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Gründer auf dem Rückzug

12.02.2003 | von Dietrich Jaeschke
Die Gründer-Ära neigt sich ihrem Ende zu, doch die Tradition mittelständischer Softwarehäuser lebt fort - nicht zuletzt, weil in vielen alteingesessenen Firmen auch die Chefetage den Wandel in der IT-Welt nachvollzogen hat.

Der Mittelstand hat in Deutschland schon immer eine besondere Rolle gespielt, auch in der Softwareindustrie. Viele kleine und mittlere Anbieter sind schon seit den 70er Jahren am Markt und haben sich hierzulande eine führende Rolle erarbeitet - häufig in einer Nische. Der Aufschwung dieser Unternehmen ist in der Regel untrennbar mit ihren Gründern verbunden. Genauso wie eine SAP nicht ohne ihre Gallionsfiguren Hasso Plattner und Dietmar Hopp denkbar wäre, so ist Soft M eng mit Hannes Merten verknüpft, die PSI AG mit Dietrich Jaeschke, und in Firmennamen wie Steeb und Materna haben sich die deutschen IT-Pioniere gleich selbst verewigt. Die Softwerker der ersten Stunde sind mehr als nur Pioniere und Visionäre - es sind Persönlichkeiten, die sich mit Leib und Seele ihrem Unternehmen verschrieben haben. Kein Wunder, dass viele noch heute aktiv sind. Doch das Ende der Gründer-Ära nimmt seinen Lauf.

So auch bei der PSI AG, Berlin. Nach mehr als 30 Jahren zog sich Dietrich Jaeschke, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, zum 30. November 2002 ins Privatleben zurück. Jaeschke gilt als Prototyp des Unternehmers, der sich bis zum Schluss in der Firma und ihren Produkten detailliert auskannte.

Innovation als Zukunftsstrategie 

Die PSI AG ist als Spezialist für Versorgungsunternehmen groß geworden. Noch heute gelten die Technologien für die Netzleittechnik bei Versorgern als erste Wahl. Um das Portfolio auszubauen, hat Jaeschke frühzeitig in neue Produkte investiert und eine objekt-orientierte Unternehmenssoftware entwickeln lassen, die auch heute noch technologisch eine Spitzenposition einnimmt - auch wenn sie sich bisher nicht am Markt durchgesetzt hat. Nicht immer konnte Jaeschke Innovation und Markterfordernisse unter einen Hut bringen. Dass er den Modetrends der Softwarebranche permanent Rechnung tragen muss, statt sich auf anspruchsvolle Technik zu konzentrieren, war ihm ein permanentes Ärgernis.

Mit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen kann sich der Gründer nun umso mehr seinen weiteren Aktivitäten widmen: dem Engagement für Kultur und soziale Projekte.

Gründer mit Leib und Seele 

Noch lange nicht ans Aufhören denkt dagegen Hannes Merten, Vor-standsvorsitzender der Soft M AG, München - obwohl er sich neben seinem Unternehmen auch in politischen Dingen engagiert, zum Beispiel im Umweltschutz. Seit 1974 ist der 57-Jährige bei dem Unternehmen, und auch er hat Innovationen immer frühzeitig aufgegriffen. Merten ist Gründer durch und durch - zufrieden mit dem Erreichten und seiner Rolle als Firmenchef. Als traditionelles AS/400-Haus hat Soft M eine komplette betriebswirtschaftliche Software für mittelständische Unternehmen in den Branchen Lebensmittel, Pharma/ Kosmetik, Chemie und Handel erstellt. Dass es auf Dauer nicht reichen würde, nur die später in I-Series umbenannte AS/400-Plattform zu bedienen, hat Merten rechtzeitig erkannt und daher mit der Portierung der Software auf andere Systeme begonnen. Heute läuft die Software auch unter Windows. Eine Linux-Version ist geplant. Beim Datenaustausch setzt Soft M auf XML.