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Great Plains kündigt eigene CRM-Software an

26.02.2002
Microsoft will eine eigene CRM-Lösung auf Basis von .Net für kleine und mittlere Unternehmen auf den Markt bringen. Fragt sich nur, was bisherige Partner wie Siebel davon halten.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Great Plains, seit etwas über einem Jahr unter dem Dach von Microsoft, kündigt heute eine eigene CRM-Software (Customer-Relationship Management) für kleine und mittlere Unternehmen an. Diese soll auf der Web-Services-Architektur .Net aufsetzen und sowohl als klassische Anwendung wie auch als Hosting-Dienst angeboten werden.

Die Ankündigung von Great Plains ist allerdings nicht gerade besonders aussagekräftig. Die Lösung werde über Outlook und Web zugänglich sein, heißt es darin, und sei auf schnelle Implementierung, einfache Benutzung und Integration mit Office und den eigenen Backoffice-Lösungen ("Dynamics", "Solomon", "eEnterprise") ausgelegt. In Nordamerika soll die Lösung im vierten Quartal auf den Markt kommen, der Rest der Welt werde ab dem ersten Quartal 2003 bedient. Preise stehen noch nicht fest. Vertrieb und Implementierung übernehmen Reselling-Partner; den Support will sich Great Plains mit Partnern teilen.

"Microsoft Customer Relationship Management" werde andere Lösungen von Great Plains und seiner Konzernmutter ergänzen, heißt es weiter. Namentlich werden Microsofts "bCentral Customer Manager" und "iCommunicate" sowie Great Plains' "eEnterprise Field Service", "Solomon Field Service" sowie " Siebel Front Office" genannt. An letzerer Stelle droht Microsoft/Great Plains vermutlich Ungemach: Bisher vertreibt Great Plains Siebels "Midmarket Edition" an mittlere Unternehmen. Das neue Produkt dürfte hier zumindest einige Überschneidungen mit der Siebel-Offerte aufweisen.

Great-Plains-Chef Douglas Burgum bemühte sich allerdings nach Kräften, solche Bedenken zu zerstreuen. CRM-Größen wie Siebel oder SAP spielten in einer ganz anderen Liga, und von großen Unternehmen wolle man sich tunlichst fernhalten. "Wir haben keinen Direktvertrieb. Wir kommen in die großen Firmen gar nicht rein", erklärte Burgum. Auch einer der MSCRM-Ankündigung anhängenden FAQ-Sammlung betont das Unternehmen mehrfach, bestehende Partner-Beziehung blieben unangetastet (neben Siebel kooperiert Great Plains unter anderem mit Pivotal und Onyx) und das neue Produkt ziele ausschließlich auf kleine bis mittlere Anwender mit 100 bis 1000 Mitabeitern.

Bo Manning, Chef von Pivotal, wundert sich ohnehin ein wenig über Microsofts Einstieg in den CRM-Markt. "In seinem tiefsten Innern glaubt Bill Gates, dass jede Software, die Implementierungs-Services benötigt, dumme Software ist. Und Gates macht keine dumme Software," erklärte der CEO (Chief Executive Officer) und President. Außerdem bräuchte Microsoft laut Manning "ein anderes Mindset", um den Komplexitäts-Level einer CRM-Suite zu adressieren. Von Siebel liegt bislang keine Stellungnahme vor.

Nähere Details zu MSCRM wird Microsoft möglicherweise im März auf der Anwenderkonferenz Great Plains Convergence in Orlando vorstellen. Eine Beta-Version der Software könnte einem Bericht von "Baseline" zufolge dann bereits vorliegen. Das Fachblatt berichtet unter Berufung auf interne Strategiepapiere, Microsofts Lösung bestehe grundsätzlich aus Modulen für Vertriebsunterstützung (SFA = Sales Force Automation), Kundendienst und Marketing Automation. Das letzere - inklusive Kampagnen-Planung und -Management, Telesales Scripting und RoI-Analyse - werde aber wohl erst mit einer späteren Version 2.0 im kommenden Jahr erscheinen. Zur Kern-CRM-Plattform gehören demnach eine Engine für Geschäftsregeln (Codename "Dragonfly") sowie Kontakt- und Lead-Verwaltung, E-Mail, Chat, Routing und andere von Microsoft entwickelte Techniken. Der Hersteller selbst wollte dazu keine Stellung nehmen. (tc)