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Grass-Gedicht schlägt hohe Wellen auf Twitter

05.04.2012
Das hat ein Gedicht bisher noch nicht geschafft: Die als Lyrik präsentierte Kritik von Günter Grass ist am Mittwoch zum Top-Trend im Internet-Dienst Twitter geworden.
Günter Grass (2004)
Günter Grass (2004)
Foto: Florian K (CC BY-SA 3.0)

Der von der "Süddeutschen Zeitung" und mehreren Blättern im Ausland veröffentlichte Beitrag mit dem Titel "Was gesagt werden muss" stieß in der gern besonders bissig kommentierenden Twitter-Szene überwiegend auf Kritik, oft auf empörte Ablehnung. Auch im Ausland wurde heftig mitdiskutiert.

Die schärfste Kritik richtet sich gegen die Aussage des Literaturnobelpreisträgers, dass Israel mit der Möglichkeit eines atomaren Erstschlags gegen den Iran den Weltfrieden gefährde. Der Freiburger Student Daniel Nientiedt twittert dazu: "Der lyrische Erstschlag ist geführt - und das von deutschem Boden." Nur vereinzelte Stimmen geben Grass Recht und wenden sich ebenfalls gegen deutsche U-Boot-Lieferungen an Israel.

Etliche Beiträge werfen Grass vor, antisemitische Tendenzen zu schüren - was dieser in seinem Gedicht bereits als erwartetes "Verdikt" selbst nennt. Der Twitter-Nutzer Markus O. reimt dazu: "Jetzt reißt dem Günter die Geduld: im Grunde ist der Jude schuld! Und erst im Alter dürft er's wagen, was alle wissen, laut zu sagen."

Andere reiben sich gerade an der Form des Beitrags, wollen darin kein Gedicht erkennen. "Erwäge, künftig mehr Zeilenumbrüche in meine Texte zu hacken und sie dann Gedichte zu nennen", schrieb der Düsseldorfer Autor Mario Sixtus. Ein anderer meinte: "Das "Gedicht" von #Grass zum Nahost-Konflikt wahr wohl nix. Ein 'Kommentar' in Gedichtform gepresst. Traurig. Das von einem alten Meister." (dpa/tc)