Mobile World Congress

Große Nachfrage nach kleinen Programmen

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Apps für Smartphones und Tablets entscheiden zunehmend über Erfolg und Misserfolg im mobilen Geschäft.

Lange Zeit als funktional eingeschränkte Versionen belächelt, laufen mobile Applikationen, kurz Apps genannt, Desktop-Programmen allmählich den Rang ab. Kein Wunder also, dass auch Google-Chef Eric Schmidt Informatikstudenten in seiner Keynote auf dem Mobile World Congress riet, nach ihrem Abschluss eine Karriere als Apps-Entwickler einzuschlagen. "Mobile first!" sei die Devise, weil hier das größte Wachstum erwartet werde.

Telefonie ist Nebensache

Welch große Rolle die kleinen Programme auf Handy oder Smartphone spielen, dokumentiert eine im Auftrag der GSM Association (GSMA) unternommene Untersuchung vom Januar. Demnach werden Apps mit durchschnittlich 667 Minuten pro Monat bereits intensiver genutzt als die frühere Grundfunktion Telefonie (531 Minuten). Lediglich mit Textmitteilungen verbringen die mobilen Nutzer noch vier Minuten mehr Zeit.

Die Studie dokumentiert auch, inwieweit sich die App-Nutzung je nach Plattform unterscheidet: So greifen iPhone- und Android-Besitzer mit 15 Apps im Monat auf fast doppelt so viele Programme wie Blackberry- und Symbian-Nutzer zu.

Wenngleich noch andere Faktoren eine Rolle spielen, ist ein Zusammenhang mit der allgemeinen Marktentwicklung im Smartphone-Bereich nicht von der Hand zu weisen: So liegt die Anzahl der Apps in Appstore und Android Market bereits im sechsstelligen Bereich, Nokias Ovi Store hat dagegen gerade einmal die Schwelle von 30.000 Anwendungen überschritten, gut 20.000 Apps zählt RIMs Pendant Blackberry App World. Gleichzeitig erobern iPhone und Android-Geräte zunehmend Marktanteile und setzen die ehemaligen Platzhirsche Nokia und RIM unter Druck - mit den bekannten Folgen.

Wählerische Entwickler

Die Hersteller befinden sich damit in einem Teufelskreis, denn die Entwickler selbst orientieren sich bei der Auswahl an den Perspektiven der einzelnen Plattformen. Dabei hat - das ergab eine Umfrage von Appcelerator und IDC - Google den Rivalen Apple bei den Smartphones in puncto Popularität schon fast eingeholt und kommt bei den Tablets in Sichtweite.

Microsoft und RIM gewannen dank der vorgenommenen Updates in ihrer Produktlinie Sympathiepunkte: Wegen des besser als befürchtet ausgefallenen Starts von Windows Phone 7 und der optimierten Bedienoberfläche stieg der Anteil der stark interessierten App-Entwickler gegenüber dem vorangegangenen Quartal um acht auf 36 Prozent. Das Interesse, Apps für das Blackberry Playbook zu entwickeln, kletterte von 16 auf 28 Prozent.

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