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Großaktionär verpflichtet mobilcom-freenet zu Wachstumskurs

24.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Mobilfunkanbieter mobilcom soll nach der Übernahme seiner Tochter freenet.de rapide wachsen. "Unsere Position ist klar: für uns ist Wachstum die Priorität Nummer eins", sagte der Vertreter des Großaktionärs Texas Pacific Group (TPG), Andrew Dechet, am Dienstag auf der Hauptversammlung von mobilcom in Hamburg. Statt einer Sonderdividende sprach er sich für Zukäufe aus, um die Gesellschaft als Nummer zwei hinter der Deutschen Telekom zu etablieren.

Der Finanzinvestor stellte sich hinter die Expansionspläne des designierten mobilcom-Chefs Eckhard Spoerr. Der Fokus liege auf Wachstum und Akquisitionen, sagte Dechet, der auch im Aufsichtsrat von mobilcom sitzt. Freenet-Chef Spoerr wird zum 1. September den Vorstandsposten von Amtsinhaber Thorsten Grenz übernehmen. Auf der teilweise turbulent verlaufenen Hauptversammlung in Hamburg sollen die Aktionäre der geplanten Verschmelzung mit freenet zustimmen. Dies gilt dank der Mehrheit von TPG als sicher. Am Donnerstag folgt das Aktionärstreffen der freenet-Eigner.

Im Vorfeld der Fusion wurde über die Ausschüttung einer Sonderdividende spekuliert, auf die Großaktionär TPG laut Branchenkreisen gedrängt hatte. Durch die Umstellung der Bilanz wird die mobilcom AG voraussichtlich einen Buchgewinn von 0,8 bis 1 Milliarde Euro verbuchen. Sollte der Vorstand einmal eine Dividende oder einen Aktienrückkauf vorschlagen, dann werde TPG dies prüfen, sagte Dechet. "Die Initiative muss (aber) vom Vorstand ausgehen." Teile der Belegschaft und Gewerkschaften befürchten, dass durch eine Sonderausschüttung die Substanz des Unternehmens angegriffen und Arbeitsplätze gefährdet werden könnten.

Der scheidende mobilcom-Chef Thorsten Grenz trat den Spekulationen entgegen. "Lassen Sie mich klarstellen, dass mit der Aufdeckung stiller Reserven im Zuge der Verschmelzung keinerlei Vorentscheidung darüber getroffen ist, wie ein entsprechender Bilanzgewinn verwendet werden soll", sagte Grenz.

Grenz warb in seiner Rede erneut für den Zusammenschluss. Damit steige mobilcom-freenet zu einem Telekom-Komplettanbieter auf und positioniere sich so für künftiges Wachstum. "Außerdem wird die Verrechnung der vorhandenen Verlustvorträge mit Gewinnen des Festnetz-Geschäfts das Nettoergebnis deutlich erhöhen." Mobilcom verfügt nach dem Rückzug aus dem UMTS-Geschäft über Verlustvorträge in Milliardenhöhe.

Eine Hürde konnten die Unternehmen bereits im Vorfeld der Hauptversammlungen nehmen. Das Bundeskartellamt stimmte am Dienstag der Fusion zu. Es gebe keine Bedenken gegen das 27. Juli angemeldete Vorhaben, teilte die Behörde in Bonn mit.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende erwartet durch den Zusammenschluss positive Impulse für den Aktiekurs: "Ich teile die Auffassung zahlreicher Marktbeobachter, die für mobilcom-freenet weiteres, erhebliches Kurssteigerungspotenzial sehen", sagte Grenz. Die Aktie von mobilcom schloss am Dienstag unverändert mit 20,11 Euro.

Der designierte mobilcom-Chef Spoerr schließt laut früheren Angaben eine Sonderdividende nicht aus - allerdings will er strategischen Zukäufen den Vorzug geben. Interesse hatte Spoerr unter anderem an Deutschlands zweitgrößten Telekomanbieter Arcor geäußert. Nach Angaben aus Branchenkreisen hat der freenet-Vorstandsvorsitzende bereits mit der Arcor-Mutter Vodafone über einen Erwerb gesprochen, ohne allerdings ein Angebot abzugeben. (dpa/tc)