Spitzenverdiener IT-Projektleiter

Großer Gehaltsreport für IT-Profis

Alexandra Mesmer
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 14 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie schreibt, redigiert, organisiert, moderiert und kümmert sich um die Online-Rubriken Karriere & Gehalt, Freiberufler, Young Professional und den Karriere-Ratgeber sowie den Karriere- und Freiberufler-Newsletter.
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IT-Fachkräfte bekommen um 2,2 Prozent mehr Gehalt - im Schnitt. Deutlich höher fielen die Zuwächse für Spezialisten aus, die bisher schon überdurchschnittlich verdienten. Das ist ein Ergebnis der Gehaltsstudie von COMPUTERWOCHE und Personalmarkt.

Wie hoch ist mein Jahresgehalt? Welche Marke hat der Firmenwagen? Sind Weiterbildung und Home Office vertraglich garantiert? Stellt ein Bewerber solche Fragen, bräuchte Dagmar Schimansky-Geier nicht mehr nach seinem Beruf fragen. Die Geschäftsführerin der Personalberatung 1a Zukunft weiß auch so: Er ist ein SAP-Berater und gehört nach wie zu den begehrtesten IT-Fachkräften. "Die Forderungen der Kandidaten sind hoch, das Gehaltsniveau im SAP-Umfeld ist es auch", sagt Schimansky-Geier. Das bestätigt auch die aktuelle CW-Vergütungsstudie, für die der Hamburger Dienstleister Personalmarkt mehr als 15.000 Gehaltsdaten analysierte.

Tim Böger, Personalmarkt: "Der hohe Bedarf an IT-Spezialisten spiegelt sich in den Gehältern wider."
Tim Böger, Personalmarkt: "Der hohe Bedarf an IT-Spezialisten spiegelt sich in den Gehältern wider."
Foto: Personalmarkt

In diesem Jahr betrug das Gehaltsplus für IT-Führungskräfte 5,5 Prozent, für IT-Fachkräfte 2,2 Prozent. Der Durchschnittswert mag moderat erscheinen, aber er beinhaltet auch deutlich höhere Zuwächse für Spezialisten, die schon bisher gut verdienten. Ein Beispiel sind die erwähnten SAP-Experten. Tim Böger, Personalmarkt-Geschäftsführer und Projektleiter der Gehaltsstudie, erläutert: "SAP-Entwickler in Führungspositionen verzeichnen einen auffälligen Anstieg von über zehn Prozent beim Grundgehalt. Zudem stiegen die Gehälter von SAP-Beratern in mittleren und kleineren Unternehmen am signifikantesten." Die großen IT-Beratungshäuser geben die Vergütungsmesslatte vor, der die kleineren und mittleren Dienstleister aufgrund des Spezialistenmangels folgen müssen. Auch Nicole Mamier, Personalleiterin der Realtech AG, eines SAP-Dienstleisters mit über 350 Mitarbeitern, muss in diesem Spiel mitmachen: "Das Kandidatenkarussell ist ein Grund für die gestiegenen Gehälter. Bei einem Jobwechsel erwarten Bewerber ein Gehaltsplus von zehn Prozent, auch wenn sie aus einem großen Unternehmen kommen."

Berufe: Vom Projektleiter bis zum Web-Designer

Unter den IT-Fachkräften ohne Personalverantwortung bleiben IT-Projektleiter mit durchschnittlich 77.000 Euro im Jahr die Spitzenverdiener. In den vergangenen Jahren haben Projektleiter gehaltstechnisch mächtig aufgeholt und oft Gruppenleiter überholt. Manchmal dringen sie sogar in die Vergütungsregionen der Geschäftsführer und Bereichsleiter in Großunternehmen vor, wie das Beispiel eines 53-jährigen Teilnehmers der Gehaltsstudie zeigt: Als Projektleiter SAP-Implementierung bezieht er in der Softwarebranche ein Jahresgehalt von knapp 160.000 Euro, wovon allerdings 50.000 Euro Prämie sind.

Dagmar Schimansky-Geier, 1a Zukunft: "Die Forderungen der Kandidaten sind hoch, das Gehaltsniveau im SAP-Umfeld ist es auch."
Dagmar Schimansky-Geier, 1a Zukunft: "Die Forderungen der Kandidaten sind hoch, das Gehaltsniveau im SAP-Umfeld ist es auch."
Foto: 1a Zukunft

Nach den SAP-Beratern (69.420 Euro) gehören auch IT-Sicherheitsprofis und IT-Berater mit durchschnittlich je 66.000 Euro Jahresgehalt zu den sehr gut bezahlten Fachkräften. Das Grundgehalt von Führungskräften in der IT-Sicherheit erhöhte sich sogar um durchschnittlich zehn Prozent. Laut Schätzungen des Branchenverbands Bitkom arbeiten hierzulande zwischen 60.000 bis 80.000 IT-Sicherheitsexperten, und sie werden künftig verstärkt gesucht, sowohl als Spezialisten von IT-Security-Dienstleistern als auch als Generalisten von Anwenderunternehmen, die dort eher IT-Sicherheit organisieren.

Auch Spezialisten, die sich mit der Planung von Methoden und Tools im IT-Umfeld auseinandersetzen, konnten ihr Gehalt um durchschnittlich vier Prozent steigern und kommen im Schnitt auf 64.600 Euro im Jahr. "Nach langer Zeit können sich auch IT-Trainer und Schulungsleiter über höhere Zuwächse freuen, die dieses Jahr bei drei bis fünf Prozent liegen", berichtet Studienleiter Böger. Ein IT-Trainer befindet sich mit einem Jahreseinkommen von durchschnittlich 46.000 Euro dennoch eher am unteren Ende der Gehaltsskala. Kaum verändert haben sich indes die Gehälter der Datenbankadministratoren ( knapp 58.000 Euro) und der SAP-Entwickler ohne Führungsverantwortung (62.000 Euro), obwohl letztere auch schwer am Markt zu finden sind.

Vergütungsstudie IT-Funktionen 2012/13

Datenbasis: Ausgewertet wurden 15.081 Datensätze, der Grossteil stammt aus Direktbefragungen von Fach- und Führungskräften. Weitere 2413 Datensätze lieferten 47 Unternehmen aus der IT-Wirtschaft. Die Daten wurden zwischen Mai und August 2012 erhoben.

Methode: Personalmarkt hat Höhe und Struktur der Gehälter von 28 IT-Funktionen untersucht, differenziert nach Anspruchsstufen: etwa vom einfachen Berater bis hin zum Manager mit Personalverantwortung. Zudem wurden die Gehälter getrennt nach Firmengrößen ausgewertet.

Bestellen: Die Vergütungsstude "IT-Funktionen 2012/13" kann zum Preis von 599 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer und Versandkostenpauschale) unter www.personalmarkt.de bestellt werden. Sie richtet sich an Geschäftsführer, Personalleiter und Personalverantwortliche aus der IT sowie an Personal- und Unternehmensberater.

Rund 40 Prozent der IT-Fachkräften haben eine Prämienregelung, der variable Anteil beläuft sich auf jährlich 4000 Euro. Einen Firmenwagen fährt jeder Achte, er hat einen Neuwert von 36.500 Euro.