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Greg Maffei ist Ellisons neue rechte Hand

24.06.2005
Larry Ellison hat den früheren Microsoft-CFO und -Dealmaker Greg Maffei als Finanzchef und President eingestellt. Damit sieht es nicht danach aus, als wäre Oracles Einkaufstour zu Ende.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Oracle-Chef Lawrence "Larry" Ellison hat Gregory Maffei (45) zum neuen President und Chief Financial Officer seines Softwarekonzerns ernannt. Während einer Wachstumsphase in den 1990er Jahren war Maffei Finanzchef und Deal-Macher bei Microsoft, später stand er als Chairman und CEO an der Spitze des Telcos 360Networks.

Seine neuen Ämter übernimmt Greg Maffei laut "Wall Street Journal" mit sofortiger Wirkung. In seine Verantwortung bei Oracle fallen neben Finanzen noch Rechtsfragen, Personalwesen, Herstellung, Distribution sowie administrative und Immobilien-Aufgaben. Das Top-Management teilt er sich mit den beiden anderen Oracle-Presidents Safra Catz (Business Development) und Charles "Chuck" Philips (Kundenbeziehungen).

Als Finanzchef von Oracle beerbt Maffei Harry You. Der frühere Accenture-Finanzchef hatte es nur acht Monate lang unter Ellison ausgehalten und war dann als CEO zu Bearingpoint gewechselt (Computerwoche.de berichtete).

Aus Sicht des "Journal" deutet Maffeis Anheuern alles andere als darauf hin, dass Oracle seine Einkaufstour beendet hätte. In seiner Zeit bei Microsoft fädelte der Manager unter anderem Microsofts Investitionen in AT&T (fünf Milliarden Dollar) und Comcast (eine Milliarde Dollar) sowie jede Menge andere Geschäfte ein.

Aus Sicht Maffeis stellt sich der Softwaremarkt ähnlich dar wie der Telco-Sektor in der Vergangenheit - zuerst seien zahlreiche Anbieter aus dem Boden geschossen, dann sei eine massive Konsolidierung gefolgt. "Firmen und speziell große Unternehmen suchen nach einem vertrauenswürdigen Anbieter, der ihnen das ganze Softwarepaket oder zumindest einen möglichst großen Teil davon anbieten kann", erklärte Maffei. Oracle sei dafür in einer hervorragenden Position.

Auch Ellison hatte zuletzt immer wieder die These vertreten, dass die Konsolidierung im Softwaremarkt gerade erst begonnen habe. Seine Firma hat gerade die Übernahme von Peoplesoft für 10,6 Milliarden Dollar abgeschlossen. Peoplesoft seinerseits hatte sich erst kurz vor der Akquisition J.D. Edwards einverleibt.

Branchenkenner fragen sich derweil, ob Maffei womöglich Ellisons neuer "Kronprinz" sei und ob alle drei Presidents ihre Posten behalten werden. Ellison selbst ist gerade in Europa segeln und stand nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung. Maffei selbst bezeichnete die beiden anderen Presidents als "meine Partner" und wies unter anderem darauf hin, dass Frau Catz und nicht er für Mergers & Acquisitions verantwortlich zeichne.

Abzuwarten bleibt, ob Maffei mit seinem neuen Chef besser klarkommt als andere vor ihm. Gary Bloom, der einst als möglicher Ellison-Nachfolger gehandelt wurde, setzte sich schon vor Jahren an die Spitze von Veritas Software ab. Und auch Raymond Lane, dem Ellison in den 1990ern lange Jahre das operative Oracke-Geschäft anvertraut hatte, warf im Jahr 2000 hin und agiert seither als Venture Capitalist. (tc)