Die ersten 100 Tage im neuen Job

Gut gewappnet durch die Probezeit

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Wer glaubt, mit dem unterzeichneten Vertrag für den neuen Job in der Tasche sei die Karriere in trockenen Tüchern, irrt. Gerade am Anfang stehen Neulinge besonders unter Beobachtung.
Arbeitsvertrag in der Tasche? Jetzt gilt es, die Probezeit zu überstehen.
Arbeitsvertrag in der Tasche? Jetzt gilt es, die Probezeit zu überstehen.
Foto: Picture-Factory - Fotolia.com

Klar, dass unpünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz nicht gut ankommt. Oder wenn Sie sich zu früh in den Feierabend verabschieden. Und Gespräche über Ihren nächsten Urlaub sollten Sie anfangs erst recht vermeiden. Schließlich sind Sie noch nicht lange an Bord.

Aber auch zu großer Übereifer und überdurchschnittliches Engagement am neuen Arbeitsplatz könnten falsche Signale setzen, warnen Anke Quittschau und Christian Tabernig in ihrem Buch „Die ersten 100 Tage im neuen Job“. Denn der neue Arbeitgeber könnte davon ausgehen, dass Sie immer so leistungsfähig sind, oder aber die neuen Kollegen könnten sich vor den Kopf gestoßen fühlen.

Der Ratgeber "Die ersten 100 Tage im neuen Job" ist 2013 im Verlag C.H.Beck erschienen und kostet 6,90 Euro.
Der Ratgeber "Die ersten 100 Tage im neuen Job" ist 2013 im Verlag C.H.Beck erschienen und kostet 6,90 Euro.
Foto: Verlag C.H.Beck

Der im Taschenformat erschienene Ratgeber richtet sich an alle, die den Bewerbungsprozess erfolgreich hinter sich gebracht und den unterschriebenen Arbeitsvertrag frisch in der Tasche haben - ob Einsteiger oder Berufserfahrene. In kurzen, prägnant geschriebenen Kapiteln geben die Autorinnen Tipps zum Marketing in eigener Sache, Dresscodes, Small Talk, gute Umgangsformen ob im Unternehmen oder auf Geschäftsreise mit Kollegen, E-Mail-Knigge, Meeting-Etikette, Geschäftsessen und die richtige Nutzung von Social Media.

Dem Aspekt Selbstbild – Fremdbild und Selbstsicherheit widmen sie eingangs ein eigenes Kapitel. Denn selbstsicheres Auftreten und das Wissen um die eigene Wirkung sind die Basis für den Erfolg im Job.

Die wichtigsten Do’s and don’ts aus dem Ratgeber lesen Sie hier:

1. Am Anfang lieber etwas formeller

Erscheinen Sie am ersten Tag nicht im selben Outfit wie beim Vorstellungsgespräch, denn Ihr Arbeitgeber kann sich meist noch sehr gut daran erinnern, was Sie im Bewerbungsprozess getragen haben. Insgesamt können Sie am Anfang noch etwas formeller auftreten. Informieren Sie sich vor dem Start, welche Kleidung im Unternehmen beziehungsweise in der Branche üblich ist. Beherzigen dabei den Spruch: „Kleiden Sie sich für die Position, die Sie gerne inne haben möchten.“

2. Die Geschäftsführung erkennen

Sie sollten vor allem wissen, wie die Geschäftsführerin/der Geschäftsführer aussieht. Es wäre peinlich, wenn Sie sie/ihn in der Kaffeeküche oder im Fahrstuhl nicht erkennen. Studieren Sie also vor Ihrem ersten Tag die Firmen-Webseite unter der Rubrik „über uns“ und prägen Sie sich die wichtigsten Gesichter ein.

3. Teamplayer gefragt

Neben den fachlichen Fähigkeiten, die Sie anhand Ihrer Zeugnisse belegt haben, sollten Sie in der Probezeit auch Ihre Soft Skills wie Teamfähigkeit und Ihr zwischenmenschliches Geschick unter Beweis stellen. Oft ist es wichtig, sich nicht durch einzelkämpferische Leistungen hervorzuheben, sondern ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen zu demonstrieren.

4. Schweigen ist Gold

Die Kunst des Zuhörens kennt man vom Small Talk. Nehmen Sie sich am Anfang etwas zurück und hören Sie zu, was die "alten Hasen" erzählen. So erfahren Sie am meisten über das Unternehmen und darüber hinaus auch, wie vertrauenswürdig der/die ein oder andere ist. Gehen Sie mit den anderen in die Mittagspause. Halten Sie sich aber vor allem bei Lästereien zurück oder bei zu offenen Gesprächen. Wenn Mitarbeiter nach Ihrer Meinung oder Ihrem ersten Eindruck fragen, bleiben Sie diplomatisch.

Erzählen Sie ab und zu auch etwas von sich. Gestalten Sie Ihr eigenes Image, sonst tun es die anderen für Sie.

5. Change-Management

Ein Externer erkennt meist viel schneller, wie man Abläufe optimiert oder dass neue Prozesse eingeführt werden sollten. Nicht umsonst gibt es so viele Unternehmensberater, die für teures Geld in die Betriebe geholt werden. Sie sind jetzt auch eine Art Berater. Sollte Ihnen was auffallen oder Sie möchten neue Abläufe einführen, treten Sie nicht zu übermütig auf und versuchen Sie nicht, den ganzen Laden umzukrempeln. Führen Sie die Kollegen behutsam auf Ihren Vorschlag hin. Prozesse, die Sie vorher erklärt und eventuell gemeinsam entwickelt haben, werden viel erfolgreicher als die, die Sie vorschreiben. Sie ziehen die Kollegen so auch auf Ihre Seite. Die Beteiligten haben das Gefühl diesen Prozess mitentwickelt zu haben.

Nehmen Sie die Kollegen, die mit Neuerung am meisten zu tun haben frühzeitig an Bord. Sie vermeiden so unnötige Zeitverzögerungen.

Durch den Austausch mit den Kollegen werden Prozesse und Neuerungen oft noch verbessert oder auf die Situation im Unternehmen angepasst. Hören Sie also aufmerksam zu, wenn Anmerkungen zu Ihrem Vorschlag kommen.

6. Hilfe einfordern

Stellen Sie Fragen und lassen Sie sich von anderen helfen. Keiner erwartet, dass Sie die Abläufe von selbst kennen. Sollten Sie keine Einweisung für Ihr Arbeitsfeld bekommen und einfach ins kalte Wasser geschmissen werden, dann lassen Sie sich eine Person von Ihrem Vorgesetzten nennen oder bitten Sie ihn selber darum, ihn um Rat fragen zu dürfen. Je besser die Einarbeitung ist, desto reibungsloser und schneller können Sie effektiv arbeiten.

7. Respekt und Höflichkeit

Seien Sie auf jeden Fall pünktlich - nicht nur am ersten Tag. Auch unter Kollegen pflegt man einen höflichen Umgang und Rücksichtnahme. Sollten Sie Meinungsverschiedenheiten unter Kollegen haben, treten Sie behutsam auf. Pochen Sie nicht auf Ihr Recht, sondern hören Sie sich die Gegenargumente an. Zeigen Sie Interesse und Respekt. Ellenbogenmentalität ist vor allem in der Probezeit nicht von Vorteil.

8. Feedback

Sollten Sie ein Feedbackgespräch nach einigen Wochen oder den ersten Monaten mit dem Personalchef oder Ihrem Vorgesetzten haben, äußern Sie auch Ihre Beobachtungen und Gefühle. Bereiten Sie sich unbedingt auf dieses Gespräch vor. Es geht um Ihre Zukunft. Jetzt können Unklarheiten ausgeräumt werden. Überlegen Sie sich, welche Ziele Sie erreichen können und wollen. Was ist wirklich machbar?

9. Man sieht sich immer zweimal im Leben

Egal ob in der Probezeit oder später: Sollten Sie planen, das Unternehmen zu verlassen, gehen Sie im Guten. Hinterlassen Sie einen guten bleibenden Eindruck. Sollten Sie eine Referenz benötigen, ist es immer gut, einen Fürsprecher beim ehemaligen Arbeitgeber zu haben.

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