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Großbritannien deckt 1,6 Milliarden Euro schweren Handy-Betrug auf

12.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Britische Zollbeamte haben bei einer Razzia einen Handy-Schwindel aufgedeckt, der die Staatskasse nach Schätzungen mehr als 1,6 Milliarden Euro kostete. Im Rahmen der Blitzaktion kam es zu einer Reihe von Verhaftungen, außerdem wurde eine Reihe von Firmenkonten bei Großbanken gesperrt. Die Aktion ist Resultat einer einjährigen Ermittlung der Zollbehörde. Ziel ist es, organisierte Banden zu stoppen, die LKW-Ladungen von Mobiltelefonen durch Europa transportieren, um unberechtigt Mehrwertsteuer einzukassieren. Bereits im vergangen Monat hatten die Beamten bei Razzien in London, Manchester und Gibraltar zwei Personen verhaftet, die der Geldwäsche und des Steuerbetrugs beschuldigt werden.

Drahtzieher der Betrügereien sind Firmen, die Handys zollfrei aus EU-Ländern importieren und diese anschließend in Großbritannien mit Mehrwertsteueraufschlag an Händler verkaufen. Anschließend lösen sich die Unternehmen auf, ohne diese Steuer zu deklarieren. Der Fiskus wird sogar doppelt geschädigt, da die Firmenkunden den gezahlten Mehrwertsteuerbetrag beim Staat wieder einfordern. Nach Angaben des National Criminal Intelligence Service (NCIS) haben sich die an den Betrügereien beteiligten Unternehmen zu einem Ring zusammengeschlossen, der kontinuierlich Güter zwischen kooperierenden Händlern in verschiedenen EU-Staaten bewegt. Die Tatsache, dass Handys klein aber wertvoll sind und nur geringe Transportkosten verursachen, hat laut NCIS seit 1998 zu einem starken Anstieg dieser Delikte geführt. Außerdem werde der Graumarkt mit Mobiltelefonen im Gegensatz zu anderen verdächtigen Waren wie Computerbauteilen dadurch erleichtert, dass

wegen der schwankenden Nachfrage überzählige Handys rund um die Welt geschickt würden. Das spielt Geldwäschern und Steuerbetrügern in die Hände, da diese von den hohen Umsätzen, großen Mengen und schnellen Transaktionen profitieren. Nach Bemühungen des Zolls, Banken auf dieses Problem hinzuweisen, haben diese bereits verdächtige Konten gesperrt, ohne dass Anklagen oder Verhaftungen vorlagen.