL, Sharepoint und neurolinguistischer Programmierung.

In sechs Monaten von der Idee zum Prototyp

Die Geschäftsidee für LinguLab ist Ballweg über einen tierischen Umweg gekommen: Der Hundeliebhaber ist Mitglied in einer Stuttgarter Hundegruppe. Dort lernte er 2007 eine Mitarbeiterin des Redaktionsbüros Aexea kennen. Gemeinsam entstand die Idee, die Kompetenzen von Programmierung und Redaktion zu verbinden. Das Ziel: ein Algorithmus zur Messung von Textqualität. Ballweg stellte mit dem Redaktionsbüro ein Projektteam aus Designern, Entwicklern und Linguisten zusammen. Der Zeitplan war sportlich: In nur sechs Monaten entstand ein funktionierender Prototyp der Software, die auf zu lange Sätze und überflüssige Füllwörter aufmerksam und so Texte verständlicher macht.

Der Prototyp wurde auf der Internet World 2008 vorgestellt. "Da wir die benötigten Experten und die Arbeitsleistungen mit den bestehenden Unternehmen abdecken konnten, schonten wir unsere Ressourcen und konzentrierten uns auf den Vertrieb", erklärt Ballweg. Die Messe war ein voller Erfolg für das Startup: In zwei Tagen hatten er und seine Kollegen 120 Kontakte, vorwiegend zu Unternehmensvertretern aus den Branchen Versicherung, Pharma und Energie. "Wir richten uns mit unserer Enterprise-Server-Version in erster Linie an die Internet- und Intranet-Redaktionen der DAX100-Konzerne, und da stießen wir auf reges Interesse."

VC-Geber bestehen auf Abhängigkeit

Die von zwei Unternehmen gemeinsam gegründete LinguLab GmbH ist bislang mit eigenen Mitteln finanziert. Um das internationale Wachstum anzukurbeln, sucht man trotzdem nach VC-Gebern, vor allem für die englische Version. Laut Ballweg gestaltet sich das unerwartet problematisch: "Ich dachte eigentlich, dass eine gute Idee und Investitionsbereitschaft gut zusammenpassen müssten. Es hat sich aber herausgestellt, dass LinguLab für die Aufbauförderung noch nicht weit genug, für eine Seed-Finanzierung aber schon zu weit ist. Zudem wurde mehrfach verlangt, dass wir unsere anderen, völlig gesunden Firmen aufgeben. Ich empfinde das als unnötig große Abhängigkeit zum Investor. Darauf wollen wir uns nicht einlassen", berichtet der Unternehmer.

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