IBM-Anwender werben für Qualifizierung

Spezialisten für Midrange-Systeme selbst ausbilden

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
IBM Power Systeme – wer noch Midrange-Systeme kennt, geht demnächst in Rente. Statt den Abfluss dieser Skills zu beklagen, schicken Anwender ihre Mitarbeiter auf die IBM Power Academy. Der erste Durchgang läuft bereits.
Heidi Schmidt vom Verband Common Deutschalnd und Ralf Kunz von der IT Akademie Bayern trotzen mit der IBM Power Academy dem Fachkräftemangel.
Heidi Schmidt vom Verband Common Deutschalnd und Ralf Kunz von der IT Akademie Bayern trotzen mit der IBM Power Academy dem Fachkräftemangel.
Foto: Heidi Schmidt/ Ralf Kunz

Ob Neudeutsch "Skills Shortage" oder altdeutsch Fachkräftemangel - viele Unternehmen können ein Lied davon singen. Ein Klagelied meistens. Heidi Schmidt, CEO der PKS Software GmbH, und Burkhard Fertig, IT-Chef bei Suffel Fördertechnik, wollen nicht mit einstimmen. Sie tun lieber was: Als Vorstände des Anwendervereins Common Deutschland trommeln sie für die IBM Power Academy. Deren Motto: wenn Fachkräfte fehlen, bildet man sie eben selbst aus.

Hinter Common Deutschland stehen rund 300 Unternehmen, die die Systeme i (Power Systems / AS400) der IBM nutzen. Rund 5.000 solcher Midrange-Systeme sind derzeit in Deutschland installiert, wie Ralf Dannemann sagt, Direktor Power Plattform bei IBM. Diese Systeme gelten als "Enkel der Systeme /38 im Markt", schmunzelt Fertig. Das weist in die 1980er-Jahre.

Wer aber nun meint, die Systeme seien "veraltet", der irrt. "Die strategische Bedeutung dieser Systeme für die IBM wird dadurch unterstrichen, dass sie inzwischen die Basis für die Watson-Technologie bilden und auch seit einigen Monaten SAP-HANA native unterstützen", betont Common Deutschland.

Doch zum Enkel gehört der Großvater, und so gehen die zuständigen IT-Leiter demnächst in Rente. Nachfolger? Fehlanzeige. Und hier kommt die Power Academy ins Spiel. Sie geht auf die Initiative von Common Deutschland, der IT Akademie Bayern und IBM zurück. Im Januar starteten die ersten sechs Teilnehmer. Es sind überwiegend gelernte Fachinformatiker, ihre Berufserfahrung liegt zwischen einem und fünf Jahren. Im Februar 2017 sollen sie abschließen.

Neben IT-Fachwissen stehen Soft Skills wie Rhetorik und Präsentationstechniken auf dem Lehrplan, für die Verständigung mit dem Business sollen Management-Kurse sorgen. Als Prüfung erarbeiten die Teilnehmer ein praxisorientiertes Projekt. Der Kurs umfasst monatlich drei Tage Präsenzunterricht am Stück, zwei Online-Webinare und Selbstlern-Module.

Ausbildung kostet 14.500 Euro

14.500 Euro bezahlen die Unternehmen für die Ausbildung. Vorerfahrungen mit der IBM i sind nicht zwingend erforderlich, versichert Ralf Kunz, Leiter der IT Akademie Bayern. Wichtiger sei die Motivation der Teilnehmer. Und davon hat jedenfalls Peter Straßer eine ganze Menge mitgebracht, einer der ersten Teilnehmer.

Er arbeitet in der IT-Abteilung von Erwin Müller, einem Versandhändler aus dem Landkreis Dillingen an der Donau. Straßer lobt "den erfahrenen Coach aus dem IBM i-Umfeld und das praxisnahe und unkonventionelle Blended Learning mit minimalen Präsenzzeiten". Das ermögliche ihm, selbst zu bestimmen, wann er lernen will, und seine Weiterbildung mit Job und Familie unter einen Hut zu bringen.

Je nach Teilnehmergruppe können die anmeldenden Unternehmen bei den Ausbildungsinhalten auch mitreden, so der Common-Verband. Damit folgt die Power Academy einem Motto, für das auch die webbasierte Lernplattform Udacity steht: die Wirtschaft nimmt die Qualifizierung ihrer Fachkräfte selbst in die Hand. Ralf Kunz jedenfalls ist überzeugt: "So legen Unternehmen Geld an - und geben es nicht aus!"