BASF, General Motors und Hitachi teilen NAS unter sich auf

Großsysteme: IBM gehen die Konkurrenten aus

03.03.1989

MANNHEIM/NEU-ISENBURG (ujf) - Schlechte Zeiten für Großrechneranwender, die eine kompatible Alternative zu IBM suchen: Nachdem das Joint-venture zwischen Memorex-Telex und National Semiconductor geplatzt ist, gibt es hier nur noch zwei Anbieter - Amdahl und die BASF-Tochter Comparex, die im Begriff ist, sich das Eurogeschäft von NAS einzuverleiben.

Die Freude bei Memorex-Telex über den scheinbar gelungen Coup währte nur kurz. Denn das Anfang des Jahres beschlossene Joint-venture mit National Semiconductor, in das der Halbleiterkonzern seine unrentabel arbeitende Mainframe-Division National Advanced Systems (NAS) hatte einbringen wollen, scheirte jetzt am Zeitdruck und an den Umständen der Finanzierung. Damit ist auch die Aussicht auf einen mit IBM konkurrierenden DV-Vollsortimenter dahin, der vom PC über Terminals, Speicher und Drucker bis zur großen Zentraleinheit das ganze Spektrum abgedeckt hätte. Statt dessen kommt es nun wohl zu der Lösung, die in der Branche von Anfang an als die wahrscheinlichste gehandelt worden wahr: Der japanische Hitachi-Konzern, der als "Plug-Compatibile Manufacturer" (PCM) die von NAS vertriebenen Rechner herstellt, macht das Geschäft künftig selbst - mit Electronic Data Systems (EDS), der Datenverarbeitungs-Tochter von General Motors, als amerikanischem Partner. Die Europaaktivitäten sollen unmittelbar nach Abschluß des Deals an die Mannheimer Comparex Informationssysteme GmbH weiterverkauft werden, eine 66prozentige Tochter der BASF AG. Das Memorex-Management macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl.

Nach einer Meldung der "Financial Times" hat der Hitachi-Konzern, von dem die Comparex seit jeher ihre Hardware bezieht, noch weitergehende Pläne. Die Japaner hätten Interesse an einer finanziellen Verflechtung mit dem deutschen Unternehmen. Zu der Spekulation, daß es Hitachi auf den 33,5-Prozent-Anteil der Siemens AG an Comparex abgesehen haben könnte, wollte der Sprecher der Mannheimer Firma sich nicht äußern. Vorerst bleibe alles beim alten, bisher es ja ohnehin erst einen neuen "Letter of intent".

Inwieweit Comparex die Mitarbeiter der National Advanced Systems (Deutschland) GmbH in Neu-Isenburg bei Frankfurt übernehmen will oder kann, steht noch nicht fest. Eins aber ist klar: daß NAS-Statthalter William A. Winchell, der seit dem Weggang von Ernst Hofmann als General Manager die Stellung hält, die Suche nach einem neuen deutschen Geschäftsführer abblasen kann.

Giorgio Ronchi, Vorstandschef des amerikanischen Unternehmens, das über eine Amsterdamer Holding gehalten und von London aus gelenkt wird, gab freilich in einer ersten Stellungnahme zu, daß das neue Angebot von Hitachi für Natsemi attraktiver gewesen sei. Fast 400 Millionen Dollar wollen der japanische Elektroriese und sein US-Kompagnon für die komplette NAS auf den Tisch legen. Memorex-Telex hatte nur 250 Millionen Dollar geboten, zuzüglich vier Millionen Aktien des eigenen Hauses. Nach diesem Plan hätte aber Natsemi die Hälfte von NAS behalten.

An den Aktien scheiterte schließlich die Vereinbarung: Memorex-Telex ist immer noch nicht an der Börse notiert; der Vollzug des "Letter of intent" hätte also noch einige Monate auf sich warten lassen. Hitachi dagegen wird - wie es heißt - bis Ende März Nägel mit Köpfen machen. Für das zweite Quartal erwartet man die Überlassung von NAS Europe an Comparex. Wieviel der BASF-Tochter der bisherige Konkurrent wert ist, war nicht zu erfahren.