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Großinvestoren wenden sich von Peoplesoft ab

24.11.2004

Obwohl sich die Peoplesoft-Verantwortlichen bemühen, ihre langjährigen Großinvestoren mit positiven Ausblicken auf das kommende Geschäftsjahr bei der Stange zu halten, haben die institutionellen Anleger während der zurückliegenden Monate kontinuierlich Peoplesoft-Anteile verkauft. Laut einem Bericht des Wall Street Journal reduzierte beispielsweise Alliance Capital Management LP die Zahl seiner Peoplesoft-Papiere im September auf insgesamt 8,2 Millionen Anteile. Drei Monate zuvor besaß die Anlagegesellschaft noch 21 Millionen Aktien des Softwareanbieters. Die Verantwortlichen von Franklin Advisers Inc. veräußerten im gleichen Zeitraum fast vier Millionen Papiere. Im Sommer 2004 stand das Angebot von Oracle bei 21 Dollar je Peoplesoft-Aktie.

Die Oracle-Verantwortlichen gehen davon aus, dass in den vergangenen Monaten rund 125 Millionen Peoplesoft-Aktien den Besitzer wechselten. Das entspricht rund einem Drittel des gesamten Aktienbestandes. Die Preisspanne habe dabei zwischen 22 und 23 Dollar gelegen. Vor allem kurzfristig orientierte Investoren haben die Peoplesoft-Anteile in der Hoffnung auf ein höheres Angebot Oracles aufgekauft. Seit dem 1. November 2004 bietet der Datenbankspezialist 24 Dollar je Peoplesoft-Aktie. Daher ist damit zu rechnen, dass die frisch gebackenen Peoplesoft-Aktionäre Kasse machen wollen und die Oracle-Offerte unterstützen werden. Peoplesoft will die Aktienbewegungen bislang nicht kommentieren.

Wichtig könnte die Unterstützung der kurzfristig orientierten Anleger für Oracle im nächsten Jahr werden. Dann werden auf der nächsten Hauptversammlung Peoplesofts vier Mitglieder des siebenköpfigen Verwaltungsrates neu gewählt. Gibt Peoplesoft seinen Widerstand trotz des Aktionärsvotums vom vergangenen Wochenende, anlässlich dessen Oracle über 60 Prozent der Aktien zugesichert wurden, nicht auf, muss Oracle versuchen, mit der Wahl eigener Kandidaten die Kontrolle zu übernehmen. Allerdings muss der Datenbankspezialist bis spätestens morgen, Donnerstag, den 25. November, seine Kandidaten nominieren.

Bei der Wahl im kommenden Frühjahr zählt jede Stimme. Der Grund: Das Peoplesoft-Management kann laut den eigenen Statuten neue Anteile ausgeben, sobald ein Investor mehr als 20 Prozent des Akteinbestandes hält. Diese Giftpille könnte die feindliche Übernahme für Oracle deutlich teurer machen, als ursprünglich geplant. Außerdem muss Oracle dann trotz der jüngst zugesagten Papiere um seine Aktienmehrheit bangen.

Ob diese Giftpille weiter Bestand hat, wird vor einem Gericht im US-amerikanischen Bundesstaat Delaware verhandelt. Der zwischenzeitlich unterbrochene Prozess wird damit fortgesetzt. Dort versuchen die Oracle-Verantwortlichen, die Abwehrmaßnahmen per Richterspruch verbieten zu lassen. Experten gehen jedoch davon aus, dass Richter Leo Strine nicht die unternehmerischen Freiheiten Peoplesofts beschneiden wird. Allerdings sei damit zu rechnen, dass Strine angesichts des Ergebnisses vom zurückliegenden Wochenende die Peolesoft-Verantwortlichen nachdrücklich dazu auffordern wird, endlich das Verhandlungsangebot von Oracle anzunehmen. (ba)