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Börsengang steht an

Groupon mal richtig teuer

03.06.2011
Von wegen Schnäppchen-Portal: Während die Nutzer von Groupon kräftig sparen, müssen sich die Investoren beim Börsengang auf ein sattes Preisschild gefasst machen.
Groupon hat sich vor geraumer Zeit mit der Übernahme seines größten hiesigen Klons auch in den deutschen Markt eingekauft.
Groupon hat sich vor geraumer Zeit mit der Übernahme seines größten hiesigen Klons auch in den deutschen Markt eingekauft.

Und Groupon liefert nur einen Vorgeschmack auf den möglichen Börsengang von Facebook. Das Schnäppchen-Portal Groupon geht bei seinem Börsengang in die Vollen: Bis zu 750 Millionen Dollar oder umgerechnet rund 520 Millionen Euro will der Internet-Senktrechtstarter bei den Anlegern einsammeln. Damit liefert Groupon einen der größten Börsengänge des Jahres ab.

Große Aufmerksamkeit ist dem Ereignis schon alleine deshalb gewiss, weil die Investoren wissen wollen, ob die Euphorie für Internetfirmen anhält. Denn dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich das soziale Netzwerk Facebook ebenfalls alsbald auf den Weg Richtung Parkett macht. Auch der Spieleentwickler Zynga ("FarmVille") gilt als heißer Anwärter auf den Gang an die Börse.

Um das Datum und den Stückpreis für die einzelne Aktie machte Groupon am Donnerstag noch ein Geheimnis. Mit dem Schritt an sich war aber schon seit Monaten gerechnet worden. Die Anleger reißen sich derzeit um Internetfirmen. So war die Aktie des beruflichen Online-Netzwerks LinkedIn an ihrem ersten Tag an der Börse wie eine Rakete abgegangen und hatte ihren Wert in der Spitze fast verdreifacht.

LinkedIn hat mit aktuell 7,5 Milliarden Dollar einen Wert wie der Baukonzern Hochtief. Der Wert von Groupon wird auf mindestens das Doppelte veranschlagt, womit die junge Firma in der Liga des weltweit zweitgrößten Sportartikel-Herstellers Adidas mitspielt. Und doch warten die Anleger nur auf den ganz großen Wurf, quasi die Mutter aller Internet-Börsengänge: auf Facebook. Hier kursieren unglaubliche 60 Milliarden Dollar als Gesamtwert.

Die Summen steigen und steigen und viele Beobachter fürchten schon eine neue Internet-Blase, die dann auch ganz so wie zu Zeiten der New Economy um die Jahrtausendwende schnell platzen könnte. Groupon-Gründer und Firmenchef Andrew Mason hatte erst vor einem halben Jahr ein sechs Milliarden Dollar schweres Kaufangebot des Internetgiganten Google abgelehnt und erntete dafür vielerorts Kopfschütteln. Doch das Warten scheint sich gelohnt zu haben.

Mason ist einer der Großaktionäre von Groupon, hinter dem eine ganze Reihe von Investoren stecken, die mit ihrem Geld das steile Wachstum erst ermöglicht haben. Sie wollen nun Kasse machen.

Wie schnell Groupon wächst, verriet die Firma erstmals in ihrem Börsenprospekt: Im zweiten Quartal 2009, kurz nach dem Start, lag der Umsatz gerade mal bei gut drei Millionen Dollar. Im ersten Quartal dieses Jahres setzte Groupon schon annähernd 645 Millionen Dollar um. Die Zahl der Nutzer wuchs in der gleichen Zeit von 152.000 auf mehr als 83 Millionen. Und statt nur in Nordamerika präsent zu sein, gibt es Groupon mittlerweile in 43 Ländern, auch in Deutschland.

Groupon bringt Nutzer zusammen, die am Kauf bestimmter Produkte oder Dienstleistungen interessiert sind, und sichert ihnen damit Rabatte bei Händlern oder Herstellern. Groupon selbst kassiert dafür eine Provision. Das Geschäftsmodell ist so erfolgreich, dass sich immer mehr Nachahmer finden. So zieht Google jetzt seinen eigenen Schnäppchen-Dienst namens "Google Offers" auf. Google ist damit aber spät dran: Groupon gibt es seit November 2009.

Doch noch schreibt Groupon Verluste, im vergangenen Quartal unterm Strich satte 146 Millionen Dollar. Denn das rasante Wachstum kostet Geld. Mehr als 7100 Menschen arbeiten mittlerweile für das Portal und forschen nach den besten Angeboten. Einen Rabatt beim Börsengang, soviel dürfte sicher sein, werden die gewieften Schnäppchenjäger aber nicht herausschlagen können. (dpa/tc)