Grüner Rat hat Konjunktur

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Die Wege zu einer ökologisch guten IT-Infrastruktur sind vielfältig. Unabhängige Berater können dabei helfen, die Energiekosten erheblich zu senken. Allerdings gilt das nur für größere Projekte.

Green IT hat sich längst vom herstellergetriebenen Hype-Thema zu einem realen Markttrend entwickelt. Dabei ist es in den seltensten Fällen das Umwelt-bewusstsein, das IT-Leiter und CIOs zum Handeln veranlasst. Vielmehr locken die gewaltigen Einsparungen bei Energie-, Betriebs- und Administrationskosten, die eine auf (Energie-)Effizienz getrimmte IT-Architektur verspricht.

Individuelle Lösungenvom Spezialisten

Wer alle Aspekte der Energieeinsparung berücksichtigen will, kommt kaum noch ohne spezialisierte Berater aus. Zu komplex ist das Zusammenspiel von Rechenzentrumsarchitektur, Hard- und Software, Virtualisierungs- und Betriebskonzepten. Das Marktumfeld ist indes schwer überschaubar: Es reicht von den klassischen Beratungshäusern und Systemintegratoren über die Hardwarehersteller und Anbieter von Virtualisierungssoftware bis zu RZ-Ausstattern und Klimatisierungsspezialisten.

Einen Königsweg für die Aus-wahl des geeigneten Partners gibt es nicht, zu unterschiedlich sind die speziellen Bedürfnisse. Zudem fließen individuelle Ansprüche in die Planung und Umsetzung von Energiesparkonzepten ein. Die Anforderungen reichen dabei von Anschaffung und Austausch der Server-Hardware über die Einführung von Vir-tualisierungstechniken und Betriebskonzepten bis zur Pla-nung eines komplett neuen Rechenzentrums (RZ) und der Umsetzung einer unternehmensweiten Umweltstrategie. Und nicht zuletzt spielt das bereits im eigenen Unternehmen vorhandene Know-how eine Rolle für den Beratungsbedarf, ebenso die gewachsenen Partnerschaf-ten und Bindungen an Hardwareanbieter und Systemintegratoren.

Hier lesen Sie ...

  • welche Firmen zum Thema Energieeffizienz beraten;

  • warum unabhängige Beratung für umfassende Energiesparkonzepte wichtig ist;

  • in welchen Fällen kostenloser Rat der Hersteller ausreicht.

Generell gilt jedoch: Je tiefer die Eingriffe in die IT sind, desto wichtiger wird der unabhängige Rat. Streben Unternehmen eine ganzheitliche Green-IT-Strategie an oder wollen sie große Teile der IT-Infrastruktur energiesparend gestalten, gehören die Beratungsteams der klassischen Systemintegratoren zur ersten Wahl. Service-Provider wie Accenture, EDS, CSC und Logica bieten von der Ist-Aufnahme bis zur Umsetzung ein umfassendes Serviceangebot. "Sie bringen den richtigen Mix von Spezialisten an einen Tisch und können unter Einbeziehung der IT-Strategie des Unternehmens ein umfassendes Umsetzungskonzept erarbeiten", sagt Stephan Kaiser, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC).

Lockvogelangeboteder Hersteller

Diese Beratungsleistung kostet selbstverständlich Geld. Die Investitionen lohnen also nur, wenn am Ende deutliche Kos-teneinsparungen herauskommen. In kleineren Projekten lässt sich der Einsatz spezialisier-ter Consultants daher kaum rechtfertigen, zumal es Beratungsleistungen oft als Zugabe der klassischen IT-Hersteller umsonst gibt. Die sind selbstverständlich nicht unabhängig. Speziell die Hardwareanbieter haben ein essenzielles Interesse, ihre Rechner an den Mann zu bringen: "Profunde Consulting-Leistungen müssen natürlich auch hier bezahlt werden, aber es gibt durchaus ein Grundrauschen an Beratungsservices, die Hardwarehersteller als Vertriebsleistung gleich mitliefern", kommentiert Kaiser.

Kostenlose Herstellertippsreichen oft aus

Soll etwa eine traditionelle x86-Infrastruktur durch Blades ersetzt werden, liegt man mit den meist kostenlosen Ratschlägen zur verbesserten Energiebilanz der Hardwareanbieter schon ganz richtig. Und auch zum Thema Virtualisierung gibt es sowohl vom Hardwarelieferanten als auch von VMware, Marktfüh-rer für Virtualisierungssoftware, ergänzende Consulting-Leis-tungen in Sachen Energieeffi-zienz. Darüber hinaus bieten große Hersteller wie IBM, HP und Fujitsu-Siemens Computers auch integrierte Beratungsleistungen von Hardwareauswahl, Virtualisierungs- und Betriebskonzepten bis hin zu RZ-Planung und Optimierung an. Diese Consulting-Leistungen zielen auf den Einsatz eigener Produkte, sind aber dennoch kostenpflichtig, denn der Aufwand ist in derart umfassenden Projekten erheblich.

Start auf der grünen Wiese ist die Ausnahme

Das fällige Beratungshonorar, so das Versprechen der Anbieter, amortisiere sich angesichts der zu erwartenden Einsparungen an Energiekosten schnell. "Mit einer entsprechenden Planung, die alle Energiefragen ganzheitlich ins Kalkül zieht, rechnet sich die Investition meist schon nach ein bis eineinhalb Jahren", behauptet Klaus Rumsauer, Director Server & Storage Deutschland bei HP. Würden alle Aspekte berücksichtigt - etwa energiesparende Komponenten, Konsolidierung und Virtualisierung von Server- und Speichersystemen auf energie-effizient ausgelegte Betriebs- und Klimatisierungskonzepte - seien Energieeinsparungen von mehr als 50 Prozent möglich.

Trotz dieser optimistischen Prognosen rät Hans-Rüdi-ger Vogel, Fachmann für Energieeffizienz und Senior Consultant beim Outsourcing-Dienst-leister Logica, zur Vorsicht: "Oft basieren die Szenarien der Hardwarehersteller auf Installationen, die auf der grünen Wiese erstellt werden. Aber in jedem Rechenzentrum finden sich gewachsene Infrastrukturen, häufig mit 24/7-Betrieb, die man nicht auf einen Schlag ersetzen kann", warnt der Experte.

Sinnvoll ist eine schrittweise Aufrüstung

Ein kompletter Neuanfang sei die absolute Ausnahme. Bezüglich der Modernisierung des vorhandenen Rechenzentrums rät Vogel zu einer Einteilung in "zukunftsfähige" und "nicht zukunftsfähige" Segmente. "Wird ein Rechenzentrum in einzelne Abschnitte unterteilt, ist eine schrittweise Aufrüstung möglich. Jedes Segment lässt sich einzeln auf den neuesten Stand bringen - von Hardware bis Klimatisierung. Legacy-Systeme können ohne Einschränkung weiterbetrieben werden", schildert der Berater ein mögliches Vorgehen.

Trotz der unübersichtlichen Anbieterlandschaft und der sich vielfach überschneidenden Angebote von Consultants, Systemintegratoren, RZ-Spezialisten sowie Hardware-, Software und Applikationsanbietern hat Marktkenner Kaiser auch beruhigende Nachrichten: "Kein Anbieter, der im Infrastrukturumfeld tätig ist, kann es sich heute noch leisten, das Thema Green IT zu vernachlässigen", versichert der PAC-Berater. "Alle seriösen Player in diesem Marktsegment verfügen über profundes Know-how im Bereich der Energieeffizienz." (jha)u

Drei Wege zur grünen IT

Die Anschaffung stromsparender Monitore oder energiesparender Server beim nächsten fälligen Hardwaretausch hilft zwar, schöpft aber die Möglichkeiten zu Kosteneinsparungen bei weitem nicht aus. "Es gibt drei Hebel, um IT-Architekturen energieeffizienter zu machen: Verbrauch reduzieren, Infrastruktur optimieren und die Ressourcen effizienter nutzen", sagt Bernhard Brandwitte, Director Product Marketing Enterprise Server Business bei Fujitsu-Siemens Computers.

  • Verbrauch reduzieren: Der Stromverbrauch der Hardwarekomponenten trägt nur zu einem geringen Teil zur Gesamtbilanz bei. Dennoch sollte man bei der Anschaffung neuer Hardware unbedingt auf die Verbrauchswerte achten. Die gute Nachricht: Die Hardwarehersteller verbauen in jüngster Zeit zunehmend energiesparende Komponenten. Energieverschwender sind in den Server-Linien der neuesten Generation kaum noch zu finden.

  • Infrastruktur optimieren: Eine noch wichtigere Rolle für die Energiebilanz spielen die RZ-Architektur und -Klimatisierung. Hier lohnt sich eine Beratung durch Fachleute: Mit einem durchdachten Konzept, das die Raumplanung, die Verkabelung und die Klimatisierung - und möglicherweise sogar die Abwärmenutzung -einbezieht, lassen sich bedeutende Einsparungen erzielen.

  • Ressourcen effizienter nutzen: Als ergiebigster Ansatz für die Energieeinsparung gelten Konsolidierung und Virtualisierung der Infrastruktur und Anwendungslandschaft. Denn was nützt es, wenn die ausgetauschten Server nur noch mit 75 Prozent der ehemals verbrauchten Energie zu Buche schlagen, während eine Konsolidierung und Virtualisierung der Server-Landschaft gleich eine Halbierung der Anzahl benötigter Rechner möglich machen würde? Virtualisierung gilt deshalb als Schlüsseltechnologie, um die Auslastung der Maschinen zu verbessern, Stellfläche im RZ sowie Energie für Betrieb und Klimatisierung einzusparen. Ebenso machen virtualisierte Umgebungen, in denen Applikationen problemlos zwischen physikalischen Servern verlagert werden können, individuell zugeschnittene Betriebskonzepte möglich: Applikationen können auf wenige Maschinen verlagert, redundante Systeme zu Zeiten geringerer Auslastung, etwa nach Büroschluss oder nachts, abgeschaltet werden und tragen so zur weiteren Senkung des Stromverbrauchs bei.